Kürbisklau

Beliebter Erlebnisbauernhof hat die Schnauze voll von frechen Gästen

Kinder werfen mit Äpfeln um sich, Eltern klauen Kinderwägen voller Kürbisse. Der Jucker Farm in Zürich reicht es jetzt
19.10.18
Kürbisse in einem Verkaufsregal der Jucker Farm
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der Jucker Farm

Dieser Artikel stammt aus unserer Redaktion in Zürich.

Ach, wie schön ist der Herbst – besonders auf Instagram-Bildern und Familienfotos entfaltet er seinen vollen Charme. Schweizer Familien karren ihre Bälger in dieser Jahreszeit vor allem gern auf den Juckerhof und fotografieren sie glückseelig, wie sie auf einem Riesenkürbis sitzen. Und das mehrere hundert Franken teure Gewächs zerstören.

"Diese Woche habe ich ein Kind beobachtet, wie es auf einem der Riesenkürbisse sass und mit einem Stock Löcher hinein gebohrt hat," so Hannes Schmutz. "Die Mutter stand daneben und hat fotografiert." Schmutz ist Hofgestaltungsleiter auf dem Juckerhof, einem der beliebtesten Ausflugsziele im Raum Zürich. In einem Blogbeitrag erzählt er gemeinsam mit anderen Mitarbeitern des Hofes von Vorkommnissen, die nicht so idyllisch sind, wie es das Ambiente des Erlebnisbauernhofes am Pfäffikersee sonst verspricht.


MUNCHIES-Video: So machst du Kürbispizza


Während der Kürbiszeit kämen die meisten Besucher auf die verschiedenen Höfe der Jucker Farm, sagt Kommunikationsleiterin Nadine Gloor am Telefon gegenüber MUNCHIES. In dieser Zeit falle es besonders auf, dass sich Gäste manchmal daneben benehmen. Es sei nötig geworden, "diese grösstenteils amüsanten, aber zum Teil auch etwas schockierenden Geschichten unserer Hofmitarbeiter zu erzählen".

Der Blogpost mit dem Titel "Langfinger am Hof" rechnet amüsant formuliert mit den frechsten Gästen ab und weist darauf hin, dass ein Erlebnisbauernhof nicht das Gleiche ist, wie ein gratis Selbstbedienungsladen: So schreibt die Jucker Farm von dreisten Dieben, die sich bei Kürbissen oder Äpfeln einfach bedienen, ohne zu bezahlen. Sprechen Hofangestellte die Gäste darauf an, bekämen sie zu hören, dass es ja genug Äpfel gäbe und man ja nur wenige genommen habe.

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"Wenn jeder nur einen oder zwei Äpfel einfach nimmt, ohne dafür zu bezahlen, läppert sich ein ganz schöner Betrag für uns zusammen", sagt Andreas Good, der sich um die Hofläden und die Gastronomie-Angebote der Jucker Farm kümmert. "Ich habe schon Mütter beobachtet, die den ganzen Kinderwagen mit Kürbissen füllen und dann weglaufen."

Chaos an der Abräumstation der Jucker Farm

Einer stellt sein Tablett falsch ab, ganz viele folgen dem schlechten Beispiel

Auch im Hofrestaurant greifen die Familienväter und -mütter zu, dort besonders dreist: "Immer wieder wird von den Restaurant-Angestellten beobachtet, dass sich Gäste teilweise Literflaschen Most oder Tee abfüllen und einfach rauslaufen", steht in dem Beitrag.

Für das Brunchbuffet mussten statt den bisher verwendeten Aufklebern gar Armbänder eingeführt werden, weil die Gäste pro Familie nur einmal bezahlten und den Sticker "dann an die ganze Sippe weitergegeben haben". Der Preis für das reichhaltige Bauernfrühstück, an dem man sich übrigens so lange satt essen darf, bis man fast platzt: 42 Franken pro Person (rund 37 Euro). Wer schon mal in einem Lokal in Zürich brunchen war, weiss: Das ist zwar nicht billig, aber immer noch fairer als in anderen Restaurants, in denen du an einem Sonntagmittag schnell mal um die 50 Franken für deinen Chia-Pudding à discretion klar machen musst. Kinder bis 12 Jahre bezahlen 2 Franken pro Altersjahr. Haben die Gäste fertig gegessen, stellen sie ihre dreckigen Tabletts vor der Eingangstür ab, statt sie in die dafür vorgesehenen Regale zu räumen.

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Auch im Apfelgarten der Höfe benehmen sich die kleinen Racker regelmässig daneben: "Oft reissen Kindergruppen die Äpfel von den Bäumen ab und schmeissen sie rum", erzählt Erika Tschümperlin, die Verantwortliche für den Most, den die Jucker Farm herstellt und in den hofeigenen Läden verkauft. "Mir flog schon einmal ein Apfel sehr knapp am Gesicht vorbei."

Riesenkürbisse auf der Jucker Farm

Diese Riesenkürbisse werden am 20. Oktober am jährlichen Kürbisschnitzfestival von Künstlern verschönert – falls Kids sie vorher nicht zerstört haben

Dass die Äpfel nicht bloss Dekoration für hübsche Herbstfotos sind, scheinen manche Besucher offenbar nicht zu verstehen. Miri Widmer, die im Hofrestaurant arbeitet, erlebte einen ähnlichen Übergriff auf einen Kürbis: "Letztes Jahr habe ich zwei Kinder beobachtet, die mit einem Kürbis Fussball spielten. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass der Kürbis so kaputt geht und dass sie damit nicht spielen sollen", erzählt sie. "Die Mutter kam auf mich zu, hat mir 20 Franken vor die Füsse geworfen und den Kids gesagt, sie dürfen weiterspielen."

"Wir wollen nicht mit dem Finger auf alle zeigen", sagt Gloor zum Blogpost. Eine offene Kommunikation sei der Jucker Farm aber wichtig: "Wir möchten die Vorkommnisse, die unser Team beschäftigen, auch thematisieren können."

Bleibt zu hoffen, dass diese Form von öffentlicher Erziehungsarbeit an den eigenen Gästen noch in diesem Herbst erste Früchte trägt.

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