Was wäre, wenn …?

"Was wäre, wenn …?" – 15 Fragen an Roosevelt

Was wäre, wenn du nur noch auf Deutsch singen könntest? Was wäre, wenn David Guetta dich nach einem Duett fragen würde? Was wäre, wenn du nicht mehr aus Deutschland ausreisen dürftest? – Wir haben gefragt, Roosevelt hat geantwortet.

von Hella Wittenberg
07 September 2018, 9:40am

Foto: David East

Was wäre, wenn du letzte Nacht doch wie eigentlich geplant um zwei Uhr nach Hause gegangen wärst? Was wäre, wenn du damals mit 12 Jahren doch angefangen hättest, Gitarre zu spielen? Was wäre, wenn du mit 18 doch nicht mit deiner Jugendliebe Schluss gemacht hättest? Ach, was soll das Gefrage? im Nachhinein kann man nix mehr verändern. Aber trotzdem denken wir immer wieder mal über die großen "Was wäre, wenn …?"-Fragen des Lebens nach. Diese Fragen lassen uns vielleicht nostalgisch oder auch philosophisch werden. Nebenbei liefern die "Was wäre, wenn …?"-Fragen aber auch massig Stoff für spaßige Gespräche über verpasste Möglichkeiten und komische, schon halb vergessene Erinnerungen.

In dieser Ausgabe unserer neuen Interview-Reihe haben wir Marius Lauber alias Roosevelt 15 Mal die "Was wäre, wenn …?"-Frage gestellt.

Roosevelt gehört spätestens seit seinem 2015 veröffentlichten Debütalbum zu den international gefragtesten deutschen Popmusikerinnen und Popmusikern. Sein neues Album Young Romance erscheint am 28. September, für die kommende Tour sind Auftritte in ganz Europa und den Vereinigten Staaten geplant.

Noisey: Was wäre, wenn du nicht mehr aus Deutschland ausreisen dürftest?
Roosevelt: Das würde nicht zu dem Karrieremodell passen, das ich gerade anstrebe. Obwohl man schon ganz gut in Deutschland touren kann, wenn ich daran denke, dass demnächst wieder eine Amerika-Tour ansteht und wir nicht schnell mal von der Ost- zur Westküste kommen. Alles ist dort so weit voneinander entfernt. Da ist Deutschland mit seinen vielen mittel- bis richtig großen Städten schon ganz okay. Aber ich hatte das Glück, von Anfang an international und nicht nur als Deutscher wahrgenommen zu werden. Dagegen habe ich mich natürlich nicht gewehrt. Als Deutscher hat man ja nicht unbedingt die größte Identifikation mit seinem Land. Deutscher zu sein, hat nichts, was sexy ist.

Was wäre, wenn du nur noch auf Deutsch singen könntest?
Dann würde ich lieber gar nicht mehr singen. Englisch hatte für mich schon immer einen besseren Klang und ich höre auch nicht so viel deutschsprachige Musik. Abgesehen von Blumfeld – die waren früher total wichtig für mich.

Was wäre, wenn David Guetta dich nach einem Duett fragen würde?
Ich würde auf jeden Fall mit ihm ins Studio gehen und mir das mal angucken. Ich finde, es gibt deutlich Schlimmere als David Guetta. Seit der letzten großen Daft-Punk-Platte haben er und viele andere aus seiner Schiene erkannt, dass man mit Disco Erfolg haben kann und seine letzte Single ist dann auch so soft-disco-mäßig ausgefallen. Also gar nicht mal schlecht.


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Was wäre, wenn das dein letzter Tag auf der Erde wäre?
Ich würde versuchen, ihn so undramatisch wie möglich zu gestalten. Denn ich glaube, jedes Streben nach etwas Totalem und Erfüllendem geht in die Hose. Aber ein Auftritt am letzten Tag wäre schön.

Was wäre, wenn es keine gewöhnlichen Album-Releases mehr geben würde?
Es geht ja immer mehr in die Richtung, dass man nur etwas veröffentlicht, um auf Tour gehen zu können. Damit bin ich eigentlich auch aufgewachsen und ich trauere keinen "guten alten Zeiten" hinterher. Als ich 15 Jahre alt war, habe ich auch keine CDs gekauft. Ich habe Musik lieber online geklaut. Dieter Bohlen hat sich mal zum illegalen Runterladen geäußert und so was wie "Du kannst den Kids nicht Nagel und Hammer geben und dann erklären: 'Jetzt haut aber nicht den Nagel in die Wand!'" gesagt. Ich fand das sehr passend. Es gab damals schon echt viele Programme zum Downloaden von Musik. Es war so leicht. Jetzt ist alles noch mal anders mit Spotify. Für 2018 ist es einfach die falsche Erwartungshaltung, zu glauben, man könne mit einem Album Geld verdienen. Nur so einer wie Robbie Williams kann das noch.

Was wäre, wenn du jetzt richtig scheitern würdest?
Dann würde ich mir meinen Laptop schnappen und von vorne anfangen. Es ist so easy einen neuen Track zu machen und den online zu stellen. Die Fallhöhe ist mittlerweile nicht mehr so hoch, wie zum Beispiel in den 80ern. Wenn eine Platte da gescheitert ist, dann war es wirklich vorbei. Inzwischen kann man sich immer noch eine Maske aufsetzen und Techno machen. Aber es wäre natürlich scheiße, wenn ich jetzt scheitern würde. Am liebsten würde ich ja im Jahresrhythmus neue Musik veröffentlichen. Das Format Album ist doch eh fast ausgestorben. Also macht es für mich Sinn, unmittelbarer Musik rauszubringen.

Was wäre, wenn du jetzt herausfinden würdest, dass du längst Vater bist?
Ich würde mich erst mal freuen. Und dann würde ich rausfinden wollen, mit wem ich da eigentlich dieses Kind habe. Aber ich fänd es super. Vielleicht vor drei oder vier Jahren noch nicht. Aber ich bin Onkel geworden und das hat meine Sichtweise geändert.

Was wäre, wenn du mit dem Wissen von heute jetzt nochmal 18 sein könntest?
Ich würde noch konsequenter mein Ding durchziehen. Nach der Schule wollten alle studieren oder ein Auslandsjahr machen. Ich habe mir dagegen ein Studio eingerichtet. Da kam mir schon manchmal der Gedanke: "Was wäre, wenn ich jetzt auch studieren würde?" Ich habe ein bisschen gezweifelt, obwohl ich mir hätte sagen sollen: "Natürlich schaffe ich das!"

Was wäre, wenn du überhaupt keine Angst davor hättest, Fehler zu machen?
Ich finde es gut, Angst vor Fehlern zu haben. Also, ich meine jetzt nicht Panik, sondern eben eine gesunde Angst. Wenn ich keine Angst hätte, wäre das für meine Musik furchtbar. Ich könnte nicht mehr reflektiert arbeiten. Wobei man sicher ein ziemlich entspanntes Leben hat, wenn man einfach alles geil findet, was man macht.

Was wäre, wenn du Trump für einen Tag ablösen könntest?
Das würde ich nicht wollen. Was soll ich schon an einem Tag ändern? Natürlich ist er ein furchtbarer Präsident, aber ich wüsste auch nicht, was ich machen sollte. Ich kenne mich dafür zu wenig mit dem Rechtssystem Amerikas aus. Außerdem möchte ich als Musiker einen Raum bieten, der nicht politisch ist. Wir wurden mal gefragt, ob wir auf einem Parteitag auftreten würden. So etwas käme nie in Frage für uns!

Was wäre, wenn du dir jetzt eine Superkraft aussuchen könntest?
Ich würde gerne Zeitreisen können. Aber irgendwie ist das auch blöd. Dann würde man ja nie altern und so zeitlos leben. Wobei ich genau dieses Gefühl habe, wenn ich zurück in mein Heimatdorf komme. Meine Nachbarn oder auch die Kids aus der Straße wirken für mich keinen Tag älter als damals, als ich vor knapp 15 Jahren weggezogen bin. Zeit ist so relativ.

Was wäre, wenn ich jetzt deinen Handy-Hintergrund sehen wollen würde? Was würde ich sehen?
Ich habe da so einen Apple-Hintergrund, mit einem Farbverlauf von Rot zu Blau. Ich gucke echt oft auf mein Handy, deshalb wollte ich da nicht ein Bild von irgendjemandem draufhaben. Lieber etwas Neutrales, was einen beruhigt. Und ich fand, das sieht schön kuschelig aus.

Was wäre, wenn du eine Woche auf dein Handy verzichten müsstest?
Das habe ich schon mal gemacht und habe es ganz gut hingekriegt. Ich bin zwar sehr handysüchtig, aber wenn man wirklich Musik machen möchte, muss man es auch mal für eine Weile strikt zur Seite legen können. Seit heute morgen ist mein Akku komplett runter und ich bin trotzdem entspannt. Es gab Phasen, da wäre das unmöglich gewesen. Aber das sind die extremen Zeiten auf Tour, in welchen man nicht viel mehr tut, als die eine Stunde auf der Bühne zu stehen und ein bisschen zu schlafen.

Was wäre, wenn du nur noch zwei Mal zwei Stunden Schlaf pro Tag bräuchtest?
So was Ähnliches habe ich sogar schon probiert. Mit jeweils vier Stunden Schlaf. Das war aber eher eine zwangsläufige Sache, weil ich zu der Zeit immer nur nachts in ein Studio rein konnte. Der Körper macht das mit. Man wird auch zweimal pro Tag müde. Das ist super zum Musikmachen!

Was wäre, wenn du nie wieder mit einem Computer Musik machen könntest?
Ich hätte da voll Lust drauf. Und ich versuche ja schon vieles so umzusetzen. Aber um das richtig durchziehen zu können, müsste ich mir erst mal beibringen, wie man auf einem richtig analogen Mischpult arbeitet. Doch von allen "Was wäre, wenn …?"-Fragen ist das die realistischste.

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Young Romance von Roosevelt erscheint am 28. September 2018 über City Slang.

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