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So viel Geld verdient Lunadea als Hexe

"Ich werde locker einmal in der Woche gefragt, ob ich einen Fluch von jemandem entfernen könnte."
17.11.20
Eine Frau mit roten langen Dreadlocks sitzt mit einer Glaskugel am Tisch, sie ist eine professionelle Hexe
Lunadea | Alle Fotos von der Autorin

Historisch gesehen ist es Hexen nicht besonders gut ergangen: In Europa und den amerikanischen Kolonien wurden im Mittelalter 40.000 bis 50.000 Menschen umgebracht, weil man sie für Hexen hielt.

Heute wird Hexerei nicht mehr verfolgt – in den meisten Ländern jedenfalls. Hexen scheinen sogar gerade einen ziemlichen Lauf zu haben. Der Instagram-Hashtag #witchesofinstagram hat 5,4 Millionen Posts und wenn man auf Google nach Kursen für Hexerei sucht, bekommt man 35 Millionen Treffer angezeigt. Mit Hexerei lässt sich heute also richtig Kohle machen. Aber bringen all die Kurse auch etwas? Wir haben bei einer Hexe nachgefragt.


VICE-Video: Witches – Die Hexen von Bushwick


VICE: Wie sieht ein typischer Tag im Leben einer Hexe aus?
Lunadea: Jede Hexe ist anders, aber ich bin so etwas wie eine Computerhexe, weil ich viel am Computer sitze und Kurse vorbereite. Davon abgesehen fange ich meinen Tag damit an, meine Vorfahren zu ehren. Dazu stelle ich eine kleine Portion Essen, Kerzen und Räucherstäbchen auf einen Altar. Heute Morgen habe ich Cornflakes und Kaffee geopfert. Als Hexe sind die Vorfahren sehr wichtig. Man muss sie ehren, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Diverse altmodische Glasbehälter in verschiedenen Farben

Lunadea veröffentlich jedes Jahr einen Hexen-Kalender

Wie wirkt sich all das auf dein Leben aus?
Hexerei ist ein Lifestyle: Man ist viel in der Natur, lebt mit den Jahreszeiten und versucht, die eigene Urkraft zu entdecken. Moderne Hexen tragen keine schwarzen Kleider oder fliegen auf Besen, sie geben sich der Spiritualität hin, sind einfach mehr mit sich selbst verbunden. Ich wiederum bringe anderen Hexen bei wie das geht, sich mit sich selbst zu verbinden. Außerdem arbeite ich an Büchern und bringe einen Hexen-Kalender heraus.

Und davon kannst du leben?
Ja, ich organisiere auch jedes Jahr ein Hexen-Festival und halte Ehezeremonien ab. Ich verkaufe auch Einsteigersets für Hexen. Alles in allem verdiene ich so etwas mehr als 3.000 Euro im Monat.

Hast du viele Ausgaben?
Mein Freund arbeitet für mich als Redakteur, ihm zahle ich 500 Euro pro Monat. Außerdem muss ich meine diversen Websites bezahlen, damit mich potentielle Kunden leichter finden, wenn sie Hexenkurse googlen. Natürlich muss ich auch Software, Versand und die Miete für meine Workshop-Räume bezahlen.

Was lernen die Workshop-Teilnehmerinnen bei dir?
Ich bringe ihnen bei, wie man Kerzen für Rituale selbst herstellt, wie man mit Tarotkarten negative Energie aus einem Raum tilgt und wie das helfen kann, die großen Fragen des Lebens zu beantworten. Es ist alles sehr praktisch ausgelegt. Für 600 Euro bekommt man zehn solcher Abende, ein online Hexenkurs kostet 23 Euro und dafür schicke ich dir auch noch ein 20 Seiten langes E-Book, das ich geschrieben habe.

Eine junge Frau mit langen roten Dreadlocks sitzt am Tisch vor aufgefächerten Tarotkarten

Lunadea mit ihren Tarotkarten

Bekommst du als Hexe auch seltsame Anfragen?
Klar! Ich werde locker einmal in der Woche gefragt, ob ich einen Fluch von jemandem entfernen könnte. Ich sage den Leuten immer: dafür müssen sie woanders hingehen. Weil ich nicht die Zeit dafür habe und das auch gar nicht meine Fachrichtung ist.

Wie grenzt du dich im Business von anderen Hexen ab?
Der Wettbewerb nimmt definitiv zu, aber ich bin eine der bekanntesten Hexen auf Social Media. Das ist natürlich viel Arbeit, aber es lohnt sich. Ich bin vor allem auf Facebook und Instagram aktiv.

Okay letzte Frage: Setzt du dich manchmal aus Spaß trotzdem auf einen Besen?
Der Künstler Pieter Bruegel hat dieses Bild von Hexen auf Besen im 16. Jahrhundert erfunden. Und obwohl sich das alles ein Maler im späten Mittelalter ausgedacht hat, ist dieses Bild bis heute in den Köpfen – selbst bei den Hexen. Ich setze mich nicht auf Besen, aber weil viele zum Beispiel Kräuter auch als besonders hexenhaft empfinden, sind meine Kräuterkurse sehr beliebt. Übrigens: Die meisten Hexen träumen wirklich davon, in einer Hütte im Wald zu leben.

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