fremdgehen

Was Menschen alles tun, um ihre Partner zu betrügen

"Als Dealer war ich eine Niete, aber das Wegwerfhandy hat es mir leicht gemacht, heimlich anderen Frauen zu schreiben."

von Nilu Zia
21 September 2017, 3:55am

Foto von: Chloe Orefice

Genau wie bei Mord gibt es auch beim Fremdgehen verschiedene Abstufungen. Am unteren Ende der Skala befindet sich besoffenes Rummachen mit Wildfremden, das man im Anschluss bestmöglich verdrängt. Am anderen Ende der Skala steht der kaltblütige, von langer Hand geplante Seitensprung. In diesem Bereich bewegen sich Menschen, die keinen Aufwand scheuen, ihre Partner zu betrügen. Zweithandys, Zweitwohnungen, Zweitfrauen, Hotelreservierungen unter falschem Namen – lauter Dinge, die dem Handeln nicht gerade den Charakter eines versehentlichen Ausrutschers verleihen.

Wir haben uns mit genau diesen Leuten über ihre Taten unterhalten. Die Namen haben wir aus offensichtlichen Gründen geändert. Nur einen nicht. Wir sagen aber nicht, welchen.


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Roberto, 25

Meine College-Freundin habe ich regelmäßig betrogen. Das ging bereits einen Monat nach Beginn unserer Beziehung los. Insgesamt waren wir vier Jahre in so einem On-Off-Ding zusammen. Da wir im Wohnheim auf dem selben Flur wohnten, sind wir uns regelmäßig über den Weg gelaufen. Ich musste also immer irgendwelche Ausreden erfinden, wenn ich irgendwohin wollte. Praktischerweise kannst du als Student immer sagen, dass du in die Bibliothek musst. Genau das habe ich auch getan – und bin stattdessen auf einen anderen Flur gegangen. Einmal bin ich sogar wirklich in die Bibliothek gegangen, allerdings nur, um mit dem Mädchen auf den Toiletten im fünften Stock der Bibliothek zu vögeln.

Ein anderes Mal war einer meiner Freunde über das Wochenende verreist und überließ mir für mein beinahe pathologisches Fremdvögeln seine Wohnung. Von Donnerstagabend bis Montagabend sind wir zwei dort gewesen und haben nichts anderes gemacht, als ficken, Pizza bestellen und Breaking Bad gucken. Meiner Freundin hatte ich erzählt, dass ich über das Wochenende zu meinen Eltern fahre.

Soweit ich weiß, hat sie von alldem nie etwas mitbekommen. Wir sind zwar nicht mehr zusammen, aber immer noch gut befreundet. Wenn sie es jemals herausfindet, säße ich auf jeden Fall ganz schön in der Scheiße. Schlecht fühle ich mich schon und ich habe meine Freundin damals auch noch geliebt, aber dieses andere Mädchen war so unglaublich heiß. Ich war halt ein notgeiles Arschloch.

Bry, 29

Es gab diese (besonders) chaotische Zeit in meinem Leben, in der ich zwischen zwei Freunden festhing – der eine war mein Ex und der andere war mein Neuer. Leider war die Beziehung mit Letzterem eine Fernbeziehung und kompliziert. Mein Ex lieferte mir hingegen weiterhin unfassbar guten Sex auf Abruf – etwas, das extrem selten ist, wie dir jede Frau verraten kann.

"Mein Freund hat nichts geahnt, aber ich habe es ihm dann schließlich selbst gebeichtet."

Zunächst schliefen wir immer wieder in seinem Auto miteinander. Irgendwann sind wir dann dazu übergegangen, uns in meine Wohnung zu schleichen, wenn meine Mitbewohner arbeiten waren. Mit der Gefahr erwischt zu werden, war der Sex umso heißer: Ein paar Male musste er die Wohnung über mein Fenster verlassen. Mein Freund hat nichts geahnt, aber ich habe es ihm dann schließlich selbst gebeichtet.

Um ehrlich zu sein, hat es ihn nicht groß gestört. Das ist ziemlich cool, oder? Vielleicht auch nicht – kommt drauf an, ob du auf Eifersucht stehst.

Thanos, 26

Ich war mit meiner damaligen Freundin auf einer Hausparty und die Gastgeberin war den ganzen Abend über super nett zu uns beiden. Sie sagte, dass sie sich auch gerne so mal mit uns treffen wolle, also haben wir Nummern ausgetauscht. Ich war ein bisschen in sie verschossen und hatte das Gefühl, dass auch von ihr Signale zurückkamen. Aber ich war schließlich mit meiner Freundin da und mit der habe ich dann gegen 3 Uhr die Biege gemacht.

Als wir dann bei meiner Freundin zu Hause ankamen, konnte ich an nichts anderes als Sex mit diesem Mädchen denken. Also sagte ich zu meiner Freundin, dass ich etwas Wichtiges auf der Party vergessen habe und wieder dorthin zurückmüsse, um es zu holen. Ich rief die Gastgeberin an. Die Party sei noch in vollem Gang und klar könne ich wieder vorbeikommen, sagte sie. Als ich schließlich dort eintraf, waren nur noch sie und ein gemeinsamer Freund dort.

"Sie fragte, ob ich noch einen Moment bleiben und ihr helfen könne, das Zeug zurück in ihr Zimmer zu räumen. Ich machte mich ans Werk und eh ich mich versah, war sie komplett nackt."

Wir waren ziemlich betrunken und high und es gab von allem noch reichlich Nachschub, also haben wir zu dritt einfach weitergefeiert. Die Zeit verging wie im Flug und plötzlich war es 7 Uhr. Nummer drei hatte sich gerade verabschiedet und ich machte mich ebenfalls fertig, um mit eingekniffenem Schwanz zu meiner Freundin zurückzukehren, als die Gastgeberin mich fragte, ob ich noch ein Moment bleiben und ihr helfen könne, ihr Zeug zurück in ihr Zimmer zu räumen. Klar, kein Problem. Eh ich mich versah, war sie komplett nackt. Wir hatten mehrmals Sex und ich blieb noch bis zum späten Nachmittag bei ihr.

Als meine Freundin versuchte, mich zu erreichen, sagte ich ihr, dass ich bei einem Kumpel in der Nähe der Party gepennt hätte. Zuvor hätte ich den Bus verpasst und kein Taxi hätte mich mitnehmen wollen. Sie kaufte mir meine Geschichte ab und erfuhr auch nie die Wahrheit.

Einerseits bereue ich das, andererseits bereue ich es nicht. Ich befand mich damals in einer beschissenen, lieblosen Beziehung. Trotzdem war es falsch. Das Allermindeste wäre es gewesen, ihr im Nachhinein die Wahrheit zu sagen.

Jane, 23

Während meiner Unizeit betrog eine meiner Mitbewohnerinnen ihren Freund, nicht mit einem, sondern direkt zwei anderen Typen aus unserer WG. Es war das reinste Chaos und wir alle fühlten uns extrem unwohl, wenn ihr Freund über das Wochenende zu Besuch kam – alle, bis auf einer der Typen, mit dem sie ihn betrog, der schien gar nichts zu fühlen. Sie erfand ständig ausgefeilte Ausreden, warum sie ihn am Wochenende nicht sehen kann – meistens waren es irgendwelche Abgabetermine. Er nahm es einfach hin. Es war ziemlich eindeutig, dass ihre Beziehung nicht lange halten würde.

Die Bombe platzte schließlich, als ihr Freund für einen Überraschungsbesuch vorbeikam. Sie hatte ihm gesagt, dass sie krank sei. Daraufhin ist er zu ihr gefahren, um sie aufzumuntern. Bei uns angekommen, erwischte er sie im Bett mit einem unserer Mitbewohner.

Damit war ihre Beziehung vorbei und sie kam mit dem Typen zusammen, mit dem sie erwischt worden war. Ich habe keine Ahnung, was unser zweiter Mitbewohner darüber dachte, aber er war eben das Reserverad für das Reserverad. So ist das Leben.

G, 31

Als ich vor ein paar Jahren arbeitslos war, versuchte ich mich als Grasdealer. Da ich eh viel gekifft habe und im Besitz eines Fahrrads war, bedeutete das keine große Umstellung für mich. Schon bald erkannte ich, dass ich als Dealer ziemlich mies war. Gleichzeitig erkannte ich allerdings, dass so ein Wegwerfhandy es einem unfassbar leicht macht, anderen Frauen SMS zu schreiben, ohne dabei erwischt zu werden.

"Meine damalige Freundin kontrollierte regelmäßig meine Nachrichten. Aber sie ging nie an mein Dealerhandy."

Meine damalige Freundin kontrollierte regelmäßig meine Nachrichten. Aus irgendeinem Grund ging sie aber nie an mein Dealerhandy. Da meine neue Businessidee sie nicht gerade begeisterte, versuchte sie einfach alles, was damit zu tun hatte, weitestgehend zu ignorieren.

Wenn ich auf meinem "Geschäftshandy" eine SMS mit einem Q erhielt, wusste ich, dass meine Affäre sturmfrei hatte. Ach ja, das Mädchen hatte auch einen Freund. Meiner Freundin habe ich erzählt, dass ich ein paar Lieferungen mache – dann bin ich zu meiner Affäre vögeln gefahren. Das dürfte etwa sechs Monate so gelaufen sein, bis meine Freundin schließlich gemerkt hat, dass ich überhaupt kein Geld mit meinem "Geschäft" mache. Sie zählte zwei und zwei zusammen und schmiss mich aus unserer Bude. Ich hatte es verdient.

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