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Die verrücktesten Nebenjobs, die du machen kannst

Kein Bock mehr auf Kellnern? Du kannst auch getragene Unterhosen verkaufen oder acht Stunden geradeaus rennen. Fünf Leute erzählen, wie sie an Geld kommen.

von Nora Kolhoff
26 Juli 2017, 11:11am

Foto: privat

Spätestens, wenn man seinen Kontostand checkt, mit einer Hand das Minus verdeckt und die Zahl dann super aussieht, muss ein Nebenjob her. Momentan jobben laut Deutschem Studierendenwerk mehr als zwei Drittel der Studierenden. Der finanzielle Druck wächst, vor allem weil die Mietpreise so stark angestiegen sind. Wenn ihr keinen Bock mehr habt, Menschen in Restaurant Essen zu servieren oder als studentische Hilfskraft überhaupt niemandem mehr helft und nun bereits überlegt, euch für klinische Studien anzumelden: Diese fünf Leute haben vielleicht einen Ausweg für euch. Mit blauen Flecken, Muskelkater und verbrannten Fingern müsst ihr aber rechnen.

Karmen, 25, Sozialarbeiterin aus Bielefeld, hat als Nebenjob Kühe für Fotoshootings aufgehübscht

Foto: privat

VICE: Wie bist du dazu gekommen, Kühe zu stylen?
Karmen: Meine Schwester hat den Job schon gemacht und es wurden noch weitere Leute gesucht. Das ergab für mich Sinn, weil ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin und ganz gut mit Kühen umgehen kann.

Wie macht man Kühe schöner?
Wir sind als Team mit einer Fotografin zu verschiedenen Bauernhöfen in der Region gefahren. Vorher wurde eine bestimmte Kuh ausgesucht, die die Schönheitskriterien erfüllt. Die haben wir dann sauber gemacht, geschoren und ein bisschen aufgestylt. Die weißen Flecken haben wir zum Beispiel mit Mehl überpudert. Manchmal haben die Kühe auch ein Schwanztoupet gekriegt, damit der Schwanz buschiger aussieht. Einige Fotografen überarbeiten solche Dinge heute einfach mit Photoshop. Am Ende werden die Kühe dann wie bei einem Fotoshooting auf ein Podest gestellt. Die Fotos sind für Bullenkataloge oder Kalender.

Was macht denn eine Kuh schön?
Davon habe ich leider wenig Ahnung. Für mich ist eine Kuh einfach nur eine Kuh. Aber es gibt Leute, die können das genau sehen: Wie das Becken steht, wie das Euter hängt. Also es gibt feste Kriterien, nach denen man das bewertet.

Hattest du Angst vor den Kühen?
Angst nicht, weil ich mit Kühen seit meiner Kindheit umgehen kann. Aber man weiß nie genau, wie die Kuh reagiert. Manche treten auch mal aus. Ein paar blaue Flecken habe ich davongetragen, aber was Schlimmeres ist nie passiert.

Alice, 25, Fotoredakteurin aus Hamburg, ist nebenberuflich Handmodel unter anderem für Kochvideos und das People-Magazin

Foto: Aileen Höltke | c h v b b l s

VICE: Wie bist du da reingeraten? Ist dir eines Tages einfach aufgefallen, dass deine Hände schön sind?
Alice: Ich arbeite hauptberuflich bei der Gala. Die Beauty-Chefin hat mich irgendwann darauf angesprochen, dass ich sehr schöne Hände hätte und mal als Handmodell arbeiten sollte. Meine ersten Videos waren dann für Maggi, da habe ich gekocht. Und mittlerweile bin ich bei den zwei größten Handmodel-Agenturen Deutschlands unter Vertrag.

Wie oft gehst du zur Maniküre?
Alle zwei Wochen, zum Lackieren sogar jede Woche. Aber wenn ich einen Job habe, gehe ich direkt davor noch zur Maniküre.

Verdienst du als Handmodel mehr, als wenn du kellnern würdest?
Auf jeden Fall! Ich hab das auch erst nicht geglaubt, aber man bekommt pro Stunde 100 Euro.

Was war das Seltsamste, das du mit deinen Händen bei einem Auftrag machen musstest?
Also ich für Maggi gekocht habe, musste ich etwas in der Pfanne braten. Ich saß aber unter dem Tisch und konnte nicht sehen, wo ich gerade hinfasse.


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Warum das denn?
Es sollte aussehen, als ob die Hände von links und rechts kommen würden, und dazu musste ich mich unter den Tisch setzen. Es war eine sehr umständliche Position. Ich musste mich da auf die Anweisungen von den anderen verlassen. Die Platten waren auch wirklich heiß. Ich musste acht Stunden in dieser Stellung durchkochen.

Hast du in dem Moment bereut, dass du diesen Nebenjob machst?
Nein, ich fand das lustig. Es war zwar auch gefährlich, ich hätte mich schließlich verbrennen können. Aber es war eine Erfahrung!

Was haben deine Hände, was andere Hände nicht haben?
Ich habe ein sehr ausgeprägtes Nagelbett. Das heißt, dass das Weiß an der Spitze erst spät kommt, über den Finger hinaus. Bei den meisten ist das kurz und bei mir ist das ganz langgezogen. Und ich habe eine geringe Faltenbildung auf den Fingern.

Anna, 27, Verkäuferin aus Berlin, verkauft getragene Unterhosen

Foto: privat

VICE: Wie genau läuft dein Geschäft mit den getragenen Unterhosen?
Anna: Ich verkaufe getragene Höschen von etwa 20 Männern und Frauen an andere Leute über einen Webshop. Die Leute, die die Höschen tragen, sprechen mich entweder persönlich oder über die Plattform an und sagen mir, wie viel sie dafür haben wollen. Das sind meist zwischen 30 und 500 Euro. Und zwanzig Prozent schlage ich obendrauf, die kriege ich dann.

Und wie kommen die Höschen dann an die Kunden?
Über mich. Ein Kunde kauft ein Höschen aus einer bestimmten Kategorie: Schweißhöschen, Spermahöschen, Urinhöschen oder Periodenhöschen. Das Höschen packt die Trägerin dann in einen Plastikbeutel und schickt es mir zu. Ich muss das in der Tüte in meinem Büro noch einmal durchwurschteln, um zu erkennen, ob das Höschen wirklich getragen ist. Und dann verschicke ich dieses Höschen, schön eingepackt in einem Seidenpapier mit einer Schleife drauf, an den Kunden. Die Idee hatte ich vor zwei Jahren, als ich eine Doku über Höschenautomaten in Japan gesehen habe. Den Fetisch gibt's weltweit.

Gibt es Anfragen, die du ablehnst?
Ich kriege oft Anfragen, die ich unter die Kategorie "Sonstiges" packe. Da gab es zum Beispiel mal den Wunsch nach einem Periodenhöschen mit etwas Pflaumenmus drin. Dann frage ich die Höschenträgerinnen, ob sie darauf Lust haben. Also in dem Fall wartest du halt bis du deine Tage hast, trägst das Höschen die Mindestdauer von acht Stunden und packst dann noch ein bisschen Pflaumenmus obendrauf. Aber natürlich nur, wenn die Trägerin das machen möchte. Bislang waren alle Anfragen so, dass ich locker mal nachfragen konnte. Ablehnen musste ich noch nichts.

Gibst du diesen Nebenjob in deinem Lebenslauf an?
Klar. Mein Job ist weltoffen, das ist ein krasser Markt und ich habe damit ordentlich Knete verdient. Das ist mein Werk und da bin ich stolz drauf.

Leon*, 25, Kellner aus Berlin, nebenberuflich Ghostwriter für wissenschaftliche Texte von Studierenden

Foto: privat

VICE: Warum bist du Ghostwriter geworden?
Leon: Die ersten Jobs habe ich schon in der Oberstufe angenommen. Damals hab ich von Schulkameraden Aufsätze geschrieben. Über Mundpropaganda habe ich immer mehr Aufträge bekommen und dann einfach weitergemacht. Jetzt schreibe ich Seminararbeiten für Studenten. Schreiben fällt mir leicht. Und viele Leute, die Texte in Auftrag geben, tun sich genau damit sehr schwer.

Was machst du bei Themen, von denen du absolut keine Ahnung hast?
Ich habe generell keinen Fachbereich. Deshalb habe ich von den meisten Themen erstmal keine Ahnung. Aber die Themengebiete von Seminararbeiten sind sehr eingeengt. Pro Arbeit lese ich mir dazu so fünfzig Seiten durch. Am Ende kommt für die Studenten meistens die Note 3 raus. Mir ist noch nie passiert, dass jemand mit meiner Arbeit durchgefallen ist.

Das heißt, du kannst auch eine Physik- oder Mathearbeit schreiben?
Diese Fächer sind sogar am einfachsten für mich. Unistudenten machen nämlich nichts, was nicht schon gemacht wurde. Die Themen findet man mit ein bisschen Recherche alle im Internet und dann kann ich das so ähnlich aufschreiben. Sobald es aber um Beweise geht, muss ich den Studenten selbst fragen.

Nerven dich deine Freunde jetzt, dass du Arbeiten für sie schreiben sollst?
Ich mache natürlich Freundschaftspreise. Aber pro Arbeit brauche ich 14 bis 16 Stunden und dafür will ich natürlich auch Geld. Die Studenten zahlen dafür meist 300 bis 500 Euro. Ich schreibe zurzeit etwa drei Seminararbeiten im Monat. Da wäre gar keine Zeit mehr, noch welche für Freunde zu schreiben.

Was passiert, wenn du auffliegst?
Offiziell bin ich einfach nur Lektor und lese Texte gegen. Nur meinen Freunden und meiner Familie erzähle ich offen, dass ich Ghostwriter bin. So kann sich das rumsprechen. Das Ganze läuft ja eh nur zwischen mir und meinen Kunden ab und der Kunde hat null Gründe, preiszugeben, dass er sich Arbeiten schreiben lässt. Und selbst wenn das rauskommen würde, würde der Klient wahrscheinlich von der Uni eine Verwarnung kriegen oder so. Aber es sind ja auch nur Seminararbeiten, größere Sachen mache ich nicht.

Inga, 23, Sportstudentin aus Köln, ist auf einer Messe den kompletten Tag auf dem Laufband gerannt

Foto: privat

VICE: Du warst auf einer Messe den ganzen Tag auf einem Laufband. Wie sehr hast du diesen Job am nächsten Tag bereut?
Inga: Am nächsten Tag eigentlich gar nicht. Vielleicht ein bisschen am dritten, weil ich mich durch das permanente Laufen in der Klimaanlagenluft erkältet habe. Da machen das Laufen und vor allem das Sprechen mit den Kunden nicht mehr so viel Spaß.

Wie schnell musstest du rennen?
Ich war schon regelmäßig am Sprinten. Die potenziellen Kunden wollten sehen, wie schnell man auf dem Laufband laufen kann, ohne runterzufallen. Da war ich mir manchmal selbst nicht so sicher. Außerdem fanden viele Leute das, glaube ich, auch einfach witzig.

Wie oft musstest du sprinten?
Teilweise alle zehn Minuten. Am Ende des Messetages dann nicht mehr so häufig, weil nicht mehr so viele Leute an den Stand gekommen sind. Wenn man schon acht Stunden Laufen in den Beinen hat, wäre eine Sprintdemonstration wahrscheinlich auch nicht mehr verkaufsförderlich gewesen.

Machst du das nochmal?
Auf jeden Fall! Es ist zwar ziemlich anstrengend, acht Stunden am Tag ununterbrochen Verkaufsgespräche zu führen und sich dabei die ganze Zeit zu bewegen. Aber man bekommt nette Feedbacks von den Leuten. Außerdem lernt man viele verschiedene Menschen kennen.

*Name geändert

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