Festmahl

Noch dörflicher als dieser Unfallfahrer reagiert niemand

Was passiert, wenn ein Reh auf einen Dorf-Boss trifft.

von VICE Staff
14 Dezember 2017, 5:03am

Bild und Piktogram: Pixabay | Collage von VICE Media

Schneebedeckte Fahrbahnen und tiefe Täler: Die Straßen im Alpenland haben ihren ganz besonderen Charme während der Vorweihnachtszeit. In der Nacht können sie aber auch mal ziemlich gefährlich werden. Stell dir vor, du fährst nichtsahnend an Bäumen vorbei, die im Scheinwerferlicht glitzern, und plötzlich springt aus dem Wald ein Reh vor dein Auto. Vielleicht siehst du noch das letzte Funkeln in den Augen des Tieres, bevor du merkst, dass es unausweichlich wird – das Horrorszenario eines jeden Autofahrers. Während du vergeblich zu bremsen versuchst, hoffst du innerlich, dass wenigstens die Windschutzscheibe hält und das Reh ohne großes Leid sofort tot ist. Erfahrene Bergfahrer wissen, was nach so einem Unfall zu tun ist: Nach einem Check, ob der Kühlergrill nicht völlig hinüber ist, rufst du den Wildwächter oder die Polizei und wartest, bis das arme Tier abgeholt und der Vorfall aufgenommen wird.


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Oder aber du bist eher der Pragmatiker, ein typischer Dorf-Boss, so wie ein Typ aus dem schweizerischen Graubünden. Als ihm in der Nacht von Montag auf Dienstag um 2 Uhr genau dieses Szenario widerfuhr, entschied er sich anders. In Gedanken wahrscheinlich schon beim bald anstehenden Weihnachtsessen, lud er das tot gefahrene Reh einfach in seinen Kofferraum und nahm es mit zu sich nach Hause, um das Tier später "für sich selbst zu verwerten", wie die Polizei Graubünden in einer Meldung berichtet. Diese fand am nächsten Morgen die Blutspuren im Schnee und begab sich mit einem Wildhüter auf die Suche nach dem flüchtigen Unfallfahrer. Fargo im schweizer Hinterland.

Die Freude über das vermeintliche Festmahl für Weihnachten währte nicht lange. Noch am gleichen Tag konnte die Polizei den flüchtigen Fahrer finden. Weil er die Leiche fast schon sprichwörtlich im Keller hatte, gestand er die Tat und wird jetzt von der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Der Tatort am Morgen danach | Foto von der Kantonspolizei Graubünden

Da stellt sich versierten Hobby-Detektiven natürlich sofort die wichtigste aller Fragen: Sind die Sherlocks von der Polizei und der Wildhüter wirklich der Blutspur im Schnee bis zum Haus des hungrigen Täters gefolgt? Wie die Graubündner Beamten den Täter so schnell ermitteln konnten, wollte man uns am Telefon nicht verraten. Nur so viel: Das verendete Tier fanden sie beim Täter Zuhause, bevor dieser es verwerten konnte. "Der Wildhüter nahm sich des Kadavers an und entsorgte ihn fachgerecht", erklärt die Polizei. Fachgerecht bedeutet in diesem Fall, dass das Reh in einer Verbrennungsanlage vernichtet wurde – und nicht auf dem Weihnachtstisch.

Die Polizei verriet zum Schluss noch, dass es in den Bündner Bergen immer wieder passieren würde, dass sich Personen nach Wildunfällen unerlaubt aus dem Staub machten. Insgesamt sei es im Jahr 2016 zu 848 Wildunfällen gekommen. Auch in Deutschland dürfte der selbst angefahrene Rehbraten keine Seltenheit sein, laut Statistik des Deutschen Jagdverbands (DJV) gab es im vergangenen Jagdjahr knapp 228.500 Wildunfälle. 86 Prozent davon waren Rehe.

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