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The Fiction Issue 2015

Meine Limo, Teil 1 – eine Kurzgeschichte von Allen Pearl

„Es ist gar nicht so einfach, zu rauchen und dabei einen guten Handjob zu geben, aber wenn es sein muss, dann kriege ich das hin." Auf der Suche nach Karl Ove Knausgård—dem Autor von „Min Kamp".

von Allen Pearl
12 August 2015, 4:00am


Foto: myLoupe/Universal Images Group via Getty Images

Eine Kurzgeschichte aus der Fiction Issue 2015

Ich hatte mein Reiseurinal in Schweden verloren. Ich verliere es ständig. Ich lasse es in Taxis, Hotels und auf Kneipenböden liegen. Es ist halb so wild. Es kehrt immer zu mir zurück. Im Admirals Club von Kopenhagen hörte allerdings ein Swissair-Pilot, wie ich nach den Toiletten fragte.

„Das Teehaus?", sagte er.

„Ich suche nach Karl Ove Knausgård", verkündete ich. Ich machte eine abstrakte Geste in Richtung meines Herzens. „Nach KOK", sagte ich.

Der Pilot grinste. „Du trinkst gern Tee?", sagte er.

„Toilette", sagte ich. Ich redete langsam, mein Dänisch ist eingerostet. „Ich bin hier. In Dänemark. Und schreibe über den großen Schriftsteller Knausgård. Karl Ove? Ich habe jetzt verloren. Mein Reiseurinal. In Schweden. Ich hab es bei diesem Typen auf dem Sofa gelassen. Ich hab ihn dort kennengelernt. Er hat mir Knausgårds Mailadresse gegeben und dann habe ich Knausgård geschrieben und er sagte, wir könnten uns vielleicht auf einen Tee treffen. Der große Schriftsteller."

Stor forfatter?" Der Pilot wirkte verwirrt. Er war gut aussehend, in seinen Fünfzigern, trug eine Pilotenbrille, hatte rötlich-graue Locken und sah recht streng aus. „Mener du Ho C Annersen?" (Das ist Hans Christian Andersen, der Märchenautor.) „Eller mener du, du vil have sex? Med en mand mener du?"

„Na ja, schon, Knausgård, aber jetzt muss ich Pipi. Für kleine Jungs?" Ich pinkelte pantomimisch an die Wand. „Ich habe mein Reiseurinal verloren. Min Reiseurinal. Aber nicht so wild!"

Ich machte mir Sorgen, der Pilot könnte, wie so viele Piloten, mit denen ich im Laufe der Jahre zu tun gehabt habe, ein Idiot sein. Wahrscheinlich würde er mir nicht helfen. Doch dann öffnete er seinen Hosenstall und holte sein verstörend großes Glied raus. Er streichelte es diskret. „Hvad mener du?", sagte er.

„Ja." Ich holte mein Glied dann auch heraus. Er lächelte, und sein Lächeln war freundlich, nicht kritisch. „Ich hab' mein Reiseurinal verloren. Ich muss echt mal auf Toilette."

Nach ein paar Minuten steckten wir unsere jeweiligen Glieder wieder weg. Der Pilot stand auf und ich folgte ihm zu einer Toilette. Er saß auf der Brille und streichelte diskret. Nachdem wir fertig waren, tätschelte er mir die Schulter und sagte: „Tak. Tak for det."

„Ich hab mein Reiseurinal verloren", sagte ich und fühlte mich etwas wehleidig. „In Schweden."

Er verstaute seinen Schwanz und verstand mich endlich. „Kauf doch einfach Reisewindeln, mein Freund", sagte er in perfektem Englisch. „Die gibt es bei SPAR."

Plötzlich war er komplett sachlich. Ich gebe zu, es verletzte meine Gefühle. Als hätte ich nicht gewusst, dass es in jedem dänischen Supermarkt Reisewindeln zu kaufen gibt. Ich hatte gerade einem uniformierten Swissair-Piloten ziemlich anständig einen runtergeholt und dennoch war ich meinem Ziel, mein Reiseurinal zu ersetzen, so wenig nähergekommen wie einem Tee mit Knausgård. Ich machte mir aber keine Sorgen; am Ende haut alles immer irgendwie hin. Hatten nicht viele meiner journalistischen Einsätze ähnlich begonnen? Der Pilot machte sein Hosentürchen zu, wusch sich die Hände, setzte seine Mütze auf und verließ die Toilette. Ich ging zu dem seltsam eiförmigen Urinal und machte Pipi. Mein Urinstrahl glitzerte auf dem Porzellan. Ich zündete mir eine Zigarette an und atmete den Rauch tief ein. Warum hatte ich nicht vor meiner Abreise aus den Staaten zwei oder drei Reiseurinale gekauft? Ich hätte einen Vorrat anlegen können. Ich wusste schließlich, wie sehr ich dazu neigte, Dinge zu verlieren. Wie hatte ich so dumm sein können, mich nicht vor der Abreise darum zu kümmern? Wie schwer konnte das sein?

***


Foto: Oleg Nikishin/Getty Images

Als Village Voice mich kontaktierte, um zu fragen, ob ich Interesse hätte, Knausgård in „seiner natürlichen Umgebung" zu interviewen, wie mein Redakteur es formulierte, hätte ich nicht erfreuter sein können. Ich habe oft diese verrückten Sexträume, in denen meine Redakteure mich anrufen und fragen, ob sie mir gutes Geld dafür zahlen dürfen, dass ich Tausende Wörter schwafle (dann passieren seltsame Dinge). Da war ich also, unterwegs für eine Story, eigentlich für Village Voice, doch ich hoffte, den fertigen Artikel bei VICE unterzubringen. Lange Geschichte. Kurzfassung: Ramses hat einen knackigen Arsch.1 Und Ramses ist jetzt Assistenzredakteur bei VICE. Ich füllte ihn am Abend vor meiner Abreise mit Goldschläger ab und schrieb ihm dann vom Flughafen aus: Was er davon halte, dass ich nach Dänemark reiste und für ihn die Story schrieb? Ramses antwortete: „Ich hasse dich!!!"

Später schickte ich ihm aus dem Flugzeug eine E-Mail2: „Du errätst nie, von wo aus ich dir gerade schreibe!"

„Gefängnis?", sagte er.

Ich schickte noch eine hinterher und machte den Deal klar. „PS: Der Kritiker James Woods sagt über Knausgård: ‚Dieser Typ schreibt Prosa so, wie sie geschrieben werden sollte—nämlich ekstatisch.'"

Und noch eine: „Haben sich unsere Lügen gekreuzt? J In [Veröffentlichung] lobte die berühmte Schriftstellerin Zadie Smith, eine der ersten englischsprachigen Autorinnen, die Knausgårds Genie erkannten, seine [Eigenschaften]. (Nadeln).

Hier gutes Zitat von irgendeiner berühmten Person einfügen. [Red.: Allen, können wir den Goldschläger rauslassen? Ich meine, wir wissen es. Und vielleicht sollten wir auch die Voice hier außen vor lassen?] Die Literatur, erklärte ich meinem Goldschläger liebenden Freund, hat ihre Wurzeln in den kalten nordischen Ländern. [Red.: Quelle?] In grauer Vorzeit setzten unsere Ahnen Literatur—also die Macht der menschlichen Erzählung—ein, um sich die Zeit zu vertreiben, wenn sie ums Feuer kauerten, oder so. [Red.: Quelle?] Vergiss nicht, wir sprechen hier von der Zeit nach dem Aussterben des Mammuts, als frühe Menschen noch alle Genitalien besaßen: den männlichen Penis, die weibliche Vagina und das Fliidsch oder dritte Organ. Ja, frühe Menschen waren hermaphroditisch. Da der Penis damals klein und komplett abnehmbar war, passte er leicht in die Vagina, und das Fliidsch bildete eine Art Verschlusskappe, ähnlich wie ein Schraubdeckel auf einem Einmachglas. Das ausgewachsene Fliidsch fungierte im genitalen Trio als mächtiges Über-Ich. Daher überrascht es wenig, dass frühe Menschen ihr Fliidsch oft verloren oder versehentlich-absichtlich irgendwo zurückließen. Fossilienfunde bestätigen dies: Erwachsene Exemplare werden selten mit intakten Fliidschen gefunden, doch hat man verschiedenenorts schon Anhäufungen von 30, 40 oder sogar 50 Fliidschen entdeckt. [Red.: Hast du das irgendwo gelesen?] Es war eine faszinierende, wenn auch rauhe Zeit und diese Menschen brauchten ihre Geschichten. Die Menschen im Norden verstanden das besser als andere. Oder sie taten es einfach zuerst—wie auch immer.

Spulen wir vor ins 21. Jahrhundert: Ein von Kritikern gefeierter, einsamer Wolf von einem Schweden fing an, die detaillierte, und manche würden sagen einschläfernd flache, Geschichte seines Lebens in Dänemark aufzuzeichnen. [Red.: Ist er Schwede? Ich dachte, er sei Norweger und nach Schweden gezogen, oder verwechsle ich da was? Er lebt nicht in Dänemark, oder?] Er stammte von vielen Orten und sein Name war Karl Ove Knausgård. Er sah ein bisschen aus wie Brad Pitts Vater, wenn Brad Pitts Figur aus dem Film Kalifornia einen wirklich coolen Vater hätte. Sein Buch—Knausgårds, nicht das von Brad Pitts Vater (der auch sehr gut aussieht und aus Missouri kommt3)—war wie ein Tagebuch, bloß mit mehr Reflexion. Wenn er zum Beispiel eine Schüssel Müsli aß, dann schrieb er das auf, nur dass er auch ein bisschen über das Müsli nachdachte oder über die Müslipackung oder dieses eine Mal, als er als Kind Müsli gegessen hatte. (Es war seine Mutter. Brad Pitts Mutter. Und ich. Zusammen beim Lunch. Ein Mal. Danach bekam ich eine E-Mail von ihr. Sie entschuldigte sich dafür, mich zum Lunch eingeladen zu haben, es sei ein Fehler gewesen, und sie bat mich, nicht zu antworten. Von mir aus, Spinnerin.) Wenn Knausgård einen enormen Ständer hatte, dann schrieb er das auch auf, ohne dem mehr Stolz—oder Stil—zu widmen, als zuvor der Müslischüssel. Oder wenn er nach einem großen SG (Stuhlgang) Gitarre spielte, dann ließ er einen wissen, dass er schlecht spielte—schockierend für eine so kultivierte Person. Im Laufe der Zeit füllte Knausgård, oder KOK, wie er genannt wurde, zahllose Bände mit seinen feinsinnigen Grübeleien. [Red.: Allen, dein Ton hier ist etwas daneben. Es klingt, als würdest du Knausgård nicht mögen. Aber in deinem Pitch nanntest du ihn „den größten lebenden Schriftsteller" und sagtest, er habe „im Alleingang das Problem des amerikanischen Romans gelöst". Dann sagtest du, er sei der einzige Autor, der ehrlich über Kinder schreibe und dass du bei der Geburtsszene geweint hättest. Und sind die Bände wirklich zahllos? Ich meine, wir können sie zählen, oder? Kümmer dich bitte drum, OK? Danke.] Es sind insgesamt mindestens sechs, vielleicht sieben Bände, und die Leserschaft liebt jede einzelne Seite.



1 Manche Namen wurden geändert, um den Figuren mehr Würde zu verleihen, als sie verdient haben. Unser Ramses hier ist kein Pharao, sagen wir es mal so.

2 Gogo Inflight Internet. Wenn der Himmel Ihr Büro ist, ist Konnektivität ein Muss. Wählen Sie das Unlimited-Paket und sparen Sie jetzt. [Red.: Allen, ist das hier eine Anzeige?] [Allen Pearl: Nein.] [Red.: Können wir telefonieren?] [Red.: Drückst du meine Anrufe weg?] [Red.: Allen?] [AP: Du weißt nicht, womit ich zu kämpfen habe. Du kennst weder mein Herz noch meine Geschichte.] [Red.: Was?] [AP: Ich bin mit zwei alten Gummis im Arsch aufgewacht, OK? Ich krieg sie schon raus und so, aber ich weiß nicht, wann sie da reingelangt sind. Das ist los.]

3 Ich habe mal mit seinem Vater zu Mittag gegessen, falls es jemanden interessiert. [Red.: Verifizieren. Stehen lassen?]

***


Foto: Camilo Rueda López via Flickr

Ich fand mich an einer Raststätte in Jylland wieder—das ist Jütland, für Nichteingeweihte. Meine Reise war eine einzige Folge von Raststätten, denn ich hatte mein Reiseurinal noch immer nicht zurück, fand keine dänische Alternative und hatte nicht vor, Windeln zu tragen. Ich hielt nach Cafés Ausschau—KOK geht jeden Nachmittag in eins—doch auf dem auf dem jütländischen Land scheint es die nicht zu geben, nur große Schweinegruppen—Schwärme? Man sagt nicht Herde dazu, oder?—die vor den Schweinehirten herlaufen, welche die Rümpfe der Tiere mit ihren langen Stäben stechen und dabei mir unverständliche Dinge sagen, die für Schweineohren wohl Sinn ergeben. Ich musste nach København (das ist Kopenhagen, für Nichteingeweihte).

Mein Handy vibrierte. Eine Nachricht. „Du bisst ein dicker fetter doofer Idiot", stand da. Statt „bisst" hätte es „bist" heißen sollen, doch die Nachricht war von meinem Sohn. Er ist sieben und sehr lustig. Er musste gerade aufgewacht sein. Ich stellte ihn mir in New York vor, noch in seinem Bett, umgeben von Kuschelspielzeug—hauptsächlich Tiere, aber auch das ein oder andere niedliche Monster. Er hatte etwa drei Dutzend, also viel zu viele, doch wie setzt man da als Elternteil Grenzen? Oder lässt man es? Kommentiert man vielleicht einfach, wie eng es im Bett geworden ist, und überlässt es den Kleinen, die Andeutung zu interpretieren? Solche Fragen stelle ich mir regelmäßig.

Regelmäßige Leserinnen und Leser—oder auch halb-gelegentliche, die sogenannte „bessere Dinge" zu tun haben—werden an dieser Stelle vielleicht schockiert sein, dass ein Bonvivant (und vieles mehr) wie Allen Pearl, oh Schreck, Vater ist. Und ja, es ist eine lange Geschichte, aber ich bin ein Dad, also gewöhnt euch dran. Die kurze Version geht so: Ich habe eine Frau bezahlt, damit sie einer Injektion meines Spermas zustimmt. Ich habe sie ziemlich gut bezahlt. Sie hat eine Bratenpipette benutzt. Ich habe online gelesen, dass es so funktioniert. Die Frau stammt aus der mongolischen Steppe. Einfach nur wunderschön, das Land. Ich habe Bilder gesehen. Die Frau arbeitet in einem An- und Verkauf für Möbel, dem ich immer Stühle verkaufen will. Ich habe echt die Nase voll vom Hollywood-Regency-Stil, Leute. Nur so am Rande. Die Frau ließ sich das Geld also in 20-Dollar-Scheinen in den Laden bringen. Als ich sie fragte, wann sie Feierabend habe, bedachte sie mich mit einem seltsamen Blick. „Lass uns eine Sache klarstellen", sagte sie. „Das hier ist kein Date." Nun, wie auch immer man es nennt, ein paar Wochen später bekamen wir eine E-Mail, die uns mitteilte, dass der Adler sozusagen gelandet sei.

Mein Partner und ich—mein damaliger Partner, sollte ich sagen—waren außer uns vor Freude. Etc. Wir würden zusammen Eltern sein, oder so. Und eine Zeit lang waren wir das auch. Und es war die Hölle, sage ich euch. Den Kleinen zu erziehen, ihn dauernd zu füttern, ihn davon abzuhalten, sich zu verletzen, und dann Babykotze von meiner Sammlung von 8-mm-Pornofilmen zu kratzen. Wir nannten ihn liebevoll den Kriegsherrn, weil er schon in sehr jungen Jahren so herrschaftlich und tyrannisch war. Er hatte auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Zeichnungen von Dschingis Khan.

Obdachlose liebten ihn. Sie waren verrückt nach dem Kriegsherrn, winkten immer und wollten Unterhaltungen anfangen. Ich schob seinen Kinderwagen durch die Gegend und lächelte und sagte: „Danke", und ging weiter. Ein Obdachloser fragte: „Ist das ein Mädchen?" „Junge", sagte ich. „Er muss mal zum Friseur, genau wie ich." Ich lächelte mein Lächeln und der Obdachlose sagte nichts. „Friseur", sagte ich, lauter. „Wie alt ist er?", fragte er. Ich sagte es ihm. „Das ist so toll", sagte er. „Und er ist dein Sohn?" Natürlich ist er mein Sohn. Dachte er, ich hätte ihn nur gemietet? Das sagte ich nicht. Wir überquerten die Straße, der obdachlose Typ neben mir. Ich rechnete damit, dass er um Geld bitten würde, doch das tat er nicht. Stattdessen zeigte er auf den Kriegsherrn und sagte: „Er ist die Zukunft." Ich darauf so, OK, danke, Mann; ich versuchte ihn freundlich loszuwerden. Dann sagte er: „Nein, du hast echt die Zukunft in Händen." Erst später dachte ich, der verrückte obdachlose Typ hat irgendwie recht: Der Kriegsherr ist die Zukunft. Natürlich ist er nicht die einzige Zukunft. Er ist nicht der letzte seiner Art oder so. Ich meine, Scheiße, Babys sind einfach überall. Aber Teil der Zukunft ist er sicher, der Kriegsherr. Aber der verrückte Obdachlose ist auch Teil der Zukunft. Genau wie ich auch. Und du.

Jedenfalls blühte die Rose des gemeinsamen Elternseins etwa zwei Jahre, drei Monate und 14 Tage, plusminus. Eine lange Zeit für eine Rose, doch da wir hier von einem Menschen sprechen, war es nicht so lang. Der Kriegsherr war sogar noch in Windeln, verdammt! Nach einer Weile entpuppte sich mein Partner, Tutanchamun oder Tut, als ein verlogenes Stück Ihrwisstschonwas. Wir hatten fast nie Sex. Zu müde oder einer von uns krank oder so. Es kam so weit, dass ich mich schon glücklich schätzte, wenn ich nur einen Blick erhaschte, wenn er sich vor dem Schlafengehen auszog. König Tut machte sich also aus dem Staub, um seine fragwürdige Vorstellung von persönlichem Glück zwischen den muskulösen Schenkeln unseres Pilatestrainers zu suchen. Ich betone, er war unser Pilatestrainer, auch wenn es stimmt, dass ich es nicht oft ins Studio schaffte. Ich hatte gute Absichten.

Also war ich Alleinerziehender. Ich checkte die Kleinanzeigen meines Viertels und stellte recht schnell fest, dass es keine mongolischen Tagesmütter gab, die gerade Arbeit suchten. Ich rief die Frau im Möbelladen an. Als ich erklärte, wer ich noch mal war, sagte sie, ich mache wohl Witze, und legte auf. Ich hielt es einfach für wichtig, dass der Kriegsherr jemanden um sich hatte, der die Kultur seiner Ahnen verstand, jemand der sich mit Yakbutter und Jurten auskannte oder was auch immer. Am Ende der Woche hatte ich eine halbwegs erfahrene philippinische Tagesmutter engagiert, die nichts über die Mongolei wusste und kein bisschen Englisch sprach, die mir aber mit enthusiastischen Kopfbewegungen mitteilte, dass sie meinem Jungen Tagalog beibringen würde, was sich, wie ich dachte, vielleicht als nützlich herausstellen würde, wenn sie sich entschied, bei uns zu bleiben, was sie zum Glück tat. Ihr Name ist übrigens Ginjie. Manchmal klingt es wie Ginny, wenn sie es sagt, also sage ich beides abwechselnd und hoffe, dass es halbwegs richtig klingt. Es ist zu spät, sie jetzt noch mal zu fragen.

Ich schrieb meinem Sohn zurück: „Hey, was ist bei dir heute so los?"

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Äh, ich glaube, die Kinderfrau und ich werden einander bloß anstarren." Der Junge und seine Witze!

Ich antwortete: „Ich bin in Dänemark, glaube ich."

„Ich hoffe, es ist ganz schlimm kalt", sagte er.

„Du fehlst mir", sagte ich.

„OK", sagte er. „Ciao."

Ich habe eine alte Nachricht von ihm, eine Voicemail. Ich hatte meine Handschuhe verloren und ich war zu 99 Prozent sicher, dass ich sie in einem Restaurant liegen lassen hatte, in dem ich früher gern meine Kehle benetzte. Es ist ein italienisches Restaurant in Park Slope. Ich esse immer noch dort. Gute Fettuccine Alfredo. Während der düsteren Zeit ging ich jeden Abend hin, setzte mich an die Bar, bestellte Salat und ein Paar Gläser Montepulciano. Der Barkeeper—Ruhe in Frieden, Eugene—wusste, dass ich sie randvoll wollte. Doch dann hatte er eine Magen-OP und eines Abends „vergraulte" ich die Kundschaft, indem ich sie „an ihren Tischen belästigte" und „unangebrachte und unerwünschte Fragen stellte". Sorry. Mir war nicht klar, dass „Was essen Sie da?" und „Ich glaube, das bestelle ich auch" und „Seid Ihr zwei verheiratet?" und „Was für Jeans sind das?" unangebracht ist. Jedenfalls rief ich Ginjie an und bat sie darum, nach dem Abholen von der Schule beim Restaurant vorbeizufahren und meine Handschuhe zu holen, doch sie sagte einfach immer wieder, nein, sie wolle nicht in Handschuhen bezahlt werden. Also wartete ich, bis die Schule aus war, und rief den Kriegsherrn an. Er drückte mich direkt auf die Mailbox, wie immer—als Eltern darf man so was nicht persönlich nehmen, das sagen alle Experten. Später bekam ich diese Nachricht von ihm. Er wollte mich nur wissen lassen, dass er die Handschuhe hatte, und diese kleine Nachricht habe ich aufgehoben, denn er klingt darin so süß und so sicher und, ich weiß nicht, ich fand es einfach rührend. Jedenfalls hörte ich mir diese Nachricht an, als ich in Dänemark in meinem Mietauto saß.

***

Es ist gar nicht so einfach, zu rauchen und dabei einen guten Handjob zu geben, aber wenn es sein muss, dann kriege ich das hin.

Sein Name war Østergaard. Er war in seinen Sechzigern und hatte tiefe Falten im Gesicht und freundliche Augen hinter seiner Brille. Er war gut aussehend und braun gebrannt. Er stand ein Urinal von mir entfernt, einen ganzen Meter vor dem Porzellanei, holte seine überraschend bescheidene Ausstattung hervor und spielte diskret damit. LeserIn, ich war enttäuscht. Ich hatte meine Ausstattung in der Hand und streichelte diskret. Er zwinkerte mir mit seinen langen rötlichen Wimpern zu. Ich zündete mir eine Zigarette an und zog den Rauch so weit in die Lunge, bis es wehtat. Es ist übrigens klasse, in Toiletten zu rauchen. Ich hatte vergessen, wie sehr es mir fehlte. Es gibt hier Aschenbecher, sehr schönes Design, sehr geschmackvoll und direkt in die Porzellaneier eingebaut. Und in den Kabinen sind sie über den Klopapierspenderdingern montiert, genau da, wo man sie erwartet. Ich dachte erneut an meinen Plan, eine Reisefirma zu gründen und amerikanische Raucher auf luxuriös-überteuerte Pauschalreisen zu schicken, wo sie auf einigen Umwegen von Jylland nach København fahren würden oder so. Wir würden an den besten Raststätten halten und dort einfach qualmen. Oder direkt rauchend in die Toilette gehen, denn wer würde uns aufhalten? Die Dänen nicht. Alle, die Lust auf einen Handjob hätten, würden einen bekommen, und wenn nicht, dann wäre das auch OK. Als ich mir ausmalte, wie viel Geld ich so verdienen würde—und ich würde das wirklich tun, wenn ich nicht schon so viel zu tun hätte—merkte ich, dass das Fenster über der Tür angelehnt war. Die Wand daneben war mit Graffiti vollgeschmiert. „Ich lutsche Schwänze" hatte ein Mann auf Dänisch geschrieben. Er hatte die Zeiten angegeben, zu denen man ihn antreffen konnte. Ich dachte an die Limo, die ich vermarkten wollte. Sie wäre ungesüßt und komplett natürlich. Ingwer, Zitrone und Sprudelwasser. Ich überlege, mit den Leuten von der örtlichen Handelsschule zusammenzuarbeiten. Sie haben ein Programm für Unternehmer und ich kenne dort Leute. Ich muss sie nur anrufen. Der Ungesüßte-Limo-Markt ist im Kommen. Ich habe zugesehen, wie er wächst, seit ich die Idee vor Jahren hatte. Das war vor Tee mit Kohlensäure. Diese Idee hatte ich auch, aber ich tat nichts. Ich überlegte: Wenn ich jung mit Tanzen angefangen hätte, als meine Freundin Hilary damit anfing und ich sie in der Ballettstunde besuchte, hätte ich dann ein Baryshnikov sein können? Dann fragte ich mich, ob Knausgård vielleicht genau dieses Urinal verwendete. Hatte er die Wand getaggt, wie man dazu sagte? Die Sätze, die ich von ihm gelesen hatte, besaßen einen bestimmten Stil, und ich überlegte, dass er, wenn er auf eine Kabine schreiben und seine Öffnungszeiten angeben würde, es genau so ausdrücken würde: „Ich lutsche Schwänze." Elegant, ungekünstelt, aber auch wahr. Ich würde ihn fragen, wenn wir uns zum Tee trafen.

Østergaard gab ein scharfes Bellen von sich. Ich blickte auf und bekam alles mitten ins Gesicht. Das war das Schlimmste, das mir passierte.

***


Foto: Keenpress via Getty Images

Ich benutzte die Toilette. Ich hatte seit meiner Abreise aus den Staaten an Verstopfung gelitten, und so war das Ergebnis beträchtlich. Ich wischte mich gründlich ab und betätigte die Spülung.

Anstatt dass das Wasser mit einem lauten Schlürfen verschwand, bevor die Schüssel sich wieder füllte, stieg es an. Ich sah lange Zeit zu. Der Wasserpegel wirkte in keiner Weise so, als würde er wieder sinken. Die Toilette war verstopft. Ich spülte erneut, in der Hoffnung, vielleicht käme so genug Druck zusammen. Stattdessen floss das Wasser über den Rand der Schüssel und lief an beiden Seiten herab und auf den Boden. Ich wischte es mit etwas Toilettenpapier auf, warf das nasse Papier in den Müll und sah mich nach einem Hilfsmittel um. Es kam absolut nicht infrage, deswegen jetzt meinen Redakteur anzurufen.

Ich suchte jeden Winkel ab, doch ich fand nichts, das dazu geeignet war, den Pfropfen aus Fäkalien und Klopapier zu entfernen, der den Abfluss verstopfen musste. Stattdessen wickelte ich mir eine Plastiktüte um den Arm und steckte meine Hand in das eiskalte Wasser, das aus der Schüssel aufstieg.

Mein Arm reichte nicht weit genug.

Wie viel Pech konnte ein einzelner Mensch denn haben?

Ich warf die Plastiktüte in den Mülleimer, wusch meine Hände gründlich, verbannte den ganzen Schlamassel hinter eine geschlossene Tür und kehrte zu meinem Auto zurück.

Ich fuhr etwa 37 Meilen4, bevor ich umkehrte und zurückfuhr. Die Situation in der Toilette war jedoch unverändert.

Ich stand eine Weile da und überlegte, ob ich es wagen sollte, erneut zu spülen. Schließlich tat ich es. Doch nichts hatte sich geändert. Das Wasser schwemmte hoch, trat über den Rand und lief an allen Seiten herab. Ich moppte es auf. Mit Klopapier. Dänisches Raststättenklopapier ist genau so, wie man es sich vorstellt, nicht besser und nicht schlechter. Ich sah mich wieder nach einem geeigneten Hilfsmittel um und stand eine Weile mit einer Klopapierrolle in der Hand herum wie ein Idiot. Die Klopapierrolle war viel zu groß für den Abfluss. Doch was, wenn ich versuchte, sie zu brechen oder wie Origami zu falten?

Mit einiger Mühe schaffte ich es, die Klopapierrolle in Schlangenform zu pressen. Dies würde mein Hilfsmittel sein. Ich holte eine weitere Plastiktüte aus dem Auto, leerte die Schmutzwäsche aus, wickelte sie mir um den Arm und versuchte, mit meiner Klorollenschlange in der Hand tiefer in den Abfluss vorzudringen, ohne Erfolg. Meine Schlange war zerbröckelt und nutzlos.

Mir blieb nichts anderes übrig, als es meinem Redakteur zu sagen.

Immerhin war es nicht meine Schuld.

Vermutlich passierte so etwas ständig.

Doch ich konnte mich einfach nicht dazu überwinden. Ich kehrte zu meinem Auto zurück.

Ich fuhr etwa 7,5 Meilen5, dann kehrte ich um und fuhr zurück. Die Situation in der Toilette war unverändert.

Ich legte mich auf den kühlen Boden und setzte meine Lektüre eines Teils von KOKs Saga fort, vielleicht der vierte oder der dritte, ich weiß es nicht. Ich schlief ein und träumte. Ich flog über Kopenhagen und suchte nach KOK. Die Erde und die Sonne waren in etwa so wie sonst auch, außer dass drei identische Monde die Erde umkreisten. Sie waren so schön! Ich gehe in letzter Zeit öfter ins Museum. Ich mag diese eine Statue der ägyptischen Sammlung.

Vermutlich bemerkt kaum jemand anderes sie. Sie ist nur etwa 30 Zentimeter groß. Sie zeigt einfach nur einen Mann, der die Arme um die Schultern zweier Frauen gelegt hat. Ich verrate an dieser Stelle nicht, wie sie heißt, denn das wird der Titel meiner Sammlung, die im altehrwürdigen Liveright-Verlag erscheinen wird.6 Jedenfalls stritten in meinem Traum alle die Existenz der zwei zusätzlichen Monde ab. Ich sah einen Schamanen, den ich kenne, und fragte ihn, was ich tun solle. Er sagte mir, ich solle zu einem Psychiater gehen. Dann sagte er: „Ach, weißt du was, geh nach Russland und finde diesen Maler mit der Pfeife." Dann sagte er: „Halt. Vergiss das Letzte. Geh Karl Ove suchen." Karl, ich fand dich in einer Spelunke im Stadtzentrum. Du saßt neben einem anderen Mann. Ich warf einen Mülleimer gegen das Fenster und es brach, aber zersprang nicht. Du kamst raus und wir stiegen in den Zug. Als wir bei mir waren, musste ich dich über die Schulter werfen und tragen, weil du dich auf den Boden übergeben hattest. Ich nur noch so: „Alter, sieh dir die drei Monde an!" Dann wurde alles pornografisch und du wolltest Sex mit mir, also hatten wir welchen, aber dann sagtest du später: „Ein Mond, Mike." Aus irgendeinem Grund nanntest du mich Mike.

Als ich aufwachte, sah ich nach der Toilette, doch da hatte sich das Problem schon von selbst gelöst; das ganze Wasser war abgelaufen. Ich spülte und die Schüssel füllte sich mit frischem, sauberem Wasser. [Red.: Allen, das hier ist aus Knausgårds Geschichte in der Times geklaut, oder?]



4 Das sind 60 Kilometer, du Pfeife.

5 Circa 12 Kilometer, du Nase.

6 Ich bin so dankbar und freue mich so auf alles, was noch bevorsteht. Danke an alle, die mich unterstützt haben.

***

Die Landschaft blieb den ganzen Morgen unverändert. Eine Baumgruppe nach der anderen warf ihren Schatten über die schneebedeckte Fahrbahn, unterbrochen von offenen Feldern oder kleinen Ortschaften, die selten aus mehr als einer einfachen Reihe sonnenbeschienener Häuser zu beiden Seiten der Straße bestanden. Ich kann mich ehrlich gesagt schlecht konzentrieren. [Red.: Ist das wieder von Knausgård?] Die Waschmaschine hier wirkt, als würde sie womöglich explodieren. Rüttelt und schüttelt. Ich meine, hier, wo ich all das tippe, in Missouri. Ich übernachte in der neuen Doppelhaushälfte meiner Mom. Sie zieht aus Kalifornien her. Lässt sich Zeit. Sie hat ihre EC-Karte verloren oder so. Ich weiß nicht. Die Möbelpacker kamen letzte Woche mit den Kartons. Es waren drei. Ich schrieb ihr: „Drei Kartons? Ist das alles? Keine Möbel? Nur Bettwäsche, die Statue und die aufgerollte Matte?", und sie ließ ein paar Tage nichts von sich hören, bevor sie antwortete: „Jup."

In der Zwischenzeit bin ich Haus-Sitter. Ich und der Kriegsherr. Ein bisschen wie Zelten. Ich habe ihm gesagt, es sei Zelten. Meine Mom verlangt keine Miete von uns und im Gegenzug beize ich den Boden im Wohn- und Esszimmer schwarz. Sie hat im Internet ein Foto von Stellan Skarsgårds Bungalow gesehen, und jetzt will sie ihr Haus im selben Stil. Nach der ersten Schicht Beize, nachdem ich schon mit einem Schleifgerät aus dem Baumarkt die alte Beize entfernt hatte und all das, schickte ich ihr ein Foto von dem Boden und sie schrieb zurück: „Es würde mich ja nicht stören, dass es nicht schwarz ist, wenn ich nicht die braunen Untertöne sehen könnte." Dann schrieb sie: „Ich kann die Maserung sehen." Sie schrieb: „Kannst du dir dieses Video ansehen?" Es war der Skarsgård-Bungalow. „Sieh dir diese Böden an", sagte sie. „Umwerfend."

Es stellte sich heraus, dass es die Beize in dem genauen Schwarzton nur bei einem Großhändler draußen in der Pampa gab. Der Kriegsherr und ich fuhren eines Nachmittags mit dem Taxi dorthin. Auf dem Land war der Himmel voller Vögel, ich glaube, es waren Falken. Ich musste den Fahrer bitten zu halten, damit ich pinkeln konnte. Wir hielten mehrmals. Ich muss oft pinkeln. In letzter Zeit, meine ich. Ich pinkle einfach ständig. Vielleicht habe ich eine Entzündung. Jesus. Ich bin diesen Morgen mit einer Reihe Bisse auf Hosenbundhöhe aufgewacht. Sie bilden eine gerade Linie. Ich weiß nicht. Ich brauche wirklich nicht noch mal Bettwanzen. Kurz vor unserer Abreise aus New York hat der Kriegsherr bei Ginjies Mutter übernachtet (lange Geschichte, ich verschone euch). Ich wollte Ginjie und ihre Mutter nicht beschuldigen, also schickte ich einfach eine Nachricht: „HAST DU BETTWANZEN, GINJIE? ODER DEINE MUTTER? ICH MUSS ES SOFORT WISSEN." Sie schrieb: „Ja, ich bin im Sommer zu denselben Zeiten und Preisen verfügbar. Freundliche Grüße, Ginjie." In der Zwischenzeit verschickte der Kriegsherr mit seinem Handy Nachrichten. „Oma sagt, du sollst sofort anrufen, wenn du die Beize hast", sagte er. Ich nickte und dachte daran, auf wie viele Arten sie sich mal ins Knie ficken konnte. Jedenfalls wollte der Kerl beim Großhändler nur an Händler verkaufen, aber da ich in einem sehr emotionalen Zustand war—seine Worte—beschloss er, mir zu helfen. Ich brauchte nur vier Liter.

Also schliff ich, beizte ein Probestück, schickte ein Foto. Die drei Pünktchen erschienen sofort. Mom schrieb: „Wie viele Schichten? Hast du vorher gewässert?" Ich ging zurück, mietete den Schleifer erneut, holte noch ein paar Liter Beize. Vielleicht lag es an den Dämpfen, aber als ich den Kriegsherrn losschickte, um draußen zu spielen, ging er stattdessen die Bettwäsche seiner Oma waschen. Er fragte: „Wo soll sie sonst schlafen, Dad?" Süßer kleiner Kerl—aber was mir jetzt grade klar wird: Bei einem Profil geht es nicht darum, den Gegenstand des Profils zu finden und zu befragen. Auch geht es nicht darum, mit der Person Brot zu brechen und sich dann wiederholt für Abstecher zum Porzellanei zu entschuldigen, um dort Notizen darüber zu machen, wie sie das Brot bricht. Es geht darum, Handjobs zu geben, verdammt noch mal! Es geht um den Autoren und all die kleinen Details, die zum ultimativen Showdown mit seinem Redakteur führen, bei dem Ramses vage andeutet, ich, Allen Pearl, sei ein faules One-Hit-Wonder, und dann deute ich vage an, dass Ramses ein talentloser Hochstapler in einem Zehn-Dollar-Blazer7 ist, und dann sind wir eine Zeit lang sauer. Der Autor klagt seiner Mom sein Leid, oder seinem Kind. Ramses klagt einem befreundeten Redakteur bei einer Party sein Leid, oder vielleicht im Scratcher (eine Bar, die rein zufällig Allen Pearl populär gemacht hat, ihr Bastarde! Ihr Bastarde, Allen Pearl hat die Bar populär gemacht—ohne den Seltsamen Stevie und Allen Pearl würdet ihr jetzt, ich weiß nicht, in einer anderen Bar trinken). Tage vergehen. Die Ausgabe geht in Druck.

[Allen, wie wär's, wenn wir den letzten Teil weglassen und stattdessen damit enden, wie du deinen Sohn vom Flughafen aus anrufst und er die Mailbox rangehen lässt? Keine große Sache, so sind Kinder eben. Du gehst auf ein paar Drinks in die Flughafenbar. Bevor du dich versiehst, schreibst du König Tut, und du weißt, du solltest es nicht tun, aber du tust es. Er so: „Schick mir ein unanständiges Bild." Und du so: „Ich dachte, so was machen wir nicht mehr." Und er: „Bitte!" Dann gehst du vielleicht noch mal auf die Ursprünge der skandinavischen Literatur ein, irgendwas übers Geschichtenerzählen, aber in deinen eigenen Worten. Ich meine, diese Art Erzählung gibt es heutzutage nicht mehr, oder? Diese Intimität des Alltäglichen? Deswegen ist Knausgård so einzigartig ... Dann vielleicht etwas Abschließendes über Smartphones. Rx]



7 Dieser Blazer, oh mein Gott.