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"You piece of shit" – Der Sänger der österreichischen Band At Pavillon wurde rassistisch angegriffen

Mwita Mataro von At Pavillon wurde bei einem Kinobesuch in Wien von einem Besucher diskriminiert. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

von Benji Agostini
18 Oktober 2017, 2:24pm

Foto von Sara Meister

Kurz nach der Wahl, in der sich ein Großteil Österreichs für einen deutlichen Rechtsruck ausgesprochen hat, erschien ein Facebook-Posting auf der Seite der österreichischen Indie-Band At Pavillon. Dort beschreibt der Sänger Mwita Mataro wie er Ziel eines rassistisch motivierten Vorfalls in einem Wiener Kino wurde. Er beschreibt darin, wie ein etwa 30-jähriger Mann die Hand zu einer Pistole formt, sie auf ihn richtet und Schießgeräusche von sich gibt, ein Feuerzeug mehrmals in seine Richtung anzündet und ihn als "piece of shit" bezeichnet. Hier das vollständige Posting:

Mwita weist in seiner Schilderung des Vorfalls auch darauf hin, dass solche in Hass gegründeten Übergänge auch durch die letzte Nationalratswahl, die von einem Aufstieg rechter Politik gezeichnet war, salonfähig gemacht wurden. Damit hat er vermutlich recht, denn auch unmittelbar nachdem Trump zum Präsidenten gewählt wurde, stieg in den USA die Zahl rassistischer und xenophobischer Belästigungen stark an. Wir haben Mwita angerufen:

Noisey: Ist sowas Wien schon öfter bei dir vorgekommen?
Mwita: Ich hab's ein bisschen verschrien: Ich komme eigentlich aus Salzburg und hab immer gesagt, dass Wien so eine geile Stadt ist, da treffe ich keine Nazis und in Salzburg sieht man schon öfter glatzköpfige Nazi-Stereotypen auf der Straße rumlaufen. Aber es ist zum Glück noch nie etwas passiert. Nur einmal wurde ich von einem Typen am Kebapstand angestänkert.

Was denkst du, macht das mit Leuten, wenn eine Partei wie die FPÖ in der Regierung sitzt?
Alles, was diese Partei erfolgreich gemacht hat, war, diese Angst zu missbrauchen. Leute, die sich unsicher und nicht geborgen fühlen, schauen zum Strache, der ihnen sagt, dass die ganze Schuld bei den Ausländern liegt. Auch die Medien spielen dieses Spiel mit der Angst mit und so schaukelt sich das auf, bis es eskaliert.

Wie fühlt sich dieser Vorfall für dich an?
Ich hab es bis jetzt noch nicht ganz realisiert, weil es erst zwei Tage her ist. Ich bin halt völlig fassungslos und durchmache so eine Gefühlsachterbahn von Wut, Trauer, Verzweiflung, Ohnmacht und alles Mögliche, das einen bei sowas durch den Kopf geht. Wenn man sich die Geschichte anschaut, hat sie auch nur sehr "harmlos" begonnen und ich dachte mir, das passiert ja auch nur einmal in tausend Jahren. Aber ich denk mir schon, wenn dann die FPÖ Nummer eins mal werden sollte, ob es dann überhaupt noch Sinn hat, in Österreich zu leben. Wenn ich einmal Kinder habe, habe ich keine Lust darauf, dass sie in einem Land leben müssen, in dem Angst und Schrecken herrscht.

Würdest du also wegziehen, wenn sich solche Vorfälle häufen?
Ja, wenn ein Typ symbolhaft mit einer Waffe auf mich zeigt und er dann vielleicht mal wirklich eine Waffe hat, hab ich eigentlich keine Lust mehr darauf, hier zu bleiben. Ich denke eben schon weiter und daran, wenn ich einmal Kinder habe.


Bereits bei der Wahlparty der FPÖ wurde ein Journalist körperlich angegriffen.


Der mittlerweile in London lebende Salute hat für uns bereits vor knapp einem halben Jahr einen Kommentar über Rassismus in Österreich verfasst. Und auch er hat sich auf Twitter zur politischen Situation in seinem Heimatland geäußert:

Salutes Kommentar könnt ihn hier nachlesen. Solltet ihr Ziel eines solchen Angriffs sein oder mitbekommen, dass jemand in eurem Umfeld rassistisch behandelt oder gar angegriffen wird, schreitet auf jeden Fall ein und macht darauf aufmerksam. Das wird in den nächsten fünf Jahren umso wichtiger werden.

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