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​Du kannst auch Veganer sein, ohne den Holocaust zu verharmlosen

Für die „Tierrechtsorganisation" PETA sind Massentierhaltung und der Holocaust in etwa das Gleiche. Ein kritischer Blick.

Felix Huesmann

Felix Huesmann

PETA-Aktivisten zeigen Haut und machen Selfies. Foto: imago/I Pictures

Als PETA vor wenigen Wochen in Los Angeles seinen 35. Geburtstag feierte, war die Liste prominenter Gäste lang. Paul McCartney sang ein Geburtstagsständchen, Pamela Anderson ist sowieso immer dabei, wenn es um Tiere geht, und auch Schauspieler wie Joaquin Phoenix oder Sängerin Kesha haben mitgefeiert. PETA mangelt es weder an Unterstützung durch Prominente noch an regelmäßiger Medienaufmerksamkeit. Wer im Internet nach „Veganismus", „Tierrechten" oder „Tierquälerei" sucht, stößt schnell auf PETA. Dafür macht sich die Organisation allerdings immer wieder zum Affen und überschreitet mehr als nur die Grenzen des guten Geschmacks.

Copyright für Affen-Selfies

Im September brachte sich PETA wieder einmal weltweit ins Gespräch. Die „Tierrechtler" forderten mit viel Tamtam, dass ein indonesischer Affe gefälligst die Rechte an seinem berühmt gewordenen Selfie bekommen soll. 2011 hatte der Fotograf David Slater auf der Insel Sulawesi Affen fotografiert. Eines der Tiere klaute ihm die Kamera und machte damit unter anderem Fotos von sich selbst. PETA zieht in den USA nun im Namen des Makake-Affen vor Gericht und verlangt, dass ihm alle Rechte an dem Bild zugesprochen werden. Wenn es nach PETA geht, soll das Gericht übrigens die „Tierrechts"-Aktivisten selbst als Verwalter der Einnahmen einsetzen, die durch das Foto erzielt werden. Die Nutznießerin dieser gut geplanten PR-Kampagne ist vor allem PETA selbst. Mit ähnlich absurden Kampagnen schafft es die Organisation immer wieder in die Medien.

Busen spielen bei fast jeder PETA-Kampagne eine große Rolle. Foto: imago | UPI Photo

2012 veröffentlichte die PETA ein alternatives Pokémon-Browsergame, in dem Pikachu sich befreit und gegen seine Pokémon-Trainer kämpft. Was das soll? In dem Nintendo-Klassiker, so PETA, würden reale Tierkämpfe verharmlost und das Mitgefühl mit Tieren reduziert. Das klingt vielleicht etwas bescheuert, ist im Gegensatz zu anderen PETA-Kampagnen aber ziemlich harmlose PR.

Verharmlosung von Holocaust und Sklaverei

„Der Holocaust auf Ihrem Teller", „Wenn es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi"—mit diesen Parolen startete PETA 2004 eine Ausstellungstour in Europa. Die These: Massentierhaltung und Konzentrationslager sind irgendwie das Gleiche. Auf einem der Bilder steht ein ausgemergelter KZ-Häftling neben einem Schlachtvieh. Auf einem anderen ist links das wohl berühmteste Foto aus dem Konzentrationslager Buchenwald nach der Befreiung zu sehen. Rechts davon sind Käfige mit Hühnern abgebildet. Für ihre Kampagnen ist der Organisation kein Vergleich zu hart. „Genau dieselbe Denkweise, die den Holocaust möglich machte [...] ist auch diejenige, die uns erlaubt, jeden einzelnen Tag Greueltaten [sic!] an Tieren zu verüben", schrieb PETA 2004 in einer Pressemitteilung zur „Ausstellung". Schon 2004 klagten mehrere Holocaust-Überlebende gegen diese Kampagne und erreichten ein Verbot, das 2009 auch vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde. 2012 bestätigte sogar der Europäische Gerichtshof das Urteil.

Noch mehr nackte Haut. Foto: imago | i Images

Diese juristische Niederlage hält PETA trotzdem nicht davon ab, auch in Deutschland weiterhin Massentierhaltung mit dem Holocaust gleichzusetzen. Erst im Mai 2014 veröffentlichte PETA Deutschland auf Facebook ein Foto eines Schweinetransportes zusammen mit dem Martin-Luther-King-Zitat: „Vergesst niemals, dass alles, was Hitler in Deutschland getan hat, legal war." Dazu postete PETA: „In der Vergangenheit waren viele Begebenheiten legal, die aus heutiger Sicht grausam und falsch sind. Es war falsch, Hexen zu verbrennen. Es war falsch, Sklaven zu halten. Es war falsch, Juden zu töten. Genauso FALSCH ist es, dass jedes Jahr (allein in Deutschland) über 1.000.000.000 Tiere für die Fleischindustrie getötet werden."

In den USA hat PETA auch wiederholt schwarze Bürgerrechts-Aktivisten gegen sich aufgebracht. In einer Kampagne druckten die „Tierrechtler" das Foto eines Schwarzen, der von einem rassistischen Mob gelyncht wurde, neben das einer Kuh in einem Schlachthaus. Erst nach Kritik der schwarzen Bürgerrechts-Organisation NAACP stoppte PETA die Kampagne.

Titten! Äh, Tierrechte. PETA-Protest in London. Foto: imago | Landmark Media

Ein paar Jahre später verteilten PETA-Aktivisten in Ku-Klux-Klan-Roben Flyer bei einem Treffen von Hundezüchtern. Für PETA vertreten der mörderische Ku-Klux-Klan und der Hundezüchterverband nämlich die gleiche Rassenideologie.

Die Liste weiterer Skandale und Vorwürfe gegenüber PETA ist lang. Häufig sieht sich die Organisation vor allem auch dem Vorwurf des Sexismus ausgesetzt. Immer wieder wirbt PETA mit nackten Frauen oder karikiert Werbespots gegen häusliche Gewalt.

Trotzdem machen ungebrochen viele Hollywood-Promis Werbung für PETA, trotzdem tragen Zigtausende Veganerinnen und Tierfreunde T-Shirts der Organisation und beteiligen sich an den oft reißerischen Aktionen und Kampagnen. So lange die „Tierrechtsorganisation" Holocaustüberlebende mit Schweinen vergleicht, werden ihre Anhänger es aber wohl auch weiterhin schwer haben, die Welt von ihrer moralischen Überlegenheit zu überzeugen.

Wenn dir die Tiere also leid tun, kannst du auch einfach vegan leben, gegen Tierhaltung protestieren oder dich sonstwie engagieren—du solltest vielleicht nur erstmal die Finger von PETA lassen.

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