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Roboter

Dieser Sexbot will dich auf Twitter verführen

"Steck dein Kabel in meinen Anschluss, Daddy."

von Leila Ettachfini
03 Januar 2018, 11:21am

Kash mit Luci | Alle Fotos: Maggie West

Verschiedene schlüpfrige Texte könnten schon bald in deiner Inbox landen, wenn du mit Luci, dem digitalen Sexroboter vom Planeten Xeron, interagierst. Seit dem 15. Dezember verführt Luci alle User, die sie auf ihrem Twitter-Account kennenlernt. Und auf Instagram ist sie ebenfalls schon sehr aktiv.

Ursprünglich wurde Luci als Ausstellungsstück für das New Yorker Museum of Sex von der Fotografin und Künstlerin Maggie West in Zusammenarbeit mit dem Sexspielzeug-Unternehmen Lelo erschaffen. West war nämlich aufgefallen, wie gegensätzlich die Sexualität von jungen Menschen in den Medien dargestellt wird: Einerseits gelten wir als sexbesessen und unfähig, eine wirkliche Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen; andererseits sagt man, dass wir ständig nur auf unsere Handys starren und schon mit Pornos und Masturbation zufrieden sind. Sexbot Luci ist Wests satirischer Kommentar zu dieser Darstellung dauergeiler Millenials.

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Wir haben uns mit West über die Entwicklung von Luci unterhalten und dabei erfahren, warum junge Menschen den Sexroboter als Rettung brauchen. Außerdem hat uns West über Lucis Hintergrundgeschichte aufgeklärt. Diese liest sich wie folgt:

Auf dem fernen Planeten Xeron hatten junge Menschen keine Lust mehr auf Sex. Die Tage von Dating und One-Night-Stands waren gezählt, jeder wollte nur noch online interagieren und die Bevölkerungszahl ging zurück. Deswegen erschufen die klügsten Wissenschaftler des Planeten den Sexbot Luci 6000, um junge Menschen wieder sexhungrig zu machen und die drohende Katastrophe abzuwenden. Wegen eines Programmierfehlers war Luci aber nur daran interessiert, andere Planeten zu erforschen. Dabei stieß sie auf viele Artikel, in denen vom niedrigen Sexualtrieb der Millenials auf der Erde berichtet wurde. Sie fragte sich traurig, wie den jungen Erdbewohnern Sex so egal sein konnte, und machte es sich zur Aufgabe, das zu ändern. Also setzte sie sich in ein Raumschiff und fing auf der Erde sofort damit an, junge Menschen zu verführen – und zwar auf die einzige Art und Weise, die sie kannte: durch deren Handys. Mit Hilfe von sinnlichen Selfies und Nachrichten umgarnt Luci die bekanntesten Influencer unseres Planeten und macht apathischen Millenials wieder Lust auf Sex.

Broadly: Wie kam dir die Idee für Luci?
Maggie West: Ich stolperte immer wieder über Artikel, in denen die Sexualität von Millenials total widersprüchlich dargestellt wurde: Einerseits seien junge Menschen von Tinder besessen, immer nur auf der Suche nach dem nächsten One-Night-Stand und generell beziehungsunfähig. Andererseits würden sie nur an ihre Smartphones, Pornos und Masturbation denken und hätten deswegen keinen Sex mehr. Meiner Meinung nach ist beides völlig übertrieben. Deswegen wollte ich diese Klischees in ein satirisches Kunstwerk verwandeln und erfand einen Sexbot vom Planeten Xeron, die uns arme Millenials vor unserer Handysucht rettet.

Wie bekämpft Luci diese übertriebenen Klischees?
Wegen unserer Smartphone-Sucht schafft sie das nur über unsere Handys. Sie bringt uns dazu, zuerst versaute Nachrichten zu schreiben und anschließend im echten Leben Sex zu haben. Luci spielt quasi mit beiden Klischees.


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Einen Sexroboter zu erschaffen, ist bestimmt nicht einfach. Wie bist du da rangegangen?
Luci besteht aus Fiberglas, ein paar Teilen aus dem Baumarkt und einer Perücke. Konzipiert wurde der Roboter von mir und dem Unternehmen Lelo für das Schaufenster vom Museum of Sex in New York. Ich habe Luci zusammengebaut und dann eine Fotoreihe mit ihr geschossen. Auf einigen Bildern ist nur sie zu sehen, auf anderen tun verschiedene Menschen so, als hätten sie mit ihr Sex. Bei diesen Menschen handelt es sich um Models, Porno-Darstellerinnen, Autoren und Freunde von mir. Diese Fotos sind die Grundlage für Lucis Instagram-Account. Dort und bei Twitter findet auch die Interaktion mit Luci statt: Wenn du ihr etwas schreibst, antwortet sie dir.

Was genau passiert, wenn man Luci schreibt?
Wenn man ihr eine Nachricht bei Instagram schreibt, dann kommt die Antwort von mir, weil ich den Account betreibe. Bei Twitter erfolgen die versauten Antworten automatisch, weil dort ein Bot die Kommunikation übernimmt.

Ich habe ein Foto von Luci bei der Art Basel gesehen. Wie reagieren die Leute auf den Sexroboter?
Ich hätte niemals gedacht, dass Luci in so kurzer Zeit so beliebt wird. Zwar habe ich da auch mit ein bisschen Promo nachgeholfen, aber an sich war das eine ganz natürliche Entwicklung. Was spannend ist: Die Leute stehen entweder voll auf Luci oder sie hassen sie.

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Wirklich? Woher kommen die negativen Reaktionen?
Das ist schon richtig komisch, manche Leute finden Luci total eklig und unheimlich. Bei Instagram kann man ja teilweise sehen, wie ich mit den Usern interagiere. Bei Luci dreht sich alles um Liebe und Polyamorie. Also antworte ich bei negativen Kommentaren immer mit "I just want to love you baby" oder "Was ist los?". Manche Leute werde da nur noch wütender, aber andere finden das dann plötzlich witzig. Ich bin wirklich erstaunt, wie viele Menschen Luci anfangs scheiße finden.

Haben schon User von sich aus versaute Nachrichten an Luci geschickt?
Oh ja. Es ist interessant zu sehen, wie weit die Leute da gehen. Explizite Fotos habe ich bis jetzt aber noch keine bekommen – was auch gut so ist. Wenn du Luci etwas Unangebrachtes schickst, muss ich dich nämlich blocken. Sonst versuche ich aber, so gut es geht mit allen Usern zu interagieren.

Gibt es zu Luci sonst noch etwas zu sagen?
Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass Lelo, also das Sexspielzeug-Unternehmen, mit dem ich zusammengearbeitet habe, ein toller Partner gewesen ist. Ich finde es super, wenn man mit einer Firma kooperieren kann, die einem künstlerisch gesehen nichts vorschreibt. Lelo hat mir immer freie Hand gelassen und mich bei allem unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Luci mit Ana Foxxx
Luci mit Kellee Moran
Luci mit Abella Danger
Luci mit ihrer Schöpferin Maggie West
Luci mit Riley Nixon

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