Cash for Kim: Als Vice den Nordkoreanern in Polen auf die Spur kam
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Cash for Kim: Als Vice den Nordkoreanern in Polen auf die Spur kam

Ein Nordkoreaner verbrennt auf einem Schiff in einer polnischen Werft. Eine Vice-Dokumentation deckt wenig später ein ganzes System auf, das dem Diktator Kim Jong-un Devisen brachte – und offenbar noch immer länger aktiv war.
06 Februar 2018, 12:00am

Dieser Text ist Teil unseres Themenschwerpunkts über nordkoreanische Zwangsarbeiter.

Nordkoreaner schuften sich in Polen zu Tode und der Großteil ihres Lohn wandert in die Kasse des Diktators Kim Jong-un. Darüber berichtete 2016 eine Vice-Dokumentation.

Besonders brisant an dem Fall war, dass die Zwangsarbeiter in der Crist-Werft in Gdingen am dänischen Nato-Kriegsschiff "Lauge Koch" mitbauten. Neben den Devisen könnte so auch militärtechnologisches Know-how nach Nordkorea gekommen sein – trotz aller Embargos.

Nach der Veröffentlichung zog die Werft die Nordkoreaner ab. Der Vice-Bericht und politischer Druck schienen dafür zu sorgen, dass zukünftig keine Zwangsarbeiter mehr in der EU angestellt werden.

Neue Recherchen von Filmemachern der Dokumentation "Dollar Heroes" und Motherboard zeigen jedoch, dass die Unternehmen die Zwangsarbeit nur verlagert haben. Wieder vermieteten Subunternehmer die Nordkoreaner an polnische Unternehmen: den Stahlkonzern JW Steel und die Partner-Werft. Beide Unternehmen sitzen in Stettin nahe der deutschen Grenze.

Die Arbeiter lebten in fest zugeteilten Unterkünften und arbeiteten bis zu elf Stunden am Tag. Sie wurden ständig überwacht, durften nicht mit Fremden reden. Nur ein Bruchteil ihres offiziellen Lohns kam bei ihnen an – der Rest floss vermutlich nach Pjöngjang: wichtige Devisen für die sanktionierte Diktatur von Kim Jong-un.

Diesmal besteht auch eine Verbindung nach Deutschland: JW Stahl baut Teile für Offshore-Windparks, im Auftrag von Energiekonzerne wie E.ON oder EnBW. Die Partner-Werft verkauft Schiffe an den Reeder Imperial. Alle deutschen Unternehmen beteuerten auf Motherboard-Anfrage, dass sie nichts von den nordkoreanischen Zwangsarbeitern gewusst haben.

Die Dokumentation „Cash for Kim" wurde bei den Webby Awards 2017 in der Kategorie News & Politics: Individual Episode als Webby Awards Honoree ausgezeichnet.