Alles, was ich über Sex gelernt habe
Bild: Sam Taylor

Alles, was ich über Sex gelernt habe

Ich werde wahrscheinlich auch noch in den nächsten 50 Jahren immer wieder die gleichen Fehler machen, aber hoffentlich könnt zumindest ihr von meinem angesammelten Wissen irgendetwas mitnehmen.
27.7.16

Sex! Ficken! Kommen! Ein wahres Fest, oder? Ich wette, dass du das Ganze genau in diesem Moment auch gerne machen würdest—also deine Lust wie ein wildes und brünstiges Tier in einem versauten und feuchten Chaos der Körperflüssigkeiten zu befriedigen? Man denkt oft, viel über das Thema Sex zu wissen, aber im Laufe der Zeit wird einem dann doch irgendwie immer wieder klar, wie wenig man eigentlich darüber weiß. Seit wann finden heterosexuelle Männer Anilingus eigentlich so langweilig? Wie einigt man sich auf ein gutes Safeword? Und steht eigentlich überhaupt irgendjemand aufs Fingern?

Mithilfe meiner neuen BBC-Sendung The Paris Lees Sex Show wollte ich die unterschiedlichen Aspekte der Sexualität untersuchen, die mir unbekannt waren. Außerdem war mein Ziel, das Ganze so schmutzig und oberflächlich wie nur möglich zu gestalten. Da es sich aber um die BBC handelt, musste die Show natürlich auch etwas Lehrreiches an sich haben—für die Jugend und so weiter. Gemessen an den BBC-Standards ist das Ganze aber dennoch ziemlich anrüchig. Schau dir zum Beispiel mal an, wie meine Brüste im folgenden Clip wie zwei mit Gelee gefüllte Ballons auf und ab wippen.

Wie dem auch sei, VICE wollte von mir wissen, ob ich bei meinen doch recht speziellen Nachforschungen irgendetwas gelernt hätte. Das habe ich tatsächlich. Und in Kombination mit einem zehnjährigen Dasein als—sagen wir es, wie es ist—Schlampe bedeutet das, dass ich in Bezug auf das Thema Sex schon einen ziemlich guten Wissensstand und Erfahrungsschatz vorweisen kann. OK, ich will jetzt nicht länger um den heißen Brei herumreden und euch genau daran teilhaben lassen.

1.) Entspanne dich

Schalte einen Gang zurück und atme einmal tief durch. Ganz ehrlich, wenn mir das Leben eine Sache beigebracht hat, dann folgende: Wenn man sich mal ein bisschen entspannt, dann kann man sich auch auf einen Verkehrspylonen setzen.

2.) Richte dir eine Sexschublade ein

Jeder Mensch braucht eine Sexschublade. Selbst beim ganz normalen Penis-in-die-Vagina-Sex kommt es doch ab und an zu einer schönen Sperma-Sauerei, oder? Und vom ganzen Muschisaft will ich hier erst gar nicht anfangen. Genau deshalb braucht man auch einen Stauraum für die Taschentücher, Kondome, Handtücher, Handschellen, Dildos etc. Halt den ganzen Sexzeug. Ich bin außerdem ein großer Fan von Feuchttüchern. Immer wenn ich die Dinger irgendwo im Angebot sehe, lege ich mir wie eine geizige Hausfrau direkt einen großen Vorrat an. Aber glaubt mir, Feuchttücher erzeugen da unten ein wirklich unvergleichliches Frischegefühl. Durch die Aloe-Vera-Variante komme ich mir immer fast wieder wie eine Jungfrau vor.

3.) Schätze die Intimität

Ich hatte in meinem Leben schon viele wirklich intime und besondere Beziehungen—zu meiner Nagelpflegerin, meiner Frisörin und zu der Frau, die mir die Augenbrauen zupft. Aber erst in den vergangenen paar Jahren bin ich wirklich erwachsen geworden und habe wahre Intimität richtig zu schätzen gelernt. Und ja, Promiskuität kann auch Spaß machen, aber ich bin dennoch der Meinung, dass dieses Konzept langfristig gesehen nicht viel hergibt. Inzwischen vergleiche ich zwanglosen Sex mit Fastfood und romantisches Liebemachen mit der Zubereitung eines eigenen Gerichts. Versteht mich hier aber nicht falsch! Manchmal braucht man eben einen vor Fett nur so triefenden Kebab. Dieser Kebab wird aber eben niemals so gut schmecken wie eine Speise, die man ganz langsam und liebevoll mit vielen verschiedenen Zutaten und Gewürzen selbst zubereitet hat. Wer hätte das gedacht?

4.) Springe über deinen Schatten

Durch meine neue Wertschätzung habe ich noch eine weitere Sache gelernt. Wenn man jemanden liebt, dann ist so ziemlich alles drin. Auch ich habe meine Präferenzen und Grenzen, aber wenn es da einen ganz speziellen Menschen gibt, dann ist man dazu bereit, alles für diesen Menschen zu tun. Und zwar nicht auf eine komische, abhängige und erniedrigende, sondern auf eine gefühlvolle, offene und wunderschöne Art und Weise. Es gibt zwar immer Dinge, die man anfangs nur macht, weil sie das Gegenüber anturnen, aber irgendwann kann es tatsächlich passieren, dass man diese Dinge plötzlich auch selbst heiß findet.

5.) Sage niemals nie

Ich würde mich zwar schon als "sex-positiv" bezeichnen, aber es gibt trotzdem gewisse Sachen, die mir instinktiv zuwiderlaufen. Beispiele hierfür wären Selbstverletzung oder Fäkalspielchen. Im Gegenzug habe ich inzwischen aber auch schon Vorlieben für Praktiken entwickelt, die ich früher noch als zu krass oder absurd eingestuft hätte. Und aus persönlicher Erfahrung heraus weiß ich, dass es vielen anderen Leuten da genauso geht. So habe ich schon einige Typen Ende 20 oder Anfang 30 getroffen, die auf Transgender-Frauen (egal ob vor oder nach der OP) stehen—und mit Anfang 20 niemals davon ausgegangen wären, jemals "so weit" zu gehen. Wie so viele andere Dinge ändert sich mit der Zeit eben auch die eigene sexuelle Perspektive oftmals ziemlich drastisch. Das ist vollkommen in Ordnung. Im Grunde will ich hier eigentlich nur sagen, dass ich neuerdings auch auf Furrys stehe.

6.) Fick mich, während ich emotional bin

Findet ihr es nicht geil, im emotional aufgeladenen Zustand zu ficken? Also ich schon.

7.) Auch körperlich behinderte Menschen haben Bedürfnisse

Ich bin ziemlich egoistisch und habe dementsprechend auch noch nie wirklich über dieses Thema nachgedacht. Seitdem ich jedoch meine Show moderiere, weiß ich, dass es nicht wirklich viele Pornos für Menschen gibt, die blind oder sehbehindert sind. Und das ist scheiße. Zwar existieren auch Porno-Bücher in Blindenschrift, aber man benötigt zwei Hände, um sie zu lesen. Super. Blinde brauchen bessere Erotik, die alle Sinne bedient.

8.) Schmutzige Fantasien sind OK

Jeder von uns besitzt doch mindestens eine schmutzige Fantasie, die er oder sie im echten Leben niemals ausleben würde. Das ist ja auch nichts Schlimmes. Ich bin jedoch der Meinung, dass man immer mal wieder an diese Fantasie denken sollte, um sich anzuturnen—egal ob man sich nun gerade in einer Beziehung mit einem unglaublich tollen und hübschen Menschen befindet oder nicht. Mir ist dabei egal, wie genau deine Fantasie aussieht, und du musst mit Sicherheit auch nicht wissen, was in meinem Kopf abgeht. OK, wenn du es unbedingt hören willst, die Hauptdarsteller sind ein durchsichtiger Regenmantel, eine ehemalige Schulkameradin, sechs durchtrainierte und sexhungrige Feuerwehrmänner sowie ein Hundeleckerli. Mehr will ich aber wirklich nicht verraten.

9.) Drei sind einer zu viel

Am Anfang macht man mit der neuen Bettbekanntschaft immer aus, dass es irgendwann mal zu einem Dreier kommen wird. Dieser Fall trifft letztendlich jedoch nur sehr selten ein. Ich will hier gar nicht behaupten, dass Dreier immer schlecht sind oder man sie nicht erfolgreich durchführen kann, aber ein gewisses Risiko haftet ihnen trotzdem immer an. Mein Tipp ist es, diese ganze Dreier-Fantasie in der sexuellen Sturm-und-Drang-Phase auszuleben. Da wir allerdings im Jahr 2016 leben, soll jeder einfach das machen, was er oder sie will.

10.) Lass dich untersuchen

Keine Ahnung wie, aber ich hatte noch nie einen Tripper. Verrückt, oder? Und das, obwohl ich es schon ohne Verhütung in einer dreckigen Seitengasse mit einem ziemlich zwielichtig aussehenden Drogendealer getrieben habe. Ich bin jedoch ziemlich dumm. Du bist das nicht und benutzt deswegen auch immer ein Kondom. Du willst ja nicht irgendwelche fiesen Geschlechtskrankheiten oder ein Baby bekommen. Apropos …

11.) Sexualkunde muss besser werden

Im Grunde bereitet einen der Sexualkundeunterricht nicht wirklich auf die Realität und die Verantwortung des Geschlechtsakts vor (zumindest dort, wo ich herkomme). Moment, man führt den Penis in die Vagina ein und Frauen können schwanger werden? Welch Überraschung! Und ich habe noch an den Klapperstorch geglaubt. Klar, wir haben die Pflicht, unsere Kinder über das Thema Fortpflanzung aufklären. Dabei ist es jedoch wichtig, auch Dinge wie etwa Einverständnis anzusprechen. So kann man nämlich sexueller Gewalt vorbeugen, Respekt für die persönlichen Grenzen des sozialen Umfelds aufbauen und viel Leid verhindern. Als ich noch zu Schule ging, schauten wir einfach nur einen Film an, der uns darauf vorbereiten sollte, dass die Achseln jetzt mehr Hygiene benötigen, dass da unten Haare wachsen und dass Masturbation doch sehr schön sein kann. Vielen Dank, all das hätte ich bis zu meinem 14. Lebensjahr auch selbst herausgefunden. Nie hat man uns gesagt, dass Homosexualität, Bisexualität und Asexualität nichts Schlechtes sind. Genau das ist jedoch bitter nötig.

12.) Genieße das Aroma

Achseln sind heiß. Verschandle diese Stelle deines Körpers bitte nicht mit billigem Deodorant. Halte sie einfach nur sauber. Das ist wichtig. Ich habe da nämlich mal ein Video zu gesehen. Vielleicht handelt es sich hier auch nur um eine persönliche Vorliebe, aber ich ich bin überzeugt davon, dass wir auf den Geruch von anderen Menschen stehen sollen. Eine Ausnahme bildet hier der Brexit-Befürworter Boris Johnson. Ich glaube, er riecht nach Dosenfleisch und Versagen.

13.) Höre auf, unsicher zu sein

Mach dir keine Sorgen. Dein Sexpartner bzw. deine Sexpartnerin liegt zusammen mit dir im Bett, weil er bzw. sie auf dich steht. Also lass dich gehen und habe einfach Spaß!

14.) Mit Latex liegst du nie falsch

Latex ist geil. So sah mein Kleid Anfang März aus:

So sah mein Kleid Ende März aus:

Tut mir leid, lieber Hersteller.

15.) Blasen will gelernt sein

Ach ja, der gute alte Blowjob. Ich zitiere an dieser Stelle einfach mal Samantha aus Sex and the City: "Leicht? Ihr Männer habt gar keine Ahnung, was wir uns da unten für Arbeit machen. Die Kieferspannung, der Unterdruck, der Würgereflex. Und dazu immer rauf und runter, stöhnen und schön durch die Nase atmen. Schätzchen, es heißt nicht umsonst BlowJOB!"

§

Und das war's so ziemlich. Ich werde wahrscheinlich auch noch in den kommenden 50 Jahren immer wieder die gleichen Fehler machen, aber hoffentlich konntet zumindest ihr von meinem angesammelten Wissen irgendetwas mitnehmen. Und jetzt viel Spaß beim Ficken!


Titelbild: Sam Taylor