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Nein, es wird keinen Dislike-Button auf Facebook geben

Die Aufregung war groß, aber die Meldung auch ein bisschen falsch. Facebook arbeitet zwar an einem neuen Button, aber es geht nicht um Downvotes. Im Gegenteil.

von Teresa Hammerl
16 September 2015, 7:30am

Foto von der Autorin

Am Dienstagvormittag fand im Facebook-Headquarter in Menlo Park, Kalifornien, wieder mal eine Frage-und-Antwort-Stunde mit dem Facebook-CEO statt. Die Bloggerin Teresa Hammerl, die aktuell in San Francisco lebt, war vor Ort dabei und hat sich ein bisschen über Reaktion der Medien gewundert.

Das Q&A begann eigentlich wie immer: Mit einem pünktlichen Start von Mark Zuckerberg, einem prallvollen Saal an Leuten, die sich schon 45 Minuten früher vor dem Building 15 am Facebook-Campus versammelt hatten und, nach einer kurzen Einführung, der Standardfrage nach dem meist diskutierten nichtexistenten Facebook-Feature.

Die Frage kam diesmal von einem User aus Kairo, war aber ziemlich genau dieselbe wie Tausende Male davor: Wann wird Facebook neben dem Like- endlich auch einen Dislike-Button einführen? Diese Antwort hingegen gab es am Dienstag zum ersten Mal: Mark Zuckerberg bestätigte, dass Facebook an „einer Art Dislike-Button" arbeitet, der mehr Emotionen als nur ein positives Like aus Facebook herausholen soll.

Einsatzgebiete des neuen Buttons könnten Emotionen wie Anteilnahme, Unterstützung, Mitgefühl, Verständnis bis hin zu Anerkennung sein. Damit rückte Zuckerberg gekonnt gleich in den ersten fünf Minuten mit der wichtigsten Meldung heraus (vorausgesetzt, dass die Frage zumindest ein bisschen dramaturgisch geplant war). Getestet werden soll das neue Feature schon sehr bald.

Und nein, es wird kein Dislike-Button. Wahrscheinlich waren viele der Anwesenden von der Meldung so emotional aufgewühlt, dass sie zwischen den Aufschreien im Saal und ihren eigenen schnellen Twitter-Postings ein bisschen auf die Zwischentöne—und, na ja, auch die Fakten—vergessen haben. Was Mark Zuckerberg sagte, war jedenfalls etwas anderes als das, was kurz darauf durchs Netz ging.

Aber irgendwie auch verständlich: Wie oft hat man schon das Gefühl, ganz unspektakulär bei einer Sache dabei zu sein, die wenige Minuten später Aufmacher sämtlicher Newsseiten mit Hang zu Tech-Themen sein würde. Dass diese Schlagzeilen direkt einen Dislike-Button ankündigen werden, statt den Empathie-Aspekt zu beschreiben, war schon klar, bevor das Raunen im Saal sich wieder gelegt hatte.

Trotzdem werden User auch in Zukunft keinen klassischen Dislike-Button für ihr Facebook-Interface bekommen. Was Zuckerberg eigentlich meinte, war etwas anderes. „Nicht jeder Moment im Leben ist ein guter Moment", so Zuckerberg, weshalb es beim neuen Button vor allem darum ginge, Empathie für spezielle Augenblicke auszudrücken. Das können beispielsweise Posts über aktuelle Ereignisse, wie über die Refugee-Situation sein oder auch Meldungen über den Tod enger Freunde und Familienmitglieder, bei denen man seine Anteilnahme ausdrücken möchte.

Auf Facebook geäußerte Meinungen und geposteter Content sollen also nicht einfach eine Möglichkeit zum Downvote erhalten, wie etwa bei Reddit oder bei Foren mit dem Daumen-hoch-/Daumen-runter-Prinzip. Facebook will einen anderen Weg gehen.

Umständliche Erklärungen, wie man als User sein „Like" bei ernsten Postings meint, könnten sich damit erledigt haben.

Tatsächliche weitere Anwendungsgebiebte gibt es erst, wenn man weiß, wie das exakte Wording für die neue Möglichkeit, Gefühle abseits von „Gefällt mir" zu zeigen, lauten wird.

Ein Anwendungsbeispiel fände sich auf den Facebook-Seiten von Medien oder Magazinen. Berichtete man bisher von Unfällen oder darüber, dass jemand verstorben ist, wurde oft ein Satz bemüht, wo man kompliziert beschrieb, wie man den Like-Button zum Kondolenz- oder „Gute Besserung"-Button umzufunktionieren will, damit es der Nettiquette nach auch in Ordnung war, trotzdem auf „Like" zu klicken. Das ist nicht nur mühsam, sondern auch für den Betrachter unübersichtlich und uneindeutig. Genau dieses Hin und her könnte sich mit einem passenden neuen Button erledigt haben.

Viele scrollen außerdem durch den eigenen Newsfeed und liken Posts, um ihren Freunden mitzuteilen, dass sie einen Post gesehen haben—oder auch, um bewusst oder unbewusst zu steuern, was sie im Newsfeed zukünftig sehen werden. Die Interaktion mit dem Post hat darauf Einfluss. Immer wieder passiert es, dass spannende Beiträge ohne Interaktionen bleiben und so für weniger Menschen sichtbar sind.

MOTHERBOARD: Ich habe mich von einem Facebook-Profiling-Programm analysieren lassen

Nicht kommuniziert wurde bisher, wie sich der neue Button auf den Newsfeed-Algorithmus auswirken wird. Ein reiner Dislike-Button würde hier ziemlich sicher nicht nur Community-Manager in den Wahnsinn treiben, sondern vor allem Trollen aller Art Türen und Tore öffnen.

Auch wenn es dazu keinen offiziellen Kommentar gibt, kann man sich gut vorstellen, dass das Unternehmen mit dem Dislike-Button einen weiteren kritischen Punkt zu bewältigen hätte: Sponsored Posts können dann nach Lust und Laune downgevotet werden—schlicht deshalb, weil es sich um Werbung handelt, die den Feed zwischen Posts von Freunden blockiert.

Viel wichtiger als der Daumen nach unten ist für den Facebook-CEO das noch stärkere Verknüpfen der Community durch den Ausdruck von Gefühlen. Das bestätige er auch später in der Q&A-Session noch einmal, als es um das Erreichen von einer Milliarde Facebook-Nutzern ging: „Diese Community zu verbinden ist das, worum ich mich am meisten kümmere." Und solange er damit den Community-Managern ein bisschen Arbeit abnehmen kann, wird es ihm wohl jeder danken.

Teresa auf Twitter: @ColazioneAroma