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Swizz Beatz setzt mit BACARDí auf No Commission und bringt Kunst unter das Volk

Drei Tage lang pfiff internationales Kunstflair samt großer Musik durch Berlin. Was bei Swizz Beatz' & Bacardís 'No Commission' abging, lest ihr hier.

von Andreas Richter
06 Juli 2017, 12:44pm

Präsentiert von Bacardi

Wann ist aus dem Rapgame eigentlich ein Graduiertenkolleg in Kunstgeschichte geworden? Jay Z behauptet in "Picasso": "It ain't hard to tell, I'm the new Jean Michel. / Surrounded by Warhols, my whole team ball." A$AP Rockys Flow folgt einem ähnlichen Pinselstrich: "Painting vivid pictures, call me Basquiat, Picasso. / Capo Head Honcho, now my following's colossal." (aus "Phoenix"). Drake wiederum: "Young Frank, suits cut right always. / Just got a couple Warhol's for my hallways." ("A Little Favour") Und mit Yeezys lyrischem und visuellem Sperrfeuer an Kunstreferenzen könnte man sowieso ganze Seiten füllen. Sein an Vincent Desiderio angelehntes Video zu "Famous" und die Lines "Now the whole party is melted like Dalí. / Now everybody is movin' they body." aus "Mercy" sollen hier aber genügen.

In der Disziplin, Statussymbole nicht um den Hals, sondern an der Wand hängen zu haben, ganz weit vorne ist aber zweifelsfrei Kasseem Dean aka Swizz Beatz. Heute tourt er mit seiner zusammen mit BACARDí ins Leben gerufenen No Commission Eventreihe um die Welt und lässt die Musik- und die Kunstszenen näher zusammenrücken. In einem Radio-Interview erinnert er sich an die Zeit, in der es noch nicht besonders OG-like war, sein Interesse an den bildenden Künsten öffentlich zu machen: "Viele der Leute im Game haben damals über mich gelacht. Ich meine die großen Namen. Sie sagten: 'Du sammelst Kunst? Warum zur Hölle?' Aber ich predige seit zig Jahren Kunst. Hab Jay Z ein paar Sachen gezeigt. Er ist auch sehr kunstinteressiert und hat mittlerweile eine ziemlich beeindruckende Sammlung."

Seine eigene Sammlung muss sich da keineswegs verstecken. Die Dichte an Namedropping-tauglichen Werken dürfte jedem Museumsdirektor vor Aufregung kleine Tropfen von diversen Körperteilen perlen lassen. Dalí, Chagall, Keith Haring, Warhol, Joan Miró, Sam Francis, Basquiat, Ernie Barnes, Shepard Fairey – alle hängen sie an Deans Wänden.

Swizzys Sammelwahn begann zunächst als Ausdruck von Dickehosentum eines Spätpubertierenden, dem plötzlich die Millionen aufs Konto regneten und der die blanken Wände der ersten selbstfinanzierten Immobilien statusgerecht zu bedecken suchte. Es mussten dann eben erst mal die Chagalls und Dalís sein. Wir reden hier von der Zeit, in der Swizz, als Kid aus der Bronx und vom DJing kommend, zum Haus und Hof-Produzenten bei Ruff Ryders Entertainment avancierte. Also dem Label Konglomerat seiner Onkel Joaquin und Darrin Dean sowie seiner Tante Chivon Dean. Dem Label, das Ende der Neunziger und Anfang der 2000er wie nur wenige andere den Rap-Zeitgeist diktierte und neben Veröffentlichungen von Eve, Jadakiss, The Lox vor allem dank der DMX-Diskografie und den Ryde Or Die-Compilations massiv durch die Decke ging.

Swizz wurde die Musikerkarriere durch seine Verwandtschaft nicht nur erleichtert, sie wurde ihm geradezu in die Wiege gelegt. Auch sein Stiefvater war HipHop DJ, bereits als Sechsjähriger spielte er in einem Musikvideo mit, er war das jüngste Member der Breakdance Crew GDR und nach dem teenage fame als DJ schließlich Beatmaker für sämtliche Großkaliber der Szene: Jay Z, Noreaga, Eve, Busta Rhymes, LL Cool J, Beyoncé, Notorius B.I.G., Drake, Gucci Mane, Diddy, Kendrick Lamar usw. usf. Er begann sich nach dem Erfolg seiner Ruff Ryders-Produktionen das Business in sämtlichen Disziplinen anzueignen und die eigene Karriere in alle möglichen Richtungen zu diversifizieren:

Gründete sein eigenes Label Full Surface Records. Begann selber zu rappen und veröffentlichte in den 2000ern ein Compilation-Album und ein Solo-Album. Versuchte sich als Sneaker- und Modedesigner. Schüttelte mehr CEO-Hände als der Wirtschaftsminister und baute sich ein unüberschaubares Portfolio an Brand-Deals auf. Ließ seine Basquiat Obsession in eine Kollaboration mit Reebok einfließen. Ging als Mittdreißiger nach Harvard, um das Owner/President Management Program zu absolvieren. Holte sich nebenbei ein paar Grammys ab. Engagierte sich in sozialen Projekten. Produzierte erst und heiratete dann vor sieben Jahren Alicia Keys. Und begann seine wachsende Kunstexpertise in die eigene Mischpalette einfließen zu lassen. Logisch, Swizzy ist auch selber Maler. Jay Z besitzt beispielsweise einige Werke aus Deans Hand, deren Verkaufserlöse er samt und sonders der Children's Cancer & Blood Foundation spendet.

Die Philosophie des Swizzschen Sammlergeistes und Kunstinteresses hat sich im Laufe dieser Karriere immer weiter weg von reinem Statusdenken, hin zu einer Supportermentalität für kontemporäre Kunst entwickelt. Er ließe sich beim Sammeln mittlerweile nur noch von seinem Herzen leiten, sagt er selbst, nicht mehr vom Hype. Die Regel für seine Dean Collection, dem Museum mit Eventcharakter, das Swizz für seinen Nachwuchs ins Leben gerufen hat: Es wandern ausschließlich Werke von lebenden Künstlern in die Sammlung. Seine Ansätze, Kunst zu präsentieren sind integrativ. Mit dem Einsatz seiner Privilegien und seiner Reichweite versucht er Nachwuchsförderung auf Künstlerseite genau so wie die Auflösung von Gatekeeper-Mechanismen beim Zugang zu Kunst.

Bestes Beispiel dafür ist seine Position als creative chief for culture bei BACARDí, mit denen er seine No Commission Reihe ins Leben gerufen hat. Die Idee: Künstlern wird eine Ausstellungsfläche kostenlos zur Verfügung gestellt und auch sämtliche Einnahmen beim Verkauf fließen zu 100% zurück an den Künstler. Ein Projekt, für das ihm möglicherweise nicht jeder Kunstagent und Galerist auf die Schulter klopfen wird, das aber den Kunstbetrieb aus seinen elitären Zirkeln heraus und hinein in die Clubkultur gebracht hat. Daraus ist ein interdisziplinärer Wanderzirkus entstanden, der bereits bei der Art Basel Miami, in Deans ehemaliger Hood, der Bronx, in London und Shanghai sowie zuletzt in Berlin Halt gemacht hat.

Drei Tage lang pfiff internationales Kunstflair durch die Industriebrache des Alten Kraftwerks Rummelsburg. Der altehrwürdige Standort beherbergte in dieser Zeit Werke von u.a. Shepard Fairey, Jonas Burgert, Felipe Pantone, Jerome Lagarrigue, Jens Einhorn etc.pp. Dazu bröckelte die Patina zu Sets von u.a. Major Lazer, Black Coffee, Honey Dijon, Swizzy höchtselbst und – große Überraschung – seiner besseren Hälfte Alicia Keys von den Kraftwerkwänden. Und wie sich an den stündlich vermehrenden ‚sold' Stickern neben den Leinwänden ablesen ließ – das Konzept, Kunst unmittelbar an die Leute zu bringen, ging auch in Berlin bestens auf.

Alkohol sollte mit Vorsicht und nur von Volljährigen konsumiert werden!

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