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Menschen

"Ich finde Fitness-Polizisten genauso affig wie Fitness-Piloten."

Polizeikräfte erzählen, was sie von Polizei-Influencern halten.

von VICE Staff
21 August 2019, 12:35pm

Collage bestehend aus: Hand mit Telefon: pixnio | Polizeiauto: pixabay | Polizistin: imago images / Christian Schroedter

Das polizeiliche Schreiben, das am Dienstag auf Twitter kursierte, beginnt mit einem Satz, so gülden geschmeidig formuliert wie Rapunzels Haar: "Sonderprüfung der Internen Revision zur Risikofrüherkennung im Zusammenhang mit den Aktivitäten von Dienstkräften der Polizei Berlin als Social Media Influencer (Sonderprüfung Influencer)". In Auftrag gegeben von der Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Als wären Influencer-Flohmärkte, -Brunchs, und -Schmuckkollektionen nicht genug, bekommen diese lebenden Werbeplattformen jetzt auch noch ihre eigene polizeiliche Prüfung.

Es geht da um Menschen wie Mehtap. Der Berliner Polizistin folgen auf Instagram über 28.000 Menschen. Oder Lana. Sie hat knapp 68.000 Followerinnen und Follower. Beide posten auf ihren Profilen Selfies in Uniform und Zivilkleidung. In ihren Bios steht "Law Enforcement Officer" und "Police Officer". Ihre Accounts sind öffentlich zugänglich. Für die Berliner Polizei scheint die Kombination aus Influencerin und Polizeibeamten mit Risiken verbunden. Da die Prüfungen laut der Behörde noch andauern, gibt es derzeit noch keine Ergebnisse.

Im Rahmen der Sonderprüfung soll herausgefunden werden, inwiefern Polizei-Influencer die "dienstrechtlichen Pflichten" und "werberechtlichen Regelungen" einhalten, schreibt ein Pressesprecher der Polizei. Außerdem sollen "Gesichtspunkte der Korruptionsprävention" und "mögliche Interessenkollisionen bei Nebentätigkeiten" genauer betrachtet werden.

Während die Berliner Polizei noch auf Influencer-Jagd ist, wollten wir von einigen Kollegen und Kolleginnen wissen, was sie von den Polizei-Influencern halten. Da keiner von ihnen Bock auf eine Sonderprüfung hat, bleiben sie anonym.

Lara, 30: "Ich finde, das ist nicht mit unserem Beruf vereinbar."

Ich bin kein Fan von Einzelpersonen, die sich durch ihren Polizeiberuf in den Vordergrund drängen. Vielleicht konnten sie sich anders nicht von der Masse abheben und jetzt vermarkten sie sich selbst auf Instagram, indem sie ein paar Bilder in Uniform hochladen. Ich finde, das ist nicht mit unserem Beruf vereinbar. Wer eine Uniform trägt, erfüllt in dem Moment eine Rolle. Wir bleiben weiterhin Menschen, aber die Privatperson rückt in den Hintergrund. Es gibt ein Neutralitätsgebot für Polizisten. Wir sind Staatsdiener. Polizei-Influencer benutzen quasi staatliche Hoheitsabzeichen, um ihren Hintern zu vermarkten. Das finde ich nicht in Ordnung.


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Ralf, 33: "Ich finde Fitness-Polizisten genauso affig wie Fitness-Piloten."

Ich finde Influencer grundsätzlich kacke. Ich find's auch kacke, wenn sich jemand in Polizeiuniform auf Instagram zeigt. Komischerweise finde ich es aber nicht schlimm, wenn sich jemand in Pilotenuniform zeigt. Wieso sollte man im Polizeiberuf also einen Nachteil gegenüber anderen Berufsgruppen haben? Wir sind auch nur Menschen. Ich bleibe aber dabei, dass ich Fitness-Polizisten genauso affig finde wie Fitness-Piloten. Trotzdem soll jeder machen, was er will.

Luke, 26: "Vielleicht empowern diese Accounts ein paar Mädchen."

Ich selber nutze Instagram nur, um Freunden zu folgen. Trotzdem glaube ich, dass solche Accounts Nähe schaffen. Viele posten zum Beispiel links ein Bild von sich beim Sport und rechts daneben eins in Uniform. Solche Fotos zeigen, dass in der Uniform eben auch ein Mensch steckt. Bei der Arbeit trauen sich Leute oft nicht, uns anzusprechen. Bei Instagram können sie kommentieren und vielleicht auch mal Lob aussprechen. Ich finde es gut, wenn Leute sich für Polizei-Influencer begeistern können. Vielleicht empowern diese Accounts auch ein paar Mädchen, die gerne Polizistin werden würden. Und die Leute können mehr über den Lifestyle von Polizisten, das Sportprogramm und die richtige Ernährung lernen.

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