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​Warum ich bis zu meiner Hochzeitsnacht keinen Analsex haben werde

Männer akzeptieren ein Nein oft nicht. Unter anderem deshalb habe ich mich entschieden, dass ich vorerst Anal-Jungfrau bleibe.
19 Februar 2016, 6:00am
Screenshot via YouTube

Analsex reizt mich schon seit meiner sexuellen Reife. Ich gehöre zu den Frauen, die sexuell aufgeklärt und mit Pornos großgeworden sind. Meinen ersten richtigen Porno habe ich mit 13 gesehen. Wenn man Pornos schaut, werden drei sexuelle Praktiken auffällig: Oralsex, Vaginalsex und zum Schluss

Analsex

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Die ersten beiden Praktiken führe ich voller Lust regelmäßig aus. Sie haben nie ein Problem dargestellt und in beiden Fällen ging das Bedürfnis, sie zu probieren, von mir aus. Sie gehören für mich zu einem spannenden und guten Sexerlebnis dazu. Allerdings hatte ich nur noch nie Analsex. Und das hat mehrere Gründe.

Natürlich stelle ich es mir spannend und geil vor. Immerhin ist es eng, verrucht und versaut. Zumindest in meinem Kopf. Außerdem habe ich auch die lustvollen Blicke der Pornodarstellerinnen gesehen und die Stöhner der Darsteller gehört, die, echt oder nicht, mein Bild von Analsex geprägt haben. Ich habe Kumpels, die mich anzwinkern und zum Schluss ihres Date-Berichtes ein geheimnisvolles „Und dann hab ich sie in den Arsch gefickt" fallen lassen. Dabei grinsen sie meistens, als hätten sie einen sibirischen Tiger mit bloßen Händen erlegt.

Auch meine Ex-Freunde und meine Ex-Gspusis hatten alle etwas gemeinsam: Früher oder später wollten sie Analsex. Manche haben immer wieder lieb gefragt—als ginge es um das Teilen von einem Eisbecher—, andere haben mich während des Sex mit „Komm schon" aufgefordert. Mein Ex hat an einem Punkt der Beziehung (zugegeben einem der letzten Punkte der Beziehung) behauptet, ich würde ihn nicht lieben, wenn ich mir sein Teil nicht in meinen Arsch rammen ließe.

Meiner Erfahrung nach—sowohl aus direkten Anal-Annäherungsversuchen als auch aus Gesprächen mit Freundinnen—ficken Männer wirklich unglaublich gerne Ärsche. So schlimm dieser Satz klingt, so wahr ist er für mich auch. Schwieriger ist es da schon, die Gründe dafür zu finden. Ich glaube, Männer sind es gewohnt, dass Frauen im Bett an sie denken und nicht an sich. Das ist furchtbar. Ich bin mir sicher, dass jedes Mal, wenn eine Frau einen Mann in ihren Arsch lässt, weil er es möchte, irgendwo ein kleines Kätzchen stirbt.

Warum ich niemanden in meinen Arsch gelassen habe, ist eigentlich ganz banal. Ich stelle es mir—abseits der gefaketen Porno-Welt—vom Gefühl her aber ziemlich beschissen vor. Keine meiner vielen Freundinnen hatte in Wirklichkeit großen Spaß an der Sache. Nicht, dass sie mir die Ohren voll geheult haben—leider sprechen auch wir Frauen nicht offen über unsere Gefühle beim Sex. Aber begeistert war keine von ihnen. „Ja, wenn es langsam ist, passt es schon" oder „Man fühlt sich so, als würde man rückwärts scheißen" sind Nebensätze, die bei mir hängen geblieben sind.

Es hatte keine einzige von ihnen einen Orgasmus vom Analsex. Warum zum Teufel sollte ich also so etwas machen? Ja klar, dasselbe gilt auch, wenn man Blowjobs gibt—aber da empfängt man ja theoretisch zurück. Es tut niemandem weh und es ist halt wirklich geil. Und ich kann kommen. Und wie.

Ich will nicht Sachen in ein Männerarschloch stecken, damit die Fairness wiederhergestellt ist. Da von Frauen klassischerweise oft erwartet wird, der empathische Teil beim Sex zu sein, gehen umgekehrt viele Typen davon aus, jeden Wunsch—wenn er nur oft genug formuliert wird—auch erfüllt zu bekommen. Deshalb akzeptieren Männer oft nur sehr schwer, wenn man „Nein" sagt; weil sie im Bett einfach viel zu selten eines hören. „Komm schon Baby, ich bin vorsichtig" hat schließlich schon bei den letzten fünf Frauen funktioniert—warum sollten die Typen dann ausgerechnet bei mir aufgeben?

Wie gesagt, ich kenne keine Frau, die von Analsex begeistert ist. Es kommt mir immer vor, als würden sie es nur machen, um es eben gemacht zu haben—oder weil es den Typen wirklich geil macht und er es unbedingt will. Nun, ich werde auch gerne im Bett dominiert. Aber dominieren kann man anders auch. Beschimpfe mich, gehe grob mit mir um, aber tu nicht so etwas Seltsames mit meinem Arschloch, bitte.

Wenn ich die Augen schließe und an Sex denke, kommt mein Arsch nicht vor. Das macht mich nicht feucht. Das macht nichts mit mir. Und entsprechend ist es nichts, das ich unbedingt tun muss. Die Neugierde, die ich gegenüber Analsex empfinde, ist mir extern von Pornos aufgedrückt worden. Vor allem habe ich beim Sex lieber Orgasmen als Schmerzen—und Schmerzen eben nur dann, wenn sie mir auch einen Orgasmus bringen.

Wenn du nämlich Männern sagst, dass du dich gerne für deinen künftigen Ehemann aufsparen würdest, dann wollen sie dich plötzlich doch nicht so dringend in den Arsch ficken.

Als schlaue, junge Frau habe ich schnell gemerkt, dass Männer sich mit einem Nein ohne Begründung offenbar sehr schwer tun. Sie haken nach, sie wollen beruhigen, sie wollen die Chance ergreifen und mich überreden. Vor allem bin ich dann in der Rolle der Prüden. Ich bin dann die, die nicht gerne experimentiert und sexuell offen ist. Also sage ich, seit ich 16 bin, dass ich bis zu meiner Hochzeit Anal-Jungfrau bleibe. Meistens sage ich das, wenn die Frage zum zweiten oder dritten Mal kommt. Das funktioniert wunderbar.

Wenn du nämlich Männern sagst, dass du dich gerne für deinen künftigen Ehemann aufsparen würdest, dann wollen sie dich plötzlich doch nicht so dringend in den Arsch ficken. Ich nenne es den Jungfrauen-Effekt. Sie sehen dann eine edle Natur in mir, die ich einfach nicht besitze. Sie wollen es dann auch gar nicht, weil sie denken, dass ich sie heiraten will und eine Bindung aufbaue. Das ist wundervoll, da ich einfach nur möchte, dass mir meine Gspusis nicht am Arsch gehen. Wortwörtlich.

Außerdem sagen dir dann deine Partner, dass ihr eh eines Tages heiratet. „Bis zur Hochzeit, Schatz", „aber ich liebe dich so sehr" und „wir bleiben für immer zusammen". Was für andere der Valentinstag war, war für mich der Analsex-Talk, den man in Beziehungen ja immer wieder führt. Ich habe mich immer sehr geliebt gefühlt.

Ich weiß eigentlich nicht, ob ich überhaupt heiraten will. Traditionell oder prüde bin ich auch nicht. Ich habe einfach gerne meine Ruhe und ein Sexleben, das mir Spaß macht, ohne mich immer wieder aufs Neue erklären zu müssen. Eines Tages werde ich bestimmt einen Mann treffen, dem ich so imponieren will, dass er ran darf. Ich bete zu Gott, dass er keine zehn Zentimeter Durchmesser hat.

Mittlerweile sage ich es schon so lange, dass ich langsam wirklich daran glaube. In meiner ersten Hochzeitsnacht werde ich also tatsächlich Analsex haben. Zum ersten Mal. Weil ich es doch probieren will. Neugierig bin ich schon. Und mein künftiger Ehemann verdient sich meinen Arsch auch—immerhin hat er einen verdammt verrückten Menschen zu seiner Ehefrau gemacht. Erstmaliger Arschsex ist das einzige, was ich zur Wiedergutmachung und als Entschuldigung bieten kann.


Screenshot via YouTube.