13 Highlights vom vielleicht besten Kosmonaut Festival seit 100 Jahren

Professionelle Trinkspiele, unerwartete Headliner und ein angebissener Finger – Die Highlights der Superlative vom Kosmonaut Festival 2018.

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03 Juli 2018, 2:00pm

Foto: Steve Klemm

Epische Flunkyball-Turniere, hochgezogene Tennissocken, ein exquisites Line-up und ein schöner Stausee – vergangenes Wochenende luden Kraftklub endlich wieder zu ihrem mit ganz viel Liebe großgezogenen Kosmonaut Festival. Seit nun sechs Jahren schon beweist die Band aus Chemnitz, dass sie Bier exen können wie keine zweiten und noch dazu ein Festival aus dem ehemaligen splash!-Gelände gestampft haben, dass jeden einzelnen Festivalgänger randvoll mit Glückshormonen vollpumpt. Hier unsere Highlights von diesem Jahr:

Das beste Wetter

Hater sagen jetzt vielleicht, das wäre Glück gewesen, wir sind aber überzeugt davon, dass das allein auf die Kosmonauten-Kappe ging. Gummistiefel und Regencape durfte man dieses Jahr dank strahlendem Dauersonnenschein getrost auf den Grill werfen.

Die fresheste Abkühlung

Das Gelände des Kosmonaut Festivals punktete nicht nur durch liebevoll angebrachte Girlanden in Baumwipfeln, kostenlose Minigolfanlagen und kurze Distanzen zwischen den verschiedenen Bühnen, sondern auch durch den Stausee, an dem das komplette Gelände angrenzt. Wo sonst kann man sein Seepferdchen auffrischen, während RAF Camora die Bühne niederbrennt?

Der tapferste Stagediver

Ein Konzert von Feine Sahne Fischfilet ist mittlerweile eine Superlative für sich. Eh klar. Die sechsköpfige Punkband kam auf die Bühne und sofort machte Sänger Monchi klar: "Ab jetzt ist Alarm! 80 Minuten lang alles auf Rausch, Digger!" Es folgten Pogopits, Schwaden von Pyro-Nebel, etliche Bierduschen, eine Pfeffi-Maschine und ein wahnsinnig textsicheres Publikum in "Niemand muss Bulle sein"-Merch. Der ultimative Abriss eben. Am Ende sprang Monchi wie so oft in die Menge. Dieses Mal wäre er aber beinahe mit einem Finger weniger aus dem Pit gestiegen. Ein Fan biss ihm nämlich in die Hand, sodass der Sänger nach dem Auftritt in die Notaufnahme musste. Aber keine Sorge, es fehlt nur ein Stück Haut vom Daumen.

Der überraschendste, geheime Headliner

Irgendwie scheint das Kosmonaut Festival magische Kräfte zu haben. Jedes Jahr aufs Neue schafft es die Perle aus Karl-Marx-Stadt, den geheimen Headliner wirklich bis zum Auftritt komplett geheim zu halten. So standen auch vergangenes Wochenende rund 10.000 ahnungslose, aufgeregte und hoffnungsvolle Besucher vor der Hauptbühne. Nachdem in den letzten Jahren HipHop-Urgesteine wie Die Beginner (2017) und Die Fantastischen Vier (2016) die Überraschungsgäste waren, hatte nun jeder Vierte beim offiziellen Wettbüro auf Die Ärzte getippt.

Weil das Kosmonaut aber eben unberechenbar ist, überraschte es stattdessen mit einer "ganz speziellen Ausgabe des geheimen Headliners", wie Kraftklub-Frontmann Felix Brummer kurz vor 23 Uhr ankündigte. Der Vorhang fiel und … Da stand RIN. Viele Besucher kippten ungläubig ihr restliches Bier runter und warfen ihre Becher enttäuscht und unter Buhrufen in Richtung Bühne. Einige verließen kopfschüttelnd das Gelände. Der Rapper nahm es mit Humor, denn er wusste, dass die Überraschung noch lange kein Ende nehmen würde. Zwei Tracks später löste plötzlich Bausa ab, um das Ding zu drehen. Spätestens bei "Was du Liebe nennst" hatte er einen Großteil der Meute wieder gecatcht. Danach stimmten auch noch Hayiti und Cro ihre Best-of-Songs an. Diesen Deutschrap-Vierer hatte wirklich keiner erwartet.

Aber das Kosmonaut setzte noch einen drauf:

Die unerwartetste Album-Ankündigung

Ein mintgrünes Banner mit der Aufschrift "1982" fiel. Caspers "Ascheregen"-Intro lief, hysterisches Kreischen überall. Dann wurde es von Marterias "Kids (2 Finger an den Kopf)"-Intro unterbrochen. Und schon standen die beiden Rapper gemeinsam auf der Bühne und spielten den neuen Song "Champion Sound", um exklusiv ihr Kollabo-Album 1982 anzukündigen. Schnappatmung und totale Reizüberflutung quer durch die Menge.

Der blvthigste Newcomer


Wer es nach der Headliner-Überraschung nicht vor die Blok-Party-Bühne schaffte, tut uns ehrlich leid. Dort performte nämlich BLVTH und tanzte, sang und brüllte die kleine Stage in Schutt und Asche. Viele, die eigentlich auf dem Weg zu Ufo361 waren, blieben bei BLVTH hängen und feierten den Berliner Producer und Sänger, der sich längst nicht mehr hinter seinen Beats für Casper verstecken muss. Er schien sogar selbst etwas überrascht, wie gut er ankam. Auch die Zugabe war einfach nur Abriss.

Der schönste Wecker

Samstagmorgen. Die meisten Besucher träumten in ihren Zelten sicher noch selig von einem sexy Pirelli-Kalender feat. oberkörperfreiem Casper und Marteria, vom Dresdner Handbrot oder einer Dusche. Um 7:30 rutschten sie aber dank eines ganz besonderen Weckrufes von ihrer Isomatte: Casper und Marteria gaben nämlich auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks ein spontanes Kurz-Konzert. Da schmeckte auch das erste lauwarme 5,0er wieder.

Der grundlos geilste Cover-Song

Es war scheiße schön zu sehen, wie groß Drangsals Fanbase inzwischen ist. Vor seinem Konzert am frühen Freitagabend drängten sich #Drangsal4ESC2019-Batik Shirts, ein "Do the Dominance"-Underboob-Tattoo und etliche aufgeregte Fans vor der Bühne. Ungefähr 1.000 Mal mehr als noch vor zwei Jahren. Vielleicht coverte der Max deshalb auch "1000 und 1 Nacht" von Klaus Lage. Der Sänger aus Herxheim weiß einfach, wie man das angesoffene Publikum in Stimmung bringt.

Die wenigsten Ficks auf alles und jeden

Publikumsmagnet, Comedian, Rampensau, Singer-Songwriter, Kind im Körper eines Hawaiihemd-tragenden 44-Jährigen: Olli Schulz ist all das und viel mehr. Vor allem ist er cooler als all die HipHop-Acts zusammen. "Hier geht keiner ungefickt vom Platz, auch wenn wir’s uns mit Musik besorgen", kündigte Olli seinen Auftritt an. Egal, ob er Bonnie Tylers "Holding Out For A Hero" anstimmte oder seine Ansagen hauptsächlich aus Beleidigungen bestanden ("Chemnitz, ich blicke hier in viele einfache Gesichter!"), seine Fans liebten es.

Käse, Käse, Käse!

Nicht nur das Musikangebot auf dem Kosmonaut war fett, sondern auch die Auswahl an Imbissbuden. Vor allem Käsefreunde konnten sich voller Glückseligkeit eine ideale Trinker-Base aus ziemlich perversem Raclette, Kässpatzen, vor Gouda triefendem Handbrot oder Halloumi-Wraps schaffen. Darauf einen Vodka-Mate.

Das professionellste Trinkspiel

Trichtersaufen, Dosenstechen oder Ring Of Fire – Ein gutes Festival lebt vor allem vormittags auf den Zeltplätzen vom ereignisreichen Alkoholkonsum. Das wissen natürlich auch Kraftklub. Deshalb hat es sich die Band mit K zur Tradition gemacht, ein ganz offizielles Flunkyball-Turnier zu veranstalten; inklusive durchgetakteten Vorrunden, professionellem Spielfeld, Schiedsrichtern und prominenten Teams wie Feine Sahne und Kraftklub selbst. Und ja, Kraftklub haben tatsächlich gegen die Punks aus Meck-Pomm gewonnen.

Die sympathischsten Gastgeber

Die Band aus Chemnitz gastgebert sich jedes Jahr ein bisschen mehr in die Herzen der Besucher. Das Kosmonaut ist ein Festival für Freunde, das machen Felix, Till, Steffen, Karl und Max immer wieder deutlich. Wenn Sänger Felix den Trettmann auf der Bühne unterstützt, die Band unermüdlich für gemeinsame Selfies mit den Besuchern bereit steht, Flunkyball mit ihnen spielt oder sie mit ihrem eigenen Konzert nochmal alles toppen, sind alle eine große glückliche Familie.


Der verballertste Abschluss

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr aufs Dixi geht, und schon ahnt, was euch dort erwartet, es dann aber noch viel heftiger ist? Ähnlich ging es denen, die Samstagnacht nach dem Kraftklub-Auftritt noch zu Yung Hurn zur Atomino-Bühne, quasi der Alternative-Stage, pilgerten. Dass der Wiener Rapper ein Fan von der ein oder anderen bewusstseinserweiternden Substanz zu sein scheint, ahnt man ja bereits aus seinen Songs. Wie verballert Hurn dann aber auf der Bühne stand, überraschte trotzdem. Dass der Österreicher fast 15 Minuten zu spät kam, entschuldigte er mit einem kaum verständlichen "Sorry, aber mir geht's nicht so gut. Deswegen sollte man vor dem Konzert keine Drogen nehmen." Die aufblasbaren Stehauf-Männchen setzten dem in lilafarbenen Rauch gehauchten Gig noch die psychedelische Krone auf. Als der erst sehr unkoordinierte Rapper dann aber "GGGut" performte, bekam er so Bock, dass er den Song direkt dreimal spielte. Weil es gerade so geil war. Wir hätten es uns auch noch ein viertes und fünftes Mal gegeben.


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