Ich habe meinen Penis mit Schockwellen behandeln lassen, um bessere Erektionen zu kriegen

Eigentlich ist die Therapie für Menschen mit Erektionsstörungen gedacht, aber: Why not?

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18 Mai 2019, 10:30pm

Foto: Natasha Yelsley

Natalia fordert mich auf, mich untenrum freizumachen. Sie ist ziemlich attraktiv und trägt einen weißen Laborkittel. Um meine Genitalien zu bedecken, bekomme ich ein medizinisches Tuch. Das wird einen Augenblick später aber schon wieder entfernt, damit Natalia, die Hände in Latexhandschuhen, ausgiebig Baby-Öl über meinem Penis und meine Hoden verteilen kann.

"Wird es wehtun?", frage ich.

"Hier, ich zeige es dir", sagt sie. Das Gerät sieht aus wie eine Strahlenkanone aus einem zweitklassigen Science-Fiction-Film aus den 50ern. Sie hält es mir mit der Spitze an meinen Unterarm. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Vibrator auf höchster Stufe.

"Nicht so schlimm, oder?", sagt sie.

"Nein", sage ich, und komme etwas ins Stocken, weil mir klar wird, dass es das Gegenteil von schlimm sein wird.

"Gut, dann fangen wir mal an." Mit einer Hand umfasst sie meine eingeölten Hoden, mit der anderen nähert sie sich mit der Strahlenkanone meinem Penis.

Das liest sich jetzt vielleicht wie die Einstiegsszene eines Pornos, es ist aber Teil einer relativ neuen Therapie gegen Erektionsstörungen, die offensichtlich von überraschend vielen Studien gestützt wird. Das suggeriert zumindest die Website des aktuellen Marktführers GAINSWave.

Die extrakorporale Stoßwellentherapie, wie die Behandlung offiziell heißt, wird in der Medizin schon seit den 1980ern angewandt, vor allem zur Behandlung von Nierensteinen. Dabei wird ein Gerät von außen auf die Haut angesetzt, das Stoßwellen, grob mit Schallwellen vergleichbar, ausstößt. Es wird auf die entsprechende Stelle gerichtet und der Nierenstein so zerrieben.

Bei der Stoßwellentherapie zur Behandlung von Erektionsstörungen wird allerdings deutlich weniger Energie genutzt, als beim sogenannten Nierensteinzertrümmerer. Die Therapie soll mikroskopisch kleine Verkalkungen in Blutgefäßen lösen und das Wachstum neuer Blutgefäße anregen. Dieser Effekt, das sollte an dieser Stelle gesagt werden, konnte bislang allerdings nur an Nagern nachgewiesen werden.

Ich selbst hatte weder von Mikro-Ablagerungen noch von extrakorporaler Stoßwellentherapie gehört, bis mich eine Person im Auftrag eines Anbieters kontaktierte und fragte, ob ich Interesse an einer Behandlung hätte. In der Broschüre stand, dass neben den medizinischen Zwecken auch Männer von der Behandlung profitieren würden, die einfach härtere und bessere Erektionen wollten.

Auch wenn die Wirksamkeit bei schwächeren Erektionsstörungen recht vielversprechend scheint, hat Urologe Seth Cohen vom Langone Medical Center der New York University ein paar Einwände: "Die Technologie ist ziemlich neu. Deswegen gibt es noch entsprechend wenig Daten." In drei oder vier Jahren, so Cohen, werde man ein besseres Bild von der Effektivität der Behandlung haben.

Landon Trost, ein Urologe an der Mayo Clinic, ist ebenfalls skeptisch. "Die Datenlage zur Wirksamkeit ist noch etwas lasch", sagt er und weist darauf hin, dass viele der Placebo-kontrollierten Studien erhebliche Mängel aufweisen.

"Was die Wirksamkeitsstudien angeht, lag der durchschnittliche Anstieg auf dem International Index of Erectile Function (IIEF), dem offiziellen Maßstab der Erektionsfähigkeit, bei nur zwei bis drei Punkten", so Trost. Allein durch Übungen lasse sich der Wert um drei bis fünf Punkte anheben, wohingegen Sildenafil, der Viagra-Wirkstoff, eine Verbesserung um fünf bis neun Punkte schaffe. "Wenn diese Methode also die Erektionsfunktion verbessert, dann nur in einem sehr geringen Maße", so der Urologe.

Ich sollte erwähnen, dass ich erst nach meiner Behandlung mit Trost und Cohen gesprochen habe, um meine Behandlung nicht zu beeinflussen.

Die Dame am Empfang des Therapieanbieters schaute sich den Fragebogen an, den ich kurz davor ausgefüllt hatte. "Sie haben also wirklich kleine Beschwerden. Das wir dann wie ein Boost für Sie sein", sagte sie, bevor sie mir ungefragt berichtete, dass ihr 26-jähriger potenzproblemfreier Freund vor Kurzem auch eine Behandlung mitgemacht habe. Das Ergebnis sei "einfach WOW!" gewesen.

Weniger als "WOW!" möchte man aber auch nicht erwarten. Der Preis für eine Sitzung beginnt hier in Brooklyn bei etwa 500 US-Dollar. Für ein optimales Ergebnis empfiehlt GAINSWave sechs Sitzungen.


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Kurz bevor sich das Gerät meiner empfindlichsten Körperregion nähert, fragt mich Natalia, ob ich irgendwelche Prostataprobleme habe. Die Behandlung könne da problematisch sein. Mehr sagt sie nicht. Urologe Trost erklärt mir später, dass Männer mit Prostatasteinen durch die Behandlung Dammschmerzen und Entzündungen bekommen könnten.

Ich gebe Natalia mein OK. Ich solle meine Füße entlang der Sohlen zusammenlegen, "wie ein Fröschchen". Kein Problem. Anschließend geht sie meinen Penis der Länge nach mit der Strahlenpistole ab, über den Damm und die Bereiche um die Peniswurzel. Das würde die Blutzufuhr in dem ganzen Bereich verbessern, sagt sie. Und tatsächlich, nach etwa zwei Minuten beginnt vermehrt Blut in diese Körperregion zu fließen, was mir ziemlich peinlich ist.

"Das tut mir leid", sage ich, während Natalia mit dem Gerät weiter zwischen meinen Beinen herumfährt, meinen dreiviertelerigierten Penis mal hier, mal dort positioniert.

"Keine Sorge", antwortet sie. "Das passiert ziemlich oft."

Smalltalk fällt mir zunehmend schwer, also lehne ich mich zurück und schließe die Augen. Zwei Sessions à 15 Minuten und eine Pause später: "Voila!", sagt Natalia fröhlich und reicht mir Papiertücher, um das Öl abzuwischen. "Fertig."

Wann ich mit Veränderungen rechnen könne? Natalia erklärt, dass manche das Ergebnis der Behandlung sofort spürten, andere erst ein paar Tage oder sogar erst Wochen später.

Es ist normal für Männer, vier oder fünf Erektionen im Schlaf zu bekommen. In der ersten Nacht nach der Behandlung sind meine Ständer allerdings so extrem, dass ich davon aufwache. Auch die Morgenlatte ist beachtlich. Generell erlebe ich in den Wochen nach der Handlung Erektionen wie seit meiner frühen Collegezeit nicht mehr.

Sechs Wochen nach der Stoßwellentherapie scheint allerdings alles wieder beim Alten zu sein. Das ist dann doch etwas kürzer als die "medizinisch erwiesenen" zwei bis drei Jahre, die der Anbieter auf seiner Website angibt.

Ich glaube, bei mir hat der Placebo-Effekt eine große Rolle gespielt. Denn das war keine Therapie – das war wie die Erfüllung eines feuchten Traums aus meiner Teenagerzeit.

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