'Spiceworld' ist auch 20 Jahre später noch ein absurdes Meisterwerk
Foto: Lia Kantrowitz
Film

'Spiceworld' ist auch 20 Jahre später noch ein absurdes Meisterwerk

Der Film der Spice Girls war schon feministisch, bevor Feminismus cool war. Wir haben mit den Frauen und Männern hinter dem Kultstreifen über die stressigen Dreharbeiten und "Girl Power" gesprochen.
25.1.18

Keine 90er-Jahre-Party ohne ein Song von den Spice Girls. Neben dem musikalischen Lebenswerk der vielleicht legendärsten Girlgroup aller Zeiten, wird eine allerdings Sache oft vergessen: Sie haben mit Spiceworld – Der Film einen der besten Filme herausgebracht, die je gemacht wurden – knapp hinter Stirb langsam und Kevin – allein zu Haus. Grund genug, zum 20-jährigen Jubiläum des "Girl Power"-Klassikers einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

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1997 waren die Spice Girls auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ich, ein 8-jähriges, sonderbares Kind mit Plateau-Schuhen und einem imaginären Freund, habe das Quintett vergöttert (außer Geri – mehr dazu später). Die Spice Girls waren der Soundtrack meiner Kindheit und Gegenstand all meiner weltlichen Ambitionen. Sie waren, um es mit den Worten eines Songs aus dem erfolgreichen Solo-Album von Mel C von 1999 zu sagen, mein Northern Star.

Natürlich habe ich Spiceworld im Kino gesehen (und zwar mehrmals), aber meine alles überstrahlende Erinnerung an den Film überschneidet sich mit seiner Veröffentlichung auf VHS-Kassette im Jahr 1998. Woolworth hatte damals ein tolles Angebot: Beim Kauf einer VHS-Kassette gab es ein Andenken mit dem Spice Girl seiner Wahl darauf umsonst dazu. Als meine Mutter mit meinen Schwestern und mir einkaufen ging, haben wir uns den ganzen Weg zum Kaufhaus darüber gestritten, welches Spice Girl unsere Gratis-Filmdose zieren sollte. Wir konnten uns einfach nicht einigen: Ich wollte die Mel-C-Dose, aber meine Schwestern wollten Geri.

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Die Stimmung war angespannt. Ich hasste meine Schwestern bereits deswegen, weil sie beide mit je zwei Augenbrauen gesegnet waren, während mein Gesicht eine buschige Monobraue schmückte (für mein 8-jähriges Ich war das eine riesige Ungerechtigkeit). Also heulte ich in der Videokassetten-Abteilung wie ein verletztes Tier, bis meine Mutter schließlich meinem Wunsch nachgab. Während der gesamten Fahrt zurück nach Hause hielt ich die Mel-C-Dose in meinen Händen und grinste dabei wölfisch aus dem Autofenster.

Wochen später, am 31. Mai 1998, hat die verräterische Geri all meine kindlichen Vermutungen bestätigt und die Band verlassen. Es war eine Tat, die das Ende meiner Kindheit bedeutete. Es gab die Zeit, bevor Geri ging – als alles gut war – und den Herzschmerz danach. Um aus einem weiteren Mel-C-Hit zu zitieren: Nichts würde mehr sein wie früher.

Foto: Ron Galella | Contributor

Die Zeit, in der Spiceworld gedreht wurde – von der Vorproduktion im Januar 1997 über den Kinostart im Dezember desselben Jahres bis hin zur Veröffentlichung der Videokassette im Mai 1998 – fasst perfekt den Höhepunkt des Erfolgs der Gruppe zusammen. Es war ein wahrlich euphorischer Moment der britischen Kulturgeschichte: Tony Blair war gerade zum Premierminister gewählt worden, die Wirtschaft boomte, britische Künstler beherrschten die Weltcharts. Damals, als es noch kein Social Media gab und der Irakkrieg noch nicht begonnen hatte, lag eine unbesorgte, sogar hoffnungsvolle Stimmung in der Luft. Der vergnügte, schrille Optimismus aus Spiceworld spiegelt genau diese Zeit wieder.

Angetrieben vom bahnbrechenden Erfolg der Girlgroup hatten Plattenbosse schon längere Zeit mit dem Gedanken gespielt, einen Spice-Girls-Film zu produzieren. "Wannabe" kam in Großbritannien bereits im Juli 1996 raus. Aber erst im Januar 1997, als der Song weltweit erhältlich war – und zu einer der meistverkauftesten Singles einer weiblichen Gruppe aller Zeiten wurde – , begann der Manager der Band, Simon Fuller, die Idee ernst zu nehmen.

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"Die Girls wurden damals in Hollywood umworben und Disney machte ihnen ein Filmangebot", erinnert sich Kim Fuller, Simons Bruder, der das Drehbuch zu Spiceworld geschrieben hat. (Jeder, den ich für diesen Artikel interviewt habe, hat sich mit dem Sammelbegriff "Girls" auf die Gruppe bezogen.) Der Band gefiel das Drehbuch von Disney allerdings nicht. "Es war ein bisschen zu Disney", erinnert sich Kim. "Es ging glaube ich darum, dass die Mutter einer der Girls noch sehr jung ist und diverse Hindernisse überwinden muss, um die Band zu gründen."

"Ich hatte Angst, dass mein erster Film gleichzeitig auch mein letzter sein würde."

Nachdem die Disney-Version abgelehnt worden war, bat Kim seinen Bruder, ein Drehbuch für den Film schreiben zu dürfen. "Ich habe ein sehr grobes Skript vorbereitet", erzählt er. "Dann ging alles sehr schnell: Ich habe im Januar mit dem Schreiben angefangen, wir haben den Film gedreht, bearbeitet, und im Dezember war er schon draußen."

Kims Drehbuch trug den Arbeitstitel Five und war von der Beatles-Musikkomödie A Hard Day’s Night inspiriert. "Ich dachte mir: 'Du kannst von den Girls nicht erwarten, dass sie jemand anderes spielen können, also lass sie einfach sich selbst spielen", sagt er. "Ich zeige einfach eine Woche aus ihrem Leben, die surreal und seltsam ist.'"

Das Skript des unerfahrenen Drehbuchautors war eine Mischung aus surrealistischem Humor, überdrehter Schauspielerei und Handlungslücken, die größer waren als Mel-Bs-Plateauschuhe (Warum ist im Bus eine Bombe? Was passiert mit Meat Loaf?). Die Sony-Chefs waren nicht gerade begeistert.

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"Wir haben das Drehbuch an Sony gegeben, und sie haben die Nebenhandlung der Geschichte innerhalb der Geschichte (mit George Wendt und Mark McKinney in der Rolle zweier Hollywood-Chefs, die absurde Handlungsideen für den Spice-Girls-Film vorschlagen) nicht verstanden", erinnert sich Kim. "Ich fragte sie also 'Warum nicht? Es geht hier um die Spice Girls. Wie realistisch soll so ein Film sein?'"


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Schlussendlich war es sowieso egal, ob Sony Probleme mit der Handlung hatte, schließlich hatte Kims Bruder die Band gegründet und die Girls mochten ihn.

Die Wochen der Vorproduktion waren die letzten Augenblicke der Ruhe, bevor die sogenannte "Spicemania" die ganze Welt erobern sollte. "Ich kannte die Spice Girls nicht", erinnert sich Spiceworld-Produzent Peter McAleese. "Als wir entschieden hatten, den Film zu drehen, standen sie kurz vor ihrem großen Durchbruch. Als der Film fertig war, waren sie ein internationales Phänomen und haben all unsere Erwartungen gesprengt. Darauf war niemand von uns vorbereitet."

Während des Drehs entwickelte der Bekanntheitsgrad der Spice Girls eine unaufhaltsame Eigendynamik. Weil die Gruppe immer berühmter wurde, überarbeitete Kim einige Stellen im Skript. So sollten Auftritte von anderen Stars eingeplant werden, die hofften, in dem Film mitspielen zu dürfen. "Der Film wurde immer größer, und alle wollten plötzlich mit dabei sein", erinnert er sich. "Dabei dachte ich ursprünglich, dass das ein richtiges Desaster wird. Ich hatte Angst, dass mein erster Film gleichzeitig auch mein letzter sein würde."

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Stattdessen musste er ständig Anrufe von Agenten entgegennehmen, die ihre Klienten im Drehbuch unterbringen wollten. Seine Skript-Leiterin, die die Kontinuität im Drehbuch verantwortete, war irgendwann so genervt, dass sie fast gekündigte hätte. Das ist durchaus nachvollziehbar: Gefühlt hat jeder, der in den späten 90ern berühmt war, einen Gastauftritt in Spiceworld – was das sowieso schon wacklige Drebuch in eine wirre Aneinanderreihung aus Star-Gastauftritten verwandelt. Das wird spätestens in der Szene schmerzhaft klar, in der Bob Hoskins als Ginger Spice verkleidet durchs Bild spaziert.

Trotzdem macht der Film viel Spaß, allem voran Roger Moores wunderbar altmodische Cameo als "Chef", der rätselhafte Boss des Plattenlabels der Girls. Dabei hätte es die Szene fast nicht in den Film geschafft, in der Moore philosophische Weisheiten zitiert, während er wie der typische Bond-Bösewicht ein Kaninchen streichelt.

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"Ich hatte diese lächerlichen Sinnsprüche für ihn geschrieben, fand sie dann aber doch zu blöd und habe die Stelle gestrichen", erinnert sich Kim. "Als ich ans Set kam, hatte Moore die betreffende Stelle allerdings bereits auswendig gelernt. Also haben wir sie wieder reingenommen." Ein weiterer Punkt, der die Kontinuitätsbeauftragte zur Weißglut brachte.

Von all den Star-Gastauftritten in Spiceworld, macht der von Meat Loaf (der im Film den Tourbus der Spice Girls fährt) am meisten Sinn. Und ist übrigens auch für den vielleicht besten Gag des Films verantwortlich: Mel B steigt die Treppen des Spice-Busses hinunter, um sich bei Meat Loaf darüber zu beschweren, dass die Toilette verstopft ist und bittet ihn, das Problem zu beheben. Woraufhin er antwortet "Ich mache alles für euch, aber das nicht!" – eine Anspielung auf seinen Welthit "I'd Do Anything for Love".

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Ich habe mehrmals versucht, Kontakt mit Meat Loaf aufzunehmen, um ihm eine wichtige Frage zu stellen, die mich bereits quält, seit ich den Film das erste Mal gesehen habe: Wie und warum hat Meat Loaf zugelassen, dass jemand eine Bombe im Spice-Bus deponiert? Leider bekam ich weder von seinen noch von Alan Cummings Managern eine Antwort, sodass ich schließlich dazu gezwungen war, Kim zu fragen. "Das ist wahrscheinlich eine der Unstimmigkeiten im Film", räumt er freundlich ein. "Es sollte einer dieser surrealen Momente sein. Ich dachte, lasst uns einfach eine Bombe im Bus deponieren."

"Zwei besonders einfallsreiche Paparazzi hatten sich als Kuh verkleidet."

Neben den unendlich vielen Skript-Überarbeitungen gab es für die Filmcrew eine weitere große Herausforderung: die extreme Neugierde der Presse während der achtwöchigen Dreharbeiten. Schauspielerin Naoko Mori, die Nicola (die beste Freundin der Spice Girls und im Grunde das sechste Bandmitglied) gespielt hatte, wurde kurzzeitig zum Lieblingsthema der Presse.

"Es gab einen Zeitungsartikel über mich, in dem man mich 'Rice Spice' nannte", erinnert sich Mori. "Das war schon leicht rassistisch, aber auch ziemlich lustig."

Paparazzi und kreischende Fans haben an vielen Drehtagen die Sets belagert – wie beispielsweise bei der Szene, in der Nicola im Londoner Club Ministry of Sound plötzlich ihre Wehen bekommt. "Dieser Tag war total verrückt", beschreibt Mori. "Es waren viele andere Stars am Set dabei und draußen waren überall unglaublich viele Paparazzi, Presseleute und Fans. Da wurde mir wirklich klar, wie bekannt und beliebt die Spice Girls wirklich waren. Und mittendrin ich – ein Niemand. Ich sage sogar im Film: 'Ich bin ein Niemand!'"

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Die Paparazzi vom Set fernzuhalten wurde für das Produktionsteam von Spiceworld zur wahren Sisyphusarbeit – vor allem, als die Presse kreativ wurde. "Zwei besonders einfallsreiche Paparazzi hatten sich als Kuh verkleidet", erzählt McAleese und lacht. "Sie haben sich in einem echten Feld voller echter Kühe versteckt, ein Kameraobjektiv ragte aus dem Hinterteil der Kuh. Dadurch wollten sie Fotos von den Girls schießen, als sie auf dem Weg zum Set waren." Doch trotz ihrer Anstrengungen haben die beiden kein Foto bekommen – ihre Ca-Muhh-flage hat nicht funktioniert. "Ein wachsamer Security-Mitarbeiter bemerkte die beiden und sie wurden sofort vom Set geführt", so McAleese weiter. "Die Idee war aber total genial."

Ein Werbeposter für Spiceworld | Foto mit freundlicher Genehmigung von Sony Pictures

Trotz der Tatsache, dass in Spiceworld eine der damals größten Bands aller Zeiten auf dem Höhepunkt ihrer Karriere mitgespielt hat, hat der Film nur bescheidene 5,5 Millionen US-Dollar gekostet (weltweit hat der Film über 100 Millionen US-Dollar eingespielt). Deswegen ist der Film auch nicht allzu gut gealtert – oder wird wie ein guter Wein mit den Jahren immer besser. Je nachdem, wie ihr zu Kultfilmen steht.

"Wir haben versucht, den Film so gut wie möglich zu machen, aber wir waren durch die damals verfügbaren Ressourcen und den Zeitdruck eingeschränkt", erklärt McAleese. "Das Budget war mit 4 Millionen Pfund sehr knapp, auch damals schon. Die Vorproduktion und die Drehzeit waren stark komprimiert."

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Vielleicht überrascht es euch nicht, dass niemand mit dem Erfolg von Spiceworld gerechnet hat; die Spice Girls wurden systematisch von Plattenlabel-Chefs unterschätzt, die nur Augen für die nächste große Band mit einem Frontmann hatten. "Hätten wir geahnt, dass es ein so großer Erfolg werden würde, hätten wir bei der Produktion ein bisschen großzügiger geplant", sagt McAleese. "Es gab Sequenzen, die wir über Bord werfen mussten, weil sie einfach zu teuer gewesen wären."

Neben den Budget-Engpässen regierte am Set das pure Chaos. "Ging man in den Wohnwagen, liefen dort immer fünf Föhne", erinnert sich Kim. "Ich stehe also mit den Seiten für den Tag in meiner Hand da, und versuche, die Aufmerksamkeit der Spice Girls zu gewinnen. Und Mel B ruft: 'Ich will diese Zeile nicht, die ist nicht lustig. Ich will lieber die hier.'" Alle Beteiligten, mit denen ich mich über den Film unterhalten habe, haben ausnahmslos von dem Engagement der Spice Girls geschwärmt. "Es war fantastisch, mit ihnen zusammenzuarbeiten", sagt Mori. "Sie waren sehr bodenständig. Wir hatten unglaublich viel Spaß."

"Ich bin sehr stolz darauf. Wenn mich Leute danach fragen, was ich mache, erzähle ich als allererstes von diesem Film."

Laut Clive Tickner, dem Kameramann von Spiceworld, herrschte nicht nur eitel Sonnenschein am Set. Insbesondere Regisseur Bob Spiers soll Probleme mit seinem ersten Spielfilm gehabt haben.

"Es machte ihn nervös, die Verantwortung für einen Film zu tragen", erinnert sich Tickner. "Man konnte ihm zu keiner Tageszeit zu nahe kommen, denn er hatte immer eine starke Alkoholfahne und war sehr leicht reizbar. Und das hat seine Entscheidungen natürlich auch beeinflusst." Laut Tickner sollen während des Drehs sechs Kameraoperateure gekündigt haben, weil sie einfach nicht mit Spiers klargekommen wären. Seiner Meinung nach ist die veraltete Ästhetik Spiers' Unentschiedenheit als Regisseur geschuldet. (Spiers ist 2008 verstorben, wir konnten deswegen kein Statement von ihm einholen.)

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Trotzdem gibt es auch Augenblicke vom Dreh, an die sich Tickner gerne erinnert. Ohne ihn gäbe es die ikonische Alien-Invasion-Szene nicht. "Niemand hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie das Raumschiff aussehen sollte", erklärt er. "Hier brauchten wir ganz klar eine Requisite. Ein Alien sollte in dem Raumschiff landen. Aber niemand hatte den Szenenbildnern Bescheid gesagt, dass wir ein Raumschiff brauchen."

Tickner improvisierte also, und bat eine Beleuchtungsfirma, mit der er regelmäßig zusammenarbeitete, um einen Gefallen. "Sie hatten eine Art Trapez, an dem die Lichter für Bühnen befestigt wurden", erinnert er sich. "Wir haben also mehrere Nebelmaschinen drangehängt. Das Ganze war durch die vielen Kabel so schwer, dass wir zwei Kräne gebraucht haben, um es anzuheben." Am Tag des Drehs dieser Szene fragte Spiers die Crew nach dem Raumschiff. "'Ich habe da zufällig etwas!', habe ich ihm geantwortet", erzählt Tickner und lacht. "Mir gefällt diese Szene. Es wirkt ziemlich dramatisch, wie der Lichtkreis plötzlich über den Bäumen auftaucht."


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Nicht alle teilen Tickners Ansichten über die Zusammenarbeit mit Spiers – fast alle, mit denen ich für diesen Artikel gesprochen habe, haben seinen Stil als unbeholfen aber freundlich beschrieben. McAleese hat zwar einige von Tickners Behauptungen bestätigt, blieb aber eher zurückhaltend. "Es war eine Lernkurve für Bob, der an sich keine Erfahrungen mit Spielfilmen hatte. Es war ein Genre, das anders als das war, was er bisher gemacht hatte. Aber es ist uns gelungen, ein Team zu bilden, das ihn unterstützt hat."

Neben den Streitigkeiten war Spiceworld ein Film, der jungen Mädchen etwas über Freundschaft, Solidarität und Girl Power beigebracht hat. Und das lange, bevor Feminismus "angesagt" wurde.

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"Er spricht eine ganze Generation von Frauen an, die ihn lieben", sagt Kim. "Ich bin sehr stolz darauf. Wenn mich Leute danach fragen, was ich mache, erzähle ich als allererstes von diesem Film." Andrea Macarthur ist an die Reaktionen junger Frauen gewöhnt, wenn sie erzählt, dass sie den Film geschnitten hat. "Zwanzig Jahre später ist er bei Frauen, die Anfang, Mitte Dreißig sind, sehr beliebt. Wenn sie herausfinden, dass ich ihn geschnitten habe, ist die Reaktion meist: 'Oh mein Gott! Ich glaub’s nicht.'"

"Der Film besteht in so gut wie jeder Szene den Bechdel-Test. Es wird fast gar nicht über Männer gesprochen."

Auch Mori erinnert sich daran, wie groß die Bewegung um die neuentdeckte war. "Es war wie ein Wirbelsturm. Ich erinnere mich an all die tausenden kreischenden Mädchen bei der Premiere. So etwas hatte ich noch nie erlebt – diese große Bewunderung, die die Leute damals für sie empfunden haben."

Und Spiceworld ist ganz klar auch ein feministischer Film. Das ist interessanterweise größtenteils Kim zu verdanken. "Ich bin auf Demos für Frauenrechte gegangen", sagt Kim, "ich habe mir also immer vor Augen gehalten, dass ich sie im Skript nicht schlecht- oder klein reden will." Witze darüber, dass sie "nur" eine Popgruppe seien, die die Leute eben unterhält, hielt er für unangemessen.

"Wie heißt nochmal dieser Test, den man für Frauen macht, in Filmen?", fragt er mich plötzlich.

"Der Bechdel-Test.", antworte ich.

"Genau. Der Film besteht in so gut wie jeder Szene den Bechdel-Test. Es wird fast gar nicht über Männer gesprochen."

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Ich persönlich liebe Spiceworld nicht trotz seiner schrecklichen Outfits und den noch schlechteren schauspielerischen Leistungen, sondern gerade deswegen. Der Film hat etwas Unschuldiges an sich, das über die perfekte Welt der Pop-Stars von heute hinausgeht. Es ist unmöglich, sich eine Filmbiographie über beispielsweise One Direction vorzustellen, in der es eine Szene mit einer Alien-Invasion gibt.

Paparazzi, die aus dem Hinterteil eines Kuh-Kostüms Fotos machen können und (angeblich) betrunkene Regisseure beiseite: Spiceworld ist ein echter Erfolg. Es ist ein wunderbar amateurhafter Tanz durch eine verrückte Zeit der britischen Kulturgeschichte, als die ganze Welt fünf ansonsten unscheinbare englische Frauen vergöttert hat. Für Frauen wie mich, die sich den Film immer und immer wieder reingezogen haben, ist Spiceworld unser kultureller Ankerpunkt – und wir werden diese guten Erinnerungen niemals aufgeben.

Ach ja und Meat Loaf, falls du das hier liest: Melde dich. Ich will immer noch mit dir reden.

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