Menschen

Eklige Dinge, die reiche Menschen in Luxusrestaurants tun

Manchmal braucht ein Chihuahua halt ein blutiges Lendensteak.
Andrea Strafile
Rome, IT
6.11.20
Ein junger Mann mit verpixelten Augen küsst eine Flasche Champagner. Solche und andere eklige Dinge haben Kellnerinnen und Kellner in Luxusrestaurants beobachten können.
Foto: VICE

Im Jahr 2019 forderte ein Reddit–User andere dazu auf, die unglaublichsten Erfahrungen aus ihrer Arbeit in der Nobelgastronomie zu teilen. Unter den Antworten waren die Geschichten einer Frau, die mal eben so 100 Dollar zahlte, um dem Kellner ins Gesicht zu spucken, Storys von schwedischen Rich Kids, die teuren Champagner zum Wegschütten bestellten und eine überraschend hohe Anzahl von Erlebnissen mit Hunden. 

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Fasziniert von den Geschichten aus dieser unerreichbaren Welt, entschied ich mich dazu, dasselbe in Italien zu untersuchen, also quasi dem Geburtsland von Luxusrestaurants. Nachdem ich mit Personal aus den fünf bonzigsten Lokalen Italiens gesprochen hatte, waren mir auf einmal drei Sachen klar: Mitarbeiter dürfen nie ihre Geduld verlieren, es gibt keine Grenzen für reiche Menschen, und nur sehr wenige Kellner sind bereit über diese Skurrilitäten öffentlich zu reden. 

Von all den Hotels und Restaurants mit drei Michelin–Sternen, die ich kontaktiert habe, dachte eine Mehrheit, dass ich sie verarsche oder hängte direkt auf. Aber nicht alle. 

Bis vor kurzem war Valentina* Sommelière in einem berühmten Restaurant in Venedig, das von unglaublich reichen Menschen heimgesucht wird. "Ich hab’ schon wirklich viel Schräges gesehen", teilt sie mir am Telefon mit. "Jedes Mal wenn ein wichtiger oder sehr reicher Gast angerufen hat, um eine Reservierung zu machen, haben wir ihm den größten Tisch gegeben – mit Blick über die Lagune. Nicht nur einmal kam es vor, dass sie sich beschwerten, weil keine anderen Tische in der Nähe waren und sie nicht von anderen Gästen gesehen werden konnten."

Den Gegenpol dazu bildeten Leute, die ihre Identität geheim halten wollten. "Sobald VIPs oder berühmte Schauspieler bei uns im Restaurant saßen, hatten wir die Anweisung zu leugnen, dass sie da waren", erklärte sie. "Manchmal saßen Normalos an einem Tisch neben Spielberg oder Robert Redford – wenn sie nachfragten, musste man so tun, als sei nichts: ‘Wer, der da? Nein, tut mir Leid, da irren Sie sich’. Das war so seltsam, insbesondere wenn andere Gäste direkt neben diesen Celebritys saßen."

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Valentina hatte auch ein paar Erlebnisse, die man nicht in einem Nobelschuppen erwarten würde. "Einmal tauchte ein Pärchen auf – sie war elegant und wunderschön, er trug Ketten um seinen Hals und sein Hemd aufgeknöpft", sagte sie. "Die ganze Nacht über schrieb die Frau in ein Notizbuch. Wir dachten, vielleicht ist sie eine Kritikerin oder eine Journalistin, aber fanden später heraus, dass sie Therapeutin war. Nach dem Essen – oder der Sitzung eher – machte der Mann ihr einen Antrag. Als sie nein sagte, stand er auf, als sei nichts geschehen, und verließ das Restaurant mit einem extrem großzügigen Trinkgeld." 


Vice-Video: Eine kulinarische Tour durch die ikonischsten Restaurants von Hollywood


Piazza Duomo ist das einzige Restaurant mit drei Michelin–Sternen in Italiens gesamter Region Piemont. Es liegt unter den Top 30 Restaurants weltweit, das Personal ist daran gewöhnt, Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. 

"Menschen aus aller Welt kommen hierher, um ein einzigartiges Erlebnis zu haben", beschreibt der Sommelier des Restaurants, Vincenzo Donatiello. "Einmal hatten wir ein Paar um die sechzig hier zu Gast mit ihrem Chihuahua. Zuallererst bestellten sie für ihren Hund: ein halbrohes Kalbssteak von bester Qualität."

Roberto Ricardo Tornabene is der Oberkellner im Felix Lo Basso Restaurant, das die Piazza del Duomo in Mailand überblickt. Er erzählte mir von einem Gast, der "ohne zu Zögern in der Mitte des Restaurants seine Zigarette anzündete, als sei es das Normalste der Welt." Ein anderer, erinnert er sich, "rief ein Taxi und schickte es Nikotin–Pflaster holen. Der Taxifahrer kam zurück, aber der Gast meinte, die Pflaster wären nichts, deswegen sollte er nochmal zur Apotheke fahren. Als der Taxifahrer zum zweiten Mal zurückkehrte, hatte der Gast kein Bargeld, also mussten wir für ihn bezahlen."

Weiter im Text: Rom, wo La Pergola, Heinz Becks mit drei Michelin–Sternen ausgezeichnetes Lokal im Cavalieri Waldorf Astoria Hotel, zu finden ist. Hier wird jeder Gast auf Händen getragen – über den russischen Tycoon, der den Pool für sich im Winter geöffnet haben wollte, was das Hotel tausende Euros kostete, bis zu der Frau, die nach einer einzigen Zigarette fragte und stattdessen eine ganze Schachtel auf einem Silbertablett serviert bekam. 

Marco Reitano arbeitet seit über 25 Jahren im La Pergola. Er hat schon alles gesehen. "Wenn wir über Reichtum reden, muss ich über Wein sprechen", sagt er. "Heute haben wir einen Weinkeller mit ungefähr 3400 Flaschen. Einmal kam ein Stammgast und studierte die Liste mit den 1982er Bordeaux für eine Weile. Hierbei handelt es sich vermutlich um die beste Vintage–Sorte, die jemals gemacht wurde. Im Endeffekt bestellte er sieben Flaschen nur für sich allein – um die Unterschiede zwischen ihnen zu erschmecken. Die Rechnung lag dann bei über 20.000 Euro." Immerhin durfte Marco den Wein dann auch probieren. 

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"Ein anderer Stammgast hat Angst vor der Farbe Schwarz", erzählt er weiter. "Deswegen servieren wir für ihn alles auf weißen Tellern."

Marco erlebte auch einige herzerwärmende Geschichten: "Im Sommer hatten wir eine einflussreiche Familie aus Asien bei uns auf der Terrasse zu Gast. Wir fragten den siebenjährigen Sohn, ob ihm das Kolosseum gefallen hätte. Er sagte: Ja, aber er sei traurig, weil er die Gladiatoren nicht sehen konnte. Glücklicherweise haben wir im Hotel ab und zu eine ‘Toga’–Party. Wir schickten kurzerhand einen gutaussehenden, muskulösen Kellner als Gladiator verkleidet, um das Kind zu amüsieren." 

In Rom gibt es Luxushotels wie Sand am Meer, aber Hotel Hassler – insbesondere bekannt für sein Restaurant Imàgo – ist unter den Besten. "Eines der seltsamsten Dinge war, als eine Familie mit präzisen Waagschalen zu uns kam. Sie wollten, dass wir unser Gourmet–Menü mit bestimmten Gewichten kochen. Von Wein zu Öl gab es bestimmte Beträge – für jedes Familienmitglied verschiedene, versteht sich."

"Witzig war auch, als eine japanische Frau ohnmächtig wurde", erzählt er weiter, "ihr Ehemann hielt ihren Kopf einfach fest, während ich besorgt den Chef herbeirief. Der Mann winkte mich rüber, manövrierte meine Hand unter den Kopf seiner Frau und aß weiter. Der Chef war sichtlich amüsiert, denn er hatte in Japan gelebt und wusste daher, dass japanische Menschen nie die Ruhe verlieren, auch nicht in Extremsituationen."

Da hast du es: obszön reiche Menschen tun die absurdesten Dinge. Das nächste Mal, wenn du dich schlecht fühlst, weil du den Kellner nach Salz fragst, mach’ dir keinen Kopf – manche Menschen bestellen schließlich Steak für ihre Hunde.

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