Krustentiere

Ein Hummer spaziert seelenruhig durch London

"Erst kommen die Künstler, dann kommen die Yuppies und am Ende die Hummer."
5.7.18
Foto: Jonny Donmar

Dieser Artikel erschien zuerst bei MUNCHIES UK.

Wie wir alle wissen ächzt London seit Jahren unter den Folgen grassierender Gentrifizierung. Ganze Viertel und ihre alteingesessenen Einwohner werden von Modeläden-Pop-Ups, eingebildeten Käse-Fanatikern und neuen Soho-House-Ablegern heimgesucht. Eine Portion gebratenes Hühnchen für weniger als 7 Britische Pfund scheint verboten zu sein. Wo vor Kurzem ein Pfandhaus war, zeigt eine Galerie abstrakte Fotografie aus den 1970er Jahren in Brooklyn. "Lidl" und "Asda" sind das neue "Voldemort" der Innenbezirke.

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Jetzt erlebte ein einheimischer Londoner im rapide teurer werdenden Stadtteil Lewisham einen extremen Hinweis auf die soziale Verdrängung, als ein Hummer vor ihm die Straße entlangspazierte.


MUNCHIES-Video: Lobster Luke


Jonny Donmar begegnete dem Krustentier am Mittwochmorgen auf dem Weg zur Arbeit. Das Tier war anscheinend von einem Fischmarkt ausgebrochen und feierte seine neugewonnene Freiheit nun mit einem kleinen Spaziergang – wahrscheinlich auf der Suche nach dem nächsten Gewässer. Donmar postete ein Foto des gepanzerten Zehnfüßers auf Reddit mit der Beschreibung: "Ich habe heute auf der Straße in Lewisham auf dem Weg zur Arbeit einen lebenden Hummer rumlaufen sehen."

Im Forum wurde daraufhin wild spekuliert, wie das Tier dort gelandet war. Ein User überlegte gewitzt, ob er "vielleicht seine Oyster vergessen" habe. Oyster ist nicht nur der Name der elektronischen Fahrkarte für den Londoner Nahverkehr, sondern auch das englische Wort für Auster. Eine Userin bemerkte spitzfindig: "Erst kommen die Künstler, dann kommen die Yuppies und am Ende die Hummer."

Wie der Evening Standard berichtete, erfuhr Donmar später, dass es sich bei dem Hummer in Wahrheit um einen Flusskrebs gehandelt hatte.

Aber egal, ob Hummer oder Flusskrebs, ein trostloser Bürgersteig in der Innenstadt gehört nicht gerade zum natürlichen Habitat dieser possierlichen Gesellen. MUNCHIES fragte dementsprechend bei der Tierhilfsorganisation RSPCA an, wie man so einem verlorenen Scherentier am besten hilft.

Ein Sprecher der Organisation sagte: "Wenn Sie einen Flusskrebs finden, raten wir, ihn nicht im nächsten Teich oder Fluss abzusetzen, bis geklärt ist, um welche Spezies es sich handelt. Bringen Sie das Tier stattdessen zur zuständigen Umweltbehörde, wo es identifiziert werden kann."

Sonst könnte es London nämlich bald wie Berlin gehen, wo sich seit einiger Zeit amerikanische Sumpfkrebse ein bisschen zu wohl fühlen und die heimische Flora und Fauna dezimieren. Immerhin sind die Krebse anscheinend recht schmackhaft und werden jetzt von lokalen Fischerbetrieben gefangen.

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