Die fertige Schokoladen-Tarte mit Beeren, die nach dem Rezept einer Meister-Konditorin ohne die Hilfe von Küchengeräten zubereitet wurde
Die fertige Schoko-Tarte | Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben: Grazia di Franco
Menschen

So backst du eine Schoko-Tarte ohne Küchengeräte

Zusammen mit einer Meister-Konditorin zeigen wir euch, wie das geht.
25 Mai 2020, 1:00am

Ich bin gerade in eine neue Wohnung gezogen und meine Küche liegt noch ziemlich brach. Kein Schneebesen, kein Nudelholz, keine Waage, kein Backblech. Nur Träume und das Verlangen nach Zucker. Weil Essen mir in diesen unsicheren Zeiten aber hilft, lasse ich mir von einer Expertin zeigen, wie ich selbst in meiner schlecht ausgestatteten Küche ein Profi-Dessert zaubere.

Die Süßspeisen-Zauberin Edvige Simoncelli | Foto: privat

Nachdem sie als Köchin in noblen Hotels und Restaurants in Rom und Barcelona gearbeitet hatte, wurde die 26-jährige Edvige Simoncelli vom italienischen Food- und Weinmagazin Gambero Rosso 2019 zur Konditorin des Jahres gekürt. Dank ihrer Liebe für hochklassige Desserts arbeitet Simoncelli nun im mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Idylio in Rom. Da das Restaurant wegen der Corona-Pandemie derzeit noch geschlossen ist, hat Simoncelli viel Zeit und erklärt sich bereit, mir bei meinem Backvorhaben zu helfen.

Eigentlich wollte ich etwas Klassisches wie Tiramisu zubereiten. Aber Simoncelli schlägt eines ihrer Rezepte vor: eine Tarte aus Mürbeteig mit dunkler Schokoladen-Ganache und frischen Beeren. Gekauft. Aber Moment. Eine Mürbeteig-Tarte ohne Küchengeräte? Wie soll das denn funktionieren?

So sollte die Tarte am Ende aussehen | Foto: bereitgestellt von Edvige Simoncelli

Für Menschen mit Waage: Für den Teig benötigst du 220 Gramm Butter in kleinen Würfeln, 180 Gramm Puderzucker, 5 Gramm Salz, 100 Gramm Ei, 480 Gramm Mehl und 50 Gramm Kakao. Das reicht für eine Tarte mit 12 bis 15 großen Stücken. Wenn dir das zu viel ist, kannst du bei allen Zutaten auch einfach nur die Hälfte nehmen.

Mein Tarte-Boden, der ganz von alleine hält

Für Menschen ohne Waage: Für die richtige Menge Mehl kippst du einfach ein bisschen weniger als die Hälfte einer Ein-Kilo-Packung in das Behältnis. Und falls du keine noch verschlossene Packung zur Hand hast: Ein Esslöffel entspricht ungefähr 16 Gramm Mehl. Beim Salz gilt: Fünf Gramm sind eine großzügige Prise. Die trockenen Zutaten vermischt du in einer großen Schüssel.

Als nächstes gibst du die Butterwürfel in die Schüssel rührst sie unter, bis eine leicht klumpige Masse entsteht. Butter sollte einfach abzumessen sein, auf den meisten Verpackungen sind Mengenangaben aufgedruckt.

Jetzt fügst du das Ei und den Zucker hinzu. Ein Ei entspricht gut 55 Gramm, für dieses Rezept brauchst du also zwei Eier. Wenn du ganz genau sein willst, dann schlag die Eier auf, verquirle den Inhalt und nimm davon acht Esslöffel. Vermische den Teig, ohne ihn zu fest durchzukneten, bis ein großer, brauner Ball vor dir liegt.

Drücke den Ball in die Form eines groben Rechtecks, das du dann in Klarsichtfolie einwickelst und eine halbe Stunde lang im Kühlschrank ruhen lässt. "So lässt sich das Ganze später einfacher ausrollen", sagt Simoncelli.

Der Teig muss in den Kühlschrank

Für den nächsten Schritt rollst du den Teig so lange aus, bis er nur noch rund einen Zentimeter dick ist. Dafür benutzt du am besten die Klarsichtfolien-Rolle und keine Flasche als Nudelholz-Ersatz. Zwar ist das Ganze so eine ziemlich schmierige Angelegenheit, aber die Oberfläche wird gleichmäßiger. Ein weiterer Profi-Tipp von Simoncelli: Bevor du den Teig ausrollst, packst du ihn zwischen zwei Blatt Backpapier, die du vorher leicht mit Mehl bestäubt hast.

Da uns keine Kuchenform zur Verfügung steht, hängt die Struktur deines Tarte-Bodens von deinem Geschick ab. Ich besitze so etwas nicht. Egal, einfach machen. Als erstes legst du einen Teller umgedreht auf den Teig und schneidest einmal um den Tellerrand. Schon hast du die runde Basis den Bodens. Aus dem Teigrest schneidest du einige lange Streifen, die die Tarte-Seiten ergeben. Bring sie mithilfe von kaltem Wasser an der Bodenbasis an.

Improvisation ist alles

Damit dein Meisterwerk auch wirklich seine Form behält, stellst du den Tarte-Boden am besten auf ein Backblech mit einer Lage Backpapier. Jetzt schneidest du einige lange und breite Streifen Alufolie zurecht, die du für mehr Stabilität ein paar Mal längs faltest. Achte dabei darauf, dass die Streifen immer mindestens so breit bleiben, wie deine Tarte hoch ist. Dann bringst du die Streifen rund um deine Tarte herum an, so dass die Seiten nicht umknicken können.

Heize deinen Ofen auf 200 °C vor und verringere die Temperatur auf 160 °C, wenn du den Tarte-Boden in den Ofen schiebst. Vorher musst du mit einer Gabel aber noch ein paar kleine Löcher in den Teig piksen. Die Backzeit beträgt 25 Minuten, danach muss das Ganze abkühlen.

Alufolie funktioniert super als provisorische Kuchenform

In diesen 25 Minuten bereiten wir die Schoko-Ganache zu. Dafür brauchst du 110 Milliliter Milch, 110 Milliliter Sahne, 160 Gramm dunkle Schokolade und 20 Gramm Ei. Ein Tipp von mir: Selbst wenn du beim Teig nur die Hälfte der angegeben Zutatenmengen verwendet hast, lohnt es sich bei der Ganache, dem normalen Rezept zu folgen – denn die restliche Menge ergibt einen leckeren Keks-Dip.

Zerteile die Schokolade mit einem Messer in grobe Stücke. Die 160 Gramm solltest du dank der Gewichtsangabe auf der Verpackung ganz gut abschätzen können. Die Schokostücke gibst du zusammen mit einem Löffel geschlagenes Ei in eine Schüssel. Jetzt solltest du mal nach deinem Tarte-Boden schauen, denn bei mir ist zu diesem Zeitpunkt eine der Seiten eingeknickt. Falls das bei dir auch so ist: Stabilisiere das Ganze mit mehr Streifen Alufolie.

Schütte die Milch und die Sahne (110 Milliliter sind gut ein halbes Glas) in einen Topf und bringe die Mischung zum Kochen. Sobald Blasen aufsteigen, gibst du das Ganze in die Schüssel mit der Schokolade und dem Ei, und beginnst zu rühren. "Am Anfang macht es vielleicht noch nicht so den Eindruck, aber irgendwann wird sich alles gut vermengen", versichert Simoncelli. Bei mir ist es nach rund fünf Minuten soweit. Anschließend klopfst du die Schüssel leicht auf deine Küchenzeile oder deinen Küchentisch, damit jegliche Luftblasen innerhalb der Ganache verschwinden. So verhinderst du, dass sich in der Tarte-Oberfläche später Risse bilden.

Bei der Garnierung kannst du kreativ werden. Aber vergiss nicht: Mit Früchten und Karamellsoße liegst du nie falsch

Inzwischen sollte dein Tarte-Boden gut ausgekühlt sein. Gieße die Ganache in den Boden und stelle alles zurück in den Ofen – für 25 Minuten bei 150 °C. Jetzt kannst du dir deine Nase am Ofenfenster platt drücken und hoffen, dass die Oberfläche deiner Schoko-Tarte am Ende genauso glänzen wird wie auf den Pinterest-Bildern.

Da dieses Rezept kaum Zucker enthält, solltest du deine Tarte – wenn sie aus dem Ofen und abgekühlt ist – mit Beeren deiner Wahl garnieren. Schlagsahne ist auch nicht verkehrt. Falls du davon gerade nichts im Haus hast, kannst du auch etwas der übrig gebliebenen Sahne von der Ganache nehmen und mit ein paar Teelöffeln Zucker aufschlagen. Achtung: Dazu ist ordentlich Muskelkraft vonnöten. "Man kann auch einen Cocktail-Shaker nehmen, der mit Eis gefüllt ist", schlägt Simoncelli vor. "Das Eis hält die Sahne kühl und beschleunigt gleichzeitig das Schlagen."

Herzlichen Glückwunsch, du hast soeben eine von einer Meister-Konditorin abgenickte Schoko-Ganache-Tarte gebacken. Falls das Ganze bei dir nicht ganz so hübsch aussieht wie auf den Hochglanzfotos, dann lass dir eins gesagt sein: Schmecken wird es trotzdem.

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