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Mark McCloud hat 30.000 LSD-Pappen zu Hause

Er sammelt, rahmt und katalogisiert sie in seinem Haus—weil er sich „für kleine, schön gearbeitete Dinge“ interessiert. Und weil er LSD sehr, sehr gerne hat.

Julian Morgans

Julian Morgans

Mark McCloud besitzt ungefähr 30.000 Pappen LSD. Er sammelt, rahmt und katalogisiert sie in seinem Haus in San Francisco, was der Grund dafür ist, dass Mark in regelmäßigen Abständen von der DEA (der amerikanischen Drogenbehörde) besucht wird. Die meisten Pappen sind längst zu alt dafür, irgendjemanden auf einen, wie auch immer gearteten Trip zu schicken, aber als Deko machen sie sich immer noch verdammt gut in Marks viktorianischem Reihenhaus. Ich habe ihn dort besucht, um mit ihm über Hobbys, die Geschichte der Halluzinogene und psychedelische Wiedergeburten zu sprechen—wobei ich die meiste Zeit nur mit Nicken verbrachte, während Mark einen Joint rauchte und immer geheimnisvoller wurde. Am Ende wusste ich nicht mehr genau, wovon wir eigentlich reden, aber es schien mir sehr, sehr wichtig zu sein.

VICE: Mark, du sammelst LSD-Blotter als Kunstwerke. Warum?
Mark McCloud: Weil ich mich seit meiner Kindheit für kleine, schön gearbeitete Dinge interessiere. Als ich in Argentinien aufgewachsen bin, brachten sie gerade diese kleinen Sammelalben raus und das, woran ich mich am besten erinnere, hieß Waffen des Zweiten Weltkrieges. Die Bilder dazu gab es in Kaugummi-Packungen und wir sammelten sie, um uns die Zeit zu vertreiben. 

Wie alt warst du, als du Acid für dich entdeckt hast?
Ich war 13. Es war in Santa Barbara, in einem sehr hübschen Hotel am Strand. Wir hatten unseren eigenen kleinen Bungalow und mein Freund und ich etwas bei Owsley Stanleys Brotherhood of Eternal Love bestellt [will sagen: die Dinger waren erstklassig]. Es war ein erhabenes Erlebnis für Geist und Körper, obwohl ich nervös war und Acid hauptsächlich für sein erzieherisches Potenzial und die Möglichkeit der Selbsterfahrung schätzte. Ich war blind, aber es ließ mich sehen.

Wann hast du mit dem Sammeln angefangen?
Oh, das war als die ersten mit Bildern drauf rauskamen, zu Anfang war Acid ja nichts anderes als ein paar Tropfen auf Papier. Das erste kommerzielle Acid kam 1968 auf den Markt, es kam aus New York City und wurde von diesem großen Underground-Chemiker namens Ghost—möge er in Frieden ruhen—hergestellt, der es unter dem Namen Five by Twenties verkaufte. Es waren fünf Tropfen auf einer kleinen Karte von der Größe eines Autochrom- Films in einer Kodak-Verpackung.

Und ab wann gab es die ersten Tabs mit Bildern drauf?
In den 70ern. Es gibt eine ganze Serie spezieller Bilder aus dieser Zeit auf Papierbögen, die so groß waren wie eine LP und als Platten verschickt werden konnten. Die ersten Bögen hatten ein großes, einfarbiges Bild drauf, das nicht mehr zu erkennen war, wenn man den Bogen in Tabs unterteilte. Später gab es dann kleinere, detaillierte Bilder auf den Tabs selbst.

Einer der ersten illustrierten Bögen.

Warum hast du damit angefangen sie zu rahmen?
Na ja, das ist eine andere Frage über meine Wiedergeburt. Ich war ein sehr schwieriger 17-Jähriger, weißt du. Hendrix war gerade gestorben, also nahm ich eine Riesendosis Orange Sunshine und die Welt um mich herum veränderte sich total. Irgendwie verließ ich diese Welt und verwandelte mich zu etwas anderem und da fing ich dann richtig mit dem Sammeln an. Zu Anfang bewahrte ich die Tabs im Tiefkühlfach auf, was ein Problem darstellte, weil ich sie einfach aufaß, aber dann kam dieses Albert Hofmann Acid raus und ich dachte mir „Fuck! Ich rahm das jetzt!“ Dann habe ich festgestellt: „Wenn ich jetzt versuche das Zeug runterzuschlucken, werde ich an dem Rahmen ersticken.“

Wie schaffst du es bei deinem riesigen Drogenvorrat, nicht verhaftet zu werden?
Gar nicht. Ich bin schon öfters verhaftet worden, immer für die gleiche Sache—Verschwörung mit dem Ziel, Narkotika herzustellen und zu verkaufen. Im Jahr 2000 nahm die DEA eine Gruppe von High-School-Kids in Kansas City hoch, so kamen sie auf eine Gruppe von Dealern und Chemikern in New Orleans und am Ende irgendwie auf mich. Sie wollten mich für den Rest meines Lebens einsperren, aber das konnten sie nicht, weil die Pappen ja alt und nicht mehr zu gebrauchen waren. Am Ende bin ich aus der Nummer wieder rausgekommen und sie mussten die Beweise zurückgeben, das waren ein paar Ordner mit Fotokopien meiner Sammlung. Die können mich mal. Irgendjemand muss denen mal sagen: „Genug jetzt, ihr verdammten Arschlöcher.“

Die DEA katagolisierte Marks Sammlung.

Ich kann mir allerdings denken, dass du weißt, wer die Chemiker waren?
Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es zuzugeben ein ziemliches Risiko wäre. Also lass uns einfach sagen, dass ich manchmal am Geschmack erkennen kann, wer das Zeug herstellt. Meine Favoriten sind ein paar Typen aus den Niederlanden. Da machen sie echt gutes LSD.     

Wie viele Trips hast du in deinem Leben schon genommen?
Nur die Hälfte von einem. Den ganzen Trip hast du erst, wenn du im Himmel Harfe spielst und mit deinem Job hier fertig bist. Das ist der ganze Trip.

Sollte jeder Acid nehmen?
Nein, weil du die richtigen Fragen stellen musst, um es zu nehmen. Bist du bereit dazu, deinem Schöpfer gegenübertreten?

Und was, wenn die Antwort ja lautet? Selbst wenn man unter einen psychischen Krankheit leidet?
Nun ja, es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Acid und der Heilung psychischer Krankheiten. Ich habe nach meiner wunderschönen, zufälligen Wiedergeburt festgestellt, dass das, was wir allgemein als Psychologie bezeichnen, eigentlich Kunst ist.

Du benutzt eine Menge komplizierter Metaphern.
Nein, ich benutze die Wahrheit.

OK, was würdest du jemandem sagen, der keine Lust hat, LSD zu nehmen?
Ich würde sagen: Dann lass es sein und nimm es nicht, bevor du es nicht wirklich willst. Der Wille spielt eine sehr wichtige Rolle. Wenn du es willst, gehe achtsam damit um und umgebe dich mit den Dingen, die du am liebsten hast und, wenn andere Menschen im Spiel sind, achte darauf, dass es deine Lieblingsmenschen sind. Ein Wunder wird dich erwarten.

@MorgansJulian