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Ernährung

Welche Essensreste kann man eigentlich essen? Ein Experte klärt auf

Apfelgehäuse, Kirschkerne, Erdnussschalen – nichts davon klingt appetitlich. Aber manche Reste sind eben doch mehr als Kompost.

von Hannah Keyser
10 September 2018, 4:00am

Foto: Imago/INSADCO

Wie isst du deine Maiskolben? Neulich beim Dinner hat mir eine Freundin erzählt, wie eine ihrer Bekannten es macht: Sie beißt Stücke des Kolbens ab, kaut die Maiskörner, lutscht dann den Saft aus dem Maiskolben (welchen Saft?) und spuckt die Stücke dann wieder aus. Sorry, aber das klingt einfach nur widerlich. Ich wurde neugierig und twitterte die Frage in den Äther: Isst hier jemand tatsächlich die Teile von Lebensmitteln, die wir normalerweise als Abfall sehen? Die Antworten zeigen: Ja, viele Menschen machen sich über Obstschalen, Kerne und anderen Kompost her.

Das wirkt erst einmal befremdlich, aber vielleicht verschwenden die meisten von uns tatsächlich wertvolle Lebensmittel? Einige behaupten, diese vernachlässigten Bestandteile des Essens enthielten die meisten Nährstoffe. Ich habe mit dem Lebensmittelwissenschaftler Dr. Bradley Bolling von der University of Wisconsin-Madison gesprochen, um zu erfahren, was dran ist.

Essensrest: Apfelgehäuse

Viele haben diesen Obstrest erwähnt. Diese Person sieht es sogar als unsere ethische Pflicht, Äpfel bis zum letzten Bissen zu vernichten:

Ich finde: Der Twitter-Nutzer hat irgendwie Recht. Ich fühle mich immer ein bisschen schlecht, dass ich das Gehäuse nicht abkann und es stattdessen wegwerfe. Meist hält sich das aber die Waage mit meiner Selbstzufriedenheit darüber, dass ich als Snack einen Apfel gewählt habe.

Dr. Bollings Einschätzung: "Das Gehäuse kann man gefahrlos essen", bestätigt Bolling. "Aber nicht die Kerne selbst." Jetzt wird es interessant, denn wer entkernt das Gehäuse schon vorher? "Apfelkerne enthalten cyanogene Glycoside, die beim Zerkauen schädlich werden können." Sie ganz zu verschlucken, sei dagegen unbedenklich. Damit es wirklich Probleme verursacht, müsste man Hunderte, wenn nicht Tausende Apfelkerne essen, denn der Stoff Amygdalin wird im Körper zwar zu Blausäure umgewandelt, aber dieses Gift wird in so kleinen Dosen noch nicht gefährlich.


MUNCHIES-Video: Kalte Ramen-Nudeln mit Resten


Essensrest: Sonnenblumenkernschalen

Auch für diesen Rest sprachen sich überraschend viele Twitter-Nutzer aus.

Ich finde: Verständlich, dass einige meinen, diese Schalen mitessen zu müssen, immerhin sind sie oft gesalzen, und in den USA sieht man immer wieder Baseballspieler, die sich Sonnenblumenkerne hinter die Kiemen schütten, als wäre es nichts. Nur sind die Baseballspieler geübt im Schalen spucken; das ist praktisch eine Tradition des Sports. Aber die Schalen mitessen? Das klingt nach Splittern in der Zunge.

Dr. Bollings Einschätzung: "Diese Schalen sollte man nicht essen. Wenn sie nicht gut zerkaut werden, könnten scharfe Kanten die Speiseröhre oder den Darm verletzen." Da die Schalen reich an Ballaststoffen seien und wenig Flüssigkeit enthielten, bestehe auch ein Risiko, dass sie den Darm verstopfen, vor allem bei Kindern. "Wenn man die Schalen doch mitisst, sollte man also gut kauen und ausreichend Wasser dazu trinken", so der Experte.

Essensrest: Kiwischalen

Einige Reste-Fans haben betont, dass Kiwis damit zu einem praktischeren Snack für unterwegs werden.

Ich finde: Je mehr Kiwi, desto besser. Das kann ich ausnahmsweise unterschreiben.

Dr. Bollings Einschätzung: "Kiwischalen kann man bedenkenlos essen, ähnlich wie bei Pfirsichen und Äpfeln. So gewinnt man ein halbes bis ganzes Gramm Ballaststoffe."

Essensrest: Orangenschalen

Ich finde: Meine Mutter macht eine leckere Cranberry-Soße, für die sie Orangenschalen kandiert und mit Sirup mischt, bevor sie die Cranberrys dazugibt. Aber einfach so kalte Orangenschalen mümmeln? Nein, danke.

Dr. Bollings Einschätzung: "In Maßen sollte das auch kein Problem sein. Forscher interessieren sich für die Krebs vorbeugenden Eigenschaften der Flavonoide in Orangenschalen." Die meisten Studien habe man allerdings bisher an Extrakten durchgeführt und nicht an ganzen Schalen.

Essensrest: Kirschkerne

Diese Person isst so ziemlich alles, aber weshalb erwähnt sie Pfirsichschalen? Wer isst die denn nicht mit? Aber zurück zu Kirschkernen.

Ich finde: Das hier macht mir Sorgen. Eklig ist die Vorstellung zwar nicht wirklich, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man Kirschkerne ausspucken sollte. So ein harter Kirschkern bleibt doch schnell im Hals stecken.

Dr. Bollings Einschätzung: "Kirschkerne sind ohne Weiterverarbeitung nicht unbedenklich. Wie auch Apfelkerne enthalten sie Amygdalin." Seinen Rat ergänzt Bolling mit einem Link zu dieser Story, in der ein Mann sich mit nur drei Kirschkernen eine Blausäure-Vergiftung zuzog. Und ich dachte, die Erstickungsgefahr sei das Schlimmste!

Essensrest: Garnelenschwänze

Ich finde: Garnelen sind kleine Meeresdämonen, die man nicht essen, sondern fürchten sollte.

Dr. Bollings Einschätzung: "Ich esse selbst seit letztem Jahr die Schale von Garnelen mit, weil ich herausgefunden habe, dass Menschen sie verdauen können!" Wie andere Exoskelette von Insekten enthalte der Panzer der Garnele "verdauliches Chitin", und das sei Studien zufolge gut für die Darmgesundheit.

Essensrest: Wassermelonenschale

Ich finde: Wie geht das überhaupt?

Dr. Bollings Einschätzung: "Die Schale der Wassermelone ist ungefährlich, aber man sollte sie vor dem Essen gut reinigen." In den USA gibt es sogar eine Organisation namens "National Watermelon Promotion Board", die Bolling zufolge "angebratene, gedämpfte oder eingelegte Wassermelonenrinde" empfiehlt.

Aha, so geht das also.

Essensrest: Erdnussschalen

Ich finde: Von allen erwähnten Kompost-Arten klingt das hier für mich, als müsste es am übelsten schmecken. So einen großen Anteil der Nuss macht die Schale auch nicht aus, dass man sich deswegen verschwenderisch fühlen müsste!

Dr. Bollings Einschätzung: "Das ist in Maßen höchstwahrscheinlich unbedenklich. Erdnussschalen werden mitunter als Tierfutter verwertet." Der hohe Ballaststoffgehalt und die Trockenheit der Schalen könne aber auch hier zu Verstopfung führen. "Außerdem sind die Schalen in Kontakt mit der Erde und könnten daher Aflatoxine enthalten, wenn die Erdnüsse nicht richtig gelagert wurden." Aflatoxine sind natürlich vorkommende Schimmelpilzgifte.

All das ist vermutlich trotzdem gesünder als die Cola Light, die ich vorhin getrunken habe. In diesem Sinne werde ich nicht mehr das Gesicht über euch verziehen, wenn ihr Fans des körperinternen Kompostierens seid. Mahlzeit!

Dieser Artikel erschien zuerst bei MUNCHIES US.

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