Eine Stunde mal richtig schön schwitzen mit Shaun J. Wright & Alinka

Das Duo aus Chicago und Berlin stimmt dich mit einem exklusiven Mix für uns auf das Yo!Sissy Festival am Wochenende ein.

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Juli 24 2017, 1:53pm

Lotic, Karim & Karam, Vitalic … das Programm des Berliner Yo!Sissy Festivals ist dicht gespickt mit Hochkarätern. Ohne Shaun J. Wright & Alinka ist aber keine Highlightsaufzählung vollständig.

Das aus der Geburtsstätte des House stammende Duo lebt mittlerweile zwar auf Chicago und Berlin verteilt, dem (Zusammen-)Arbeitswahn der beiden DJs, Produzent*inne und Labelbertreiber*innen hat das jedoch keinen Abbruch getan. Erst im April haben sie mit Time For Action eine neue EP herausgebracht – nicht auf ihrem eigenen Label Twirl, sondern auf Jackathon von Kollegin Heidi. Und da hat es nicht nur der kämpferische Peak-Time-Brummer "Time For Action" in sich.

Als langjährig erprobtes Veranstaltungsteam wissen Alinka und Shaun J., wie man ein Party richtig aufheizt. Das beweisen sie dir auch mit ihrem Warm-up Mix für das Yo!Sissy, bevor dieses am Freitag im Festsaal Kreuzberg startet. Den Mix findest du unten. Und ein paar Fragen haben mir die beiden auch beantwortet.

THUMP: Alinka, Shaun, hi, danke für den Mix. Lasst uns ganz bescheiden anfangen: Ein paar Leute, mich eingeschlossen, finden ja, dass ihr ein goldenes Händchen habt, wenn es darum geht einen echten Peak-Time-Track zu produzieren. Was macht ein solcher denn für euch selbst aus?
Alinka: Für mich geht es darum, dass mir die Musik eine Gänsehaut verpasst, dass man diese Energie nie wieder vergisst, die du das als Tänzer oder Tänzerin bei einem gewissen Track gespürt hast. Ich habe schon viel und oft neben anderen DJs getanzt und von der Booth aus beobachtet, wie die Menge reagiert. Das hat mich sehr viel über die Kraft von Musik gelehrt.


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Eure aktuelle EP, Time for Action, hat 8 Tracks und ist 54 Minuten lang. Habt ihr nicht überlegt, mit einem oder zwei Tracks mehr gleich ein Album daraus zu machen?
Alinka: Wir hätten genügend Stücke für eine LP gehabt, aber das war nie unser Ziel. Wir haben an diesem Material im Sommer gearbeitet und Heidi bekam den Erstzuschlag. Vier Tracks gingen zunächst an sie raus und Heidi hat uns dann angetrieben, ihr noch so viele wie möglich zu geben. Bis zum Herbst wurden es 16, acht davon hat sie ausgewählt.

Lief euer Track "Time for Action" eigentlich schon mal auf einer Demo und war das auch ein Zweck, den ihr für diese Musik beim Schreiben im Hinterkopf hattet?
Shaun: Nein, aber es wäre eine schöne Überraschung. Unsere Musik ist so underground, dass wir eine derartige Verbreitung gar nicht erst annehmen. Es würde unseren Herzen erwärmen, sähen Menschen, die sich aktiv für soziale Rechte einsetzen, diesen Song tatsächlich als einen call-to-action. Für uns war es schlicht eine Notwendigkeit, so ein Stück zu machen. Es gibt so viele Geschichten von schrecklichstem Missbrauch jeglicher Art auf der ganzen Welt. Als Künstler*innen ist es da unsere Pflicht, das anzusprechen und auf unsere Weise ein Lösungsmodell vorzuschlagen. Es ist unmenschlich, zu schweigen, wenn andere leiden.

Aus eurer Erfahrung: Ist es schwerer, einen Song über Liebe zu machen oder über Politik?
Shaun: Als menschliche Schnittmenge zahlreicher marginalisierter Identitäten (queer, gender-nonconforming, black) mache ich da für gewöhnlich keinen Unterschied. Einen Song über Liebe zu schreiben, sei sie romantischer Natur, sei sie platonischer, ist auf vielen Ebenen ein Akt politischen Widerstands. Die Ehe für alle ist in den USA beispielsweise legalisiert worden, und dennoch sorgt jede Liebe, die keine heteronormative ist, noch immer für Diskussionen. Die Liebe für einen Ihn oder für they in meinen Texten zu proklamieren, ist politisch, selbst wenn es nicht beabsichtigt ist. Umgekehrt, wirkt ein Song wie "Time For Action" auf dich vielleicht zuerst politisch, obwohl es für mich ein Liebessong ist. Sich mit Unterdrückten zu solidarisieren, ist ein Akt der Liebe. Wir versuchen, authentische Texte zu schreiben, die entweder auf eigenen Erfahrungen und Erlebnissen beruhen.

Wie und wo habt ihr euren Mix aufgenommen?
Shaun: In Alinkas Berliner Heimstudio. Das war im Frühling. Ich für meinen Teil habe vor allem Tracks genommen, die bei mir gerade auf Heavy Rotation laufen. Die spielen alle an den Grenzen von House und Techno. Ich mag diesen leicht unkonventionellen Sound sehr.

Der Mix besteht hauptsächlich aus sehr neuen Tracks. Unter DJs ist es ja immer wieder ein Thema, wie das ideale Verhältnis zwischen alter und neuer Musik in einem Set ist. Wie seht ihr das?
Alinka: Ich spiele für gewöhnlich sehr durchmischt, was Genres und Zeiten betrifft. Am wichtigsten ist der Moment und welche Musik ich gerade entdeckt habe oder aus meiner Sammlung besonders fühle.
Shaun: In dem Mix gibt es auch ein paar ältere Sachen: Geminis "Don't U Know" und Louie Balos "La Hagla" erschienen beide 1995. Für mich gibt es da keine Regeln. Was frischt klingt, klingt frisch, solange es der Story eines Sets hilft.

Wie geht es mit Twirl weiter? Werdet ihr wieder auf eurem eigenem Label veröffentlichen oder passiert das jetzt weiterhin nur noch anderswo? Und was wird aus eurer gleichnamigen Partyreihe?
Alinka: Twirl legt gerade erst so richtig los! Wir haben schon eine Vielzahl von Veröffentlichung von Herbst an geplant und frühen uns darauf, in Zukunft noch mehr mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten.
Shaun: Die Party wird allerdings nicht mehr wiederkommen, da wir derzeit auf zwei unterschiedlichen Kontinenten leben. Aber wir überlegen, demnächst besondere Events unter dem Namen zu hosten.

Seht ihr euch eigentlich als eine Fortschreibung der nun nicht gerade unbedeutenden Geschichte von elektronischer Musik aus Chicago?
Alinka: In Chicago aufzuwachsen und schon früh dem Chicago House zu verfallen, war für uns beide sehr prägend. Als wir angefangen haben, miteinander zu arbeiten, waren es Gespräche über House Music und die Erinnerungen an bestimmte Tracks, die uns verbunden haben. Ich glaube jedoch nicht, dass es jemals bewusst um ein Weiterführen dieses Vermächtnis ging. Aber der Geist der Stadt lebt in uns, also spürst du das auch in unserer Musik, da sie sehr persönlich ist.

Habt ihr euch was Besonderes für Yo!Sissy ausgedacht?
Shaun: Das bleibt vorerst ein Geheimnis, aber wir hoffen, dass die Gäste bereit sind, to sweat and twirl, zu schwitzen und herumzuwirbeln!

"Time & Attention" ist ein weiterer Track aus der aktuellen EP

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