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Sophie Hunger rechnet mit dem Echo ab

Die Berner Sängerin findet es katastrophal, dass Kollegah und Farid Bang trotz antisemitischen Texten den deutschen Musikpreis gewonnen haben.

von Noisey Staff
16 April 2018, 11:31am

Foto: Sophie Hunger/Two Gentlemen

Die Verleihung des deutschen Musikpreises Echo gab dieses Jahr mal wieder wegen einer fragwürdigen Nomination und letztendlich sogar Gewinner zu reden: Der Aufschrei um Kollegah und Farid Bang war schon immens, bevor der Preis überhaupt verliehen wurde. Denn bereits im Vorfeld kritisierte und diskutierte die deutsche Musikszene, ob eine Nomination aufgrund antisemitischer Textpassagen überhaupt ethisch vertretbar ist. Das Rap-Duo gewann am vergangenen Donnerstag dann sogar den Award in der Kategorie "Urban national". Das Thema ist aber berechtigterweise noch nicht gegessen. Nun hat Sophie Hunger ein Schreiben an die Mitglieder der Ethikkommission des Echos auf Facebook publiziert. Darin zeigt sie eine ganz klare Haltung in der öffentlichen Debatte und erhält sehr viel Zuspruch.

Sophie Hunger nimmt in ihrem Schreiben Bezug auf die Erklärung auf Echo.de, in der an die "politisch wie gesellschaftlichen Verantwortlichen" appelliert wird, "eine ernsthafte Debatte über Bedeutung und Deutungsrahmen der Kunst- und Meinungsfreiheit zu führen" und meint: "Nein, die Frage, die es zu beantworten galt, war: Sollen Künstler, die in ihren Texten mit der Verhöhnung des Holocaust arbeiten, die Möglichkeit haben, den höchsten deutschen Musikpreis zu bekommen?" Die Antwort auf diese Frage hätte nach der Berner Sängerin klar "Nein!" lauten müssen. Die Echo Verleihung selber, entziehe sich so dieser Verantwortung. Weiter führt Sophie Hunger aus: "Sie wurden doch exakt dafür zusammengewürfelt, um in einem konkreten Falle in diese Entwicklung, die Sie selbst ‘für bedenklich und falsch’ halten, mit Haltung einzugreifen."

Auf der Website der höchsten Auszeichnung in der deutschen Musikindustrie, wurde ein Statement publiziert, in dem erklärt wird, dass Verband und Veranstalter des Echos "jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ablehnen". Irgendwie ist das ganze überhaupt nicht glaubwürdig.

Abschliessend erklärt Hunger: "Einen Preis zu verleihen, ist weit mehr als das Ertragen von gesellschaftlichen Extremen. Einen Preis zu verleihen bedeutet einer ganzen Gesellschaft und Jugend vorzuleben: Das ist richtig, das ist gut, das ist das Beste. In diesem Sinne war ihre Entscheidung katastrophal."

Doch nicht nur Sophie Hunger nimmt sich in der Schweiz dem Thema Farid Bang und Kollegah an. "Über Kunst lässt sich streiten. Über Menschenwürde nicht", schreiben Isabelle Lüthi (Mediensprecherin Frauenstammtisch SH), Patrick Portmann (Kantonsrat SP) und Anna Rosenwasser (Geschäftsführerin Lesbenorganisation Schweiz) in einem offenen Brief an die Organisatoren des bevorstehenden Kollegah und Farid Bang Konzert in Schaffhausen. Denn: "Auf Schaffhausens Bühnen wollen wir weder Frauenfeindlichkeit, noch Schwulenhass oder Gewaltverherrlichung. Bei Hetze wegzuschauen, bedeutet sie gutzuheissen, Menschenverachtung zuzulassen. Aus diesem Grund bitten wir Sie eindringlich: Setzen Sie ein Zeichen gegen Gewalt. Verhindern Sie gemeinsam mit uns diesen Anlass. Denn über Kunst lässt sich streiten – über Menschenwürde nicht."

Kollegah und Farid Bang werden wohl weiter für Gesprächsstoff sorgen. Denn: Farid Bang selbst sagt "es handle sich um einen harten Battle-Rap-Vergleich und nicht um eine politische Äusserung" und realisiert wohl auch nach der Echo-Diskussion nicht, dass Sprache auch ein politisches Instrument sein kann.



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