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Sex

Katja Krasavices erstes Musikvideo ist das Gegenteil von sexy – und einer der eingängigsten Songs des Jahres

"Gib's mir doggy, gib's mir doggy, gib's mir doggy! Du weißt genau, ich werde schwach, wenn du's mir von hinten machst."

von Lisa Ludwig
24 November 2017, 1:19pm

Screenshot aus dem YouTube-Video "Doggy" von Katja Krasavice

Es ist ein ganz normaler Abend im Leben eines Pornosternchens. Ihr sitzt mit euren allerbesten Freundinnen, die sich von euch nur durch unterschiedliche Frisuren unterscheiden, zusammen und spielt Karten. Ihr alle trinkt Wasser und weil ihr jung, schön und aufregend seid, ist das bis dahin ein bisschen langweilig. Bis eine von den Mädels eine richtig gute Idee hat: "Der, der gewinnt, darf jemanden aussuchen, der den Pizzaboten verführen muss!"

Was nach dem Beginn eines schlechten Pornos klingt, ist die Ausgangssituation für "Doggy", den ersten musikalischen Gehversuch von Katja Krasavice. Die Erotikdarstellerin dürfte den meisten vor allem durch ihren YouTube-Kanal bekannt sein, der thematisch so ganz anders ist als das, was klassische Webvideostars wie die Lochis verzapfen. "KATJA vs. LUCY – WER F***T BESSER!?" statt "Wir googeln uns selbst". Und das klickt sich natürlich ordentlich: 950.000 Abonnenten hat sie mittlerweile, dazu kommen 1,3 Millionen Instagram-Follower und 200.000 Facebook-Likes.


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Gemein hat sie mit ihren YouTube-Mitstreitern hingegen den Wunsch, sich auch musikalisch selbstzuverwirklichen. Egal, ob man nun singen kann oder nicht. Beauty-Gigantin Bibi veröffentlichte mit "How it is (Wap Bap …)" immerhin das am schlechtesten bewertete deutschsprachige Musikvideo.

Statt sich an US-Popstars zu orientieren, setzt Katja allerdings auch musikalisch auf das, was sie am besten kann: Sex. Und wenn sie dafür im ersten Musikvideo einen verdammten Pizzaboten verführen muss. "Willst du mich verarschen? Warum immer ich?", beschwert sie sich erst, tippelt dann aber doch folgsam zur Tür und zerrt den pummeligen Essenslieferanten ins Haus. Das vielleicht Unrealistischste an diesem Szenario: Der Bote hatte lediglich eine normal große Pizza für vier erwachsene Frauen dabei.

"Der erste Blick, der erste Kontakt. Ich schaue in deine Augen, wie du merkst, werd' ich schwach", singt Katja, während sie für die Kamera tanzt und den hilflos wirkenden Mann hinter sich komplett ignoriert. Erst bei den Worten "Ich laufe aus und ich will's jetzt", dreht sie sich dann doch kurz zu ihm um. Körperkontakt gibt es nach wie vor nicht, ihre Freundinnen auf der Couch drehen trotzdem durch. "Leute, ihr glaubt nicht, was hier gerade abgeht: Katja verführt den Pizzaboten!", ruft eine von ihnen aufgeregt in ihr Telefon. "Das ist so geisteskrank, das müsst ihr euch auf jeden Fall selbst anschauen!" Nur: So geisteskranke Sachen passieren gar nicht.

Katja scheint den Pizzaboten nämlich längst hinter sich gelassen zu haben. Zumindest zeigt die Kamera sie nicht mehr twerkend im Flur, sondern in pinkfarbener Reizwäsche auf einem Bett. "Denn das, was du willst, ist das, was ich brauch", flötet sie und blickt dabei mit großen Augen in die Kamera. Wer hier wirklich "verführt" werden soll, ist nämlich nicht der pummelige Mindestlohnempfänger von nebenan, sondern der potenzielle Kunde vor dem Bildschirm.

Eigentlich geht es in "Doggy" nämlich gar nicht wirklich um Sex – es geht um Masturbation. Katja spricht nicht wirklich über ihre eigenen Bedürfnisse oder das, was sie sich von einem Partner wünscht. Sie nimmt die Rolle ein, die viele Frauen in Pornos spielen: die der nimmersatten Sexbesessenen, die alles gut findet, was der Mann gut findet. Das mag in sich ein Fetisch sein oder zumindest eine Art, die eigene Sexualität auszuleben, schließt "Doggy" aber leider als Hymne für sexuelle Offenheit aus. Da wirkte selbst "Funky" von Tic Tac Toe ehrlicher und aufgeschlossener.

Spätestens beim Refrain sind all diese Überlegungen aber auf einen Schlag verschwunden. Der ist nämlich so eingängig, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn Katjas Musikdebüt in Zukunft am Ballermann rauf- und runtergespielt wird: "Gib's mir doggy, gib's mir doggy, gib's mir doggy! Du weißt genau, ich werde schwach, wenn du's mir von hinten machst."

Mittlerweile haben sich noch mehr leichtbekleidete Menschen in der Villa eingefunden, die sich zwar aneinanderreiben, dabei aber ähnlich viel Erotik versprühen wie kalte Pommes. Ganz allgemein wird sich erstaunlich wenig angefasst, dafür, dass Katja mit computeroptimierter Stimme so viel davon singt, Menschen zu verführen. Deswegen wirkt es auch ein bisschen sehr bemüht, als sie den komplett bekleideten Pizzaboten dazu auffordert, ihren Namen zu stöhnen. "Katja", haucht der, oder tut zumindest so. Abgesehen von ein paar roten Flecken auf den Wangen sieht er aber nicht wirklich angetörnt aus. Schließlich drückt sie ihm doch noch ein Bussi auf die Wange und er wird ohnmächtig.

Als er wenig später zwischen angestrengt locker feiernden Menschen Richtung Tür kriecht, klärt sich auch endlich die Frage, was mit der (einzigen!) Pizza passiert ist. Draußen angekommen, stopft er sich auf allen Vieren ein Stück in den Mund und sieht dabei ungleich glücklicher aus als während Katjas Verführungsversuchen. Auch wenn Katjas Sangeskünste überschaubar sind und der Song vor allem durch seinen Trashfaktor unterhält, eine wichtige Sache können wir also doch aus "Doggy" mitnehmen: Doggystyle ist dann am besten, wenn man irgendetwas mit geschmolzenem Käse im Mund hat.

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