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„Ich bin die deutsche Antwort auf Adolf Hitler“

Wenn Die PARTEI eine Gründungsveranstaltung hält, dann so politisch inkorrekt und so nah an der Schmerzgrenze wie möglich.

von Hanna Herbst
28 Oktober 2014, 9:00am

Alle Fotos von Kurt Prinz.

Fotos von Kurt Prinz

Wenn eine Partei, wie die Partei Die PARTEI eine Gründungsveranstaltung hält, dann richtig. Und richtig heißt für Die PARTEI natürlich so falsch wie möglich. Deshalb passierte die Gründung am österreichischen Nationalfeiertag, und zwar so politisch inkorrekt („Wir sind die einzige deutsche Partei, die sich nach 1938 wieder um dieses Land bemüht") und so nah an der Schmerzgrenze („Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?") wie es jeder erwartet und erhofft hat. Das Ganze war sogar so populistisch und voller Anspielungen auf das Dritte Reich („Später wird man sagen, dass hier und heute das dritte Zeitalter angefangen hat"), dass ab circa der Hälfte der Veranstaltung die Stimmung eher in Richtung FPÖ-Oktoberfest ging.

Nach der zweiten Runde Freibier waren etwa Rufe wie „Ausländer raus, Morgenröte rein" aus dem Publikum zu hören. Das Publikum fragte ununterbrochen nach mehr Freibier und machte selbst-oft holprige-Anspielungen auf das Dritte Reich, den Mossad und Rassismus. Die „Wählerschaft" bestand großteils aus jungen Männern und Mitgliedern anderer Parteien.

Die NEOS - Das Neue Österreich und Liberales Forum, der Wandel, die Sozialdemokratische Partei Österreichs und die Kommunistische Partei Österreichs waren da-und teilweise nicht begeistert. Auch die Grünen waren vertreten, nämlich mit dem ehemaligen Mitglied der Vorarlberger Grünen, Marcel Pierre Hintner, der nun Generalsekretär Der PARTEI ist. Der Wandel in der Reihe vor mir hat nur die Köpfe geschüttelt, nie geklatscht und nicht einmal bis zur ersten Runde Freibier gewartet.

Meine journalistische Integrität, sofern ich so etwas einmal hatte, war jedenfalls schon bei der Ankunft beim Teufel, als ich gebeten wurde, Plakate zur Veranstaltung aufzuhängen.

Eigentlich hätte da „Der Weg!" stehen sollen.

Nachdem in Deutschland bei der letzten Europawahl die Drei-Prozent-Hürde gekippt wurde, schaffte es Die PARTEI mit ihrem Gründer und dem ehemaligen Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn ins Europäische Parlament, wo er bei den Hearings der EU-Kommissare zum Beispiel den ungarischen Kandidaten-dem Antisemintismus vorgeworfen wurde-fragte, ob er Mein Kampf als Lektüre an ungarischen Schulen einführen wolle.

Mit ihrem Start in Österreich verspricht Die PARTEI nicht weniger Schläge unter die Gürtellinie. „Ich bin die deutsche Antowort auf Adolf Hitler" ließ Martin Sonneborn, der selbst nicht anwesend war, verlauten. Markus Stuhlpfarrer, Vorsitzender von Die PARTEI Österreich, wünscht sich, im Superwahljahr 2015 erst einmal die Macht zu ergreifen. 2015 wäre die Chance, „innerhalb eines Jahres mehr als halb Österreich in Besitz zu nehmen".

Der erste ausgearbeitete Slogan zur Wien-Wahl wird „Einer ist immer der Kanacke" sein. Die PARTEI fordert außerdem Zwangs-Homo-Ehen, dass jedes 3. Schulkind schwul ist und ein staatlich gefördertes schwules Jahr. Auch die Gründung einer Religion für alle, die Konflikte zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen vermeiden soll, sei in Planung. Wenig überraschend soll sie Die RELIGION heißen.

Die offizielle Jugendorganisation Der PARTEI nennt sich HintnerJugend und pflegt als Gruß ein satirisches „Hi Hintner". Diesen Gruß müsse man in Deutschland genau aussprechen, weil eventuell eine gewisse Ähnlichkeit zu einem anderen Gruß bestehe-in Österreich sei das offensichtlich aber nicht so ernst. Das Symbol ist eine rote Kaulquappe auf schwarzem Grund. Nichts symbolisiere die Jugend besser als die Kaulquappe. „Unsere Jugend muss an Körper und Geist ertüchtigt werden, hart wie Leder, zäh wie die Maas bzw. Memel und flink wie die deutsche Eiche." Bei jeder Rede, die Generalsektretär Hintner bei der Gründungsveranstaltung gehalten hat, rief das Publikum „Hintner, Hintner, Hintner" und reckte die Fäuste in die Luft.

All diese Dinge passieren, ohne dass die Mitglieder Der PARTEI lachen müssen. Als ich den Vorsitzenden Markus Stuhlpfarrer fragte, wie das möglich sei, antwortete er, dass es von Vorteil sei, dass er die meisten Reden schon kenne. Sonst müsste er natürlich lachen. Denn selbstverständlich haben sie alle Spaß an dieser Arbeit.

Aber wer findet es lustig, PARTEI-Mitglied zu sein und wer wählt eine Satire-Partei? Wenn Stuhlpfarrer nicht gerade lustige Vergleiche zwischen Österreich 2014 und 1938 sucht, ist er selbst übrigens Projektmanager. Iris Wernig, die erst seit Kurzem bei der Partei Die PARTEI ist und sich gerne als Beauftragte für Schuhabsätze und Feminisierungsfragen sieht, war früher Tätowiererin.

Markus Stuhlpfarrer sagt, dass die PARTEI hofft, hauptsächlich Nichtwähler zum Wählen zu animieren und Iris Wernig, Beauftragte für Schuhabsätze und Feminisierungsfragen, erzählt mir, dass sie selbst nur einmal die Kommunisten, sonst aber noch nie gewählt habe. Die Frage der Bewegung ist, wie weit eine Satire-Partei Nichtwähler zum Urnengang bewegen kann oder inwiefern sie Wähler anderer, liberaler und (eher) linker Parteien Stimmen kosten wird. Wenn Die PARTEI Nichtwähler mobilisieren kann, dann denke ich, werden das eher die verdrossenen, aber politikinteressierten sein und weniger die, die nicht wissen, wer Bundespräsident ist.

Klar ist auf jeden Fall, dass es nie eine Partei gab, die noch veralteter, verfahrener und verkrusteter als SPÖ und ÖVP, populistischer als FPÖ und lustiger als das Team Stronach war. „Es kann, darf und wird rechts und links von Der PARTEI nichts geben", wurde bei der Gründungsveranstaltung nicht nur einmal gesagt. Der FPÖ selbst ist Die PARTEI aber sehr dankbar. „Mit Haider fing alles an. Ohne Österreich und seine über Jahrzehnte gewachsene Korruptionskultur gäbe es keine PARTEI." Ernstgemeinte Satire (nicht ungewollte, wie sie etwa von REKOS, CPÖ, TS oder BZÖ betrieben werden), kann der österreichischen politischen Landschaft jedenfalls nur guttun. Egal, ob Österreich dabei in Besitz genommen wird oder nicht.

Folgt Hanna auf Twitter: @hhumorlos