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Vermisst: Wir haben mit dem Bruder des jungen Mannes telefoniert, der vor dem Flex verschwunden ist

"Diese Ungewissheit ist kaum auszuhalten."

von Michi Koffler, Noisey Staff, und Fredi Ferkova
22 Januar 2018, 2:11pm

Craig Hanlon und Christopher Glanzl

Am Donnerstag besuchte der Ire Ross Hanlon mit zwei Studienkollegen und seinen Freunden die Eventreihe Beat It im FlexCafé. Kurze Zeit später soll der 21-jährige Mann verschwunden sein und bis heute ist noch nicht klar, was tatsächlich vorgefallen ist. Die österreichischen Medien berichten, dass er seit circa 2 Uhr morgens vermisst wird.

Tatsächlich sind sich seine Freunde aber nicht sicher, wann sie ihn zuletzt gesehen haben und gehen eher von einem Zeitpunkt zwischen 3 bis 4 Uhr aus. Sein Bruder erzählt uns, dass der Club an diesem Abend nicht besonders gut besucht war und deshalb gäbe es auch keine Aussagen von Personen, mit denen er länger gesprochen haben könnte oder die eine konkretere Angabe zum Zeitpunkt seines Verschwindens hätten. Der Student wird bereits aktiv von der Polizei und auch vom Donaudienst gesucht. Auch das Flex hilft via Facebook und hat die Vermisstenanzeige, die mittlerweile schon 207 Mal geteilt wurde, gepostet. Von den Veranstaltern der Beat It-Veranstaltung haben wir bisher noch keine Antwort auf unsere Anfrage bekommen. Sie verweisen auf das Flex-Büro, das bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht erreichbar war.

Auch seine Familie und Freunde rufen auf Facebook zur Hilfe auf - besonders aber sein Bruder Craig treibt die Suche aktiv voran. Er hat die Spendenaktion "Get Ross Home" gestartet, damit Freunde und Familienangehörige nach Wien fliegen und bei der Suche aktiv helfen können. Wir haben mit ihm telefoniert.

Craig befindet sich zurzeit mit sechs weiteren Freunden und Familienangehörigen in Wien und die Stimmung ist generell – wie zu erwarten – sehr angespannt. Während unserem Telefonat wird nochmal deutlich, wie besorgt Craig um seinen Bruder ist. Craig erzählt uns, dass Ross gemeinsam mit seinen Studienkollegen am Sonntag den Flug zurück nach Irland hätte nehmen sollen.

"Dass Ross also bewusst verschwunden ist, schließen seine Familie und seine Freunde generell aus."

Craig klingt sehr erschöpft und man hört ihm die enorme Belastung an, als er erzählt, dass Ross immer der wäre, der Witze macht. Die beiden Brüder haben eine sehr gute und enge Beziehung zueinander und sie haben noch am Tag bevor Ross verschwunden ist, miteinander telefoniert. "Wir machen alles gemeinsam", sagt Craig. Auch mit seinen Freunden und mit der gesamten Familie verbringt Ross üblicherweise sehr viel Zeit und ist mit ihnen in regen Austausch. Dass Ross also bewusst verschwunden ist, schließen seine Familie und seine Freunde generell aus.

Es fällt der Familie sehr schwer, einfach nur abzuwarten und zuzusehen, deshalb hängen sie gemeinsam mit der Polizei Poster in ganz Wien auf. Außerdem stehen sie in Kontakt mit österreichischen und irischen Medien, sowie mit dem Flex. Die Polizei sei sehr hilfreich, meint Craig und bemühe sich sehr, aber die Kommunikation mit den Polizisten sei manchmal schwierig, da ihr Englisch nicht sehr gut sei. Generell hat er das Gefühl, dass es in Österreich sehr langsam mit den Ermittlungen vorangeht.

Während es durchaus geplant war, richtig feiern zu gehen, sieht Ross so ein Verhalten trotzdem nicht ähnlich: "Er ist eine sehr verantwortungsbewusste Person", sagt sein Bruder und besonders in einer fremden Stadt würde er sich auch dementsprechend verhalten. Er war zwar schon einmal in Wien, aber trotzdem passt auffälliges Verhalten einfach nicht zu ihm: "Er ist nicht die Person, die Probleme macht oder Probleme hat, das kann ich zu 100 Prozent sagen. Wir sind alle unheimlich besorgt. Diese Ungewissheit ist kaum auszuhalten."

Falls ihr etwas mitbekommen haben solltet oder nützliche Informationen habt, bitten wir euch, euch bei der Polizei zu melden. Zum Zeitpunkt des Verschwindens trug der 1,75 Meter große Ire ein schwarzes Hemd und schwarze Jeans.

Falls du seiner Familie und Freunden helfen möchtest die Spendenaktion "Get Ross Home" findest du hier und hier findest du den Beitrag vom Flex, falls du ihn auch teilen möchtest.

Update: Mag. Paul Eidenberger, der Pressesprecher für den Fall hat unsere Fragen beantwortet: Ross Hanlon ist seit dem 19.01.2018 seit 2 Uhr als abgängig gemeldet. Sein Bruder betonte aber, dass der genaue Zeitpunkt den Freunden unklar ist und sich die Medien auf 2 Uhr versteift haben. Es kann gut sein, dass Ross auch zwischen drei und vier Uhr verschwunden ist. Laut Mag. Eidenberger blieb die Suche des Landeskriminalamtes und des See- und Stromdienstes der Exekutive bis dato erfolglos. Die Bevölkerung könne der Polizei helfen, in dem sie sämtliche Hinweise der Polizei (133) meldet. "2017 wurden in Wien 3.500 Personen als abgängig gemeldet, 120 Personen werden weiterhin gesucht", sagte Mag. Eidenberger. Die meisten Abgängigen kehren in den ersten 24 Stunden zurück. 2015 hat das Bundeskriminalamt eine spezielle Einheit für Abgängige eingerichtet.

Update 2: Wie derstandard.at soll der junge Student nach Polizeiangaben in den Donaukanal gefallen sein. Laut Ermittlungen der Polizei war der Student die Stufen zum Wasser heruntergegangen und dann verschwunden sein. Die Familie ist bereits informiert. Wir wünschen der Familie und seinen Freunden viel Kraft, durch diese schweren Stunden zu kommen.

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