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Feminisme

Bromances sind für viele Männer der einzige Weg, sich ihre Liebe zu zeigen

Während Frauenfreundschaften meistens kein Problem mit körperlicher und emotionaler Nähe haben, fürchten viele Männer homophobe Äußerungen, wenn sie sich untereinander "zu nahe" kommen. Warum eigentlich?
Photo via Bloomberg/ Getty Images

Kurz vor Ende seiner Amtszeit überraschte Präsident Obama den sichtlich gerührten Joe Biden mit einer Freiheitsmedaille des Präsidenten. Es war der Höhepunkt der schönsten politischen Bromance, die die Öffentlichkeit jemals miterleben durfte. Selbst Obama machte während der Zeremonie immer wieder Scherze darüber, dass er "dem Internet hiermit eine letzte Gelegenheit gibt, um über unsere 'Bromance' zu sprechen".

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Doch was ist eine Bromance überhaupt, abgesehen von einer offenbar sehr innigen Beziehung zwischen zwei heterosexuellen Männern? Im Rahmen einer neuen Studie, die Anfang Mai in Sex Roles erschien, haben Forscher der University of Winchester versucht, die Charakteristiken und die Bedeutung dieser besonderen Form des zwischenmenschlichen Miteinanders näher zu betrachten.

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Im Rahmen der Studie haben die Forscher 30 männliche Sportstudenten befragt, die sich ausnahmslos als ausschließlich oder vorwiegend heterosexuell identifizierten. Sie wurden gebeten, eine Reihe von Fragen zu beantworten, um den Begriff "Bromance" genauer zu definieren und ein besseres Verständnis über diese Form der gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu schaffen. Auf diese Weise versuchten die Forscher festzustellen, durch welche charakteristischen Verhaltensweisen sich eine Bromance auszeichnet. Im Fokus ihrer Untersuchung standen also vielmehr die persönlichen Erfahrungen der Probanden, als das, was uns Memes über diese Form der Männerfreundschaft vermitteln.

Alle 30 Teilnehmer gaben an, eine Bromance zu führen oder in der Vergangenheit schon mal erlebt zu haben. Tatsächlich hatten einige von ihnen sogar mehrere Bromance-Beziehungen. Im Rahmen der Untersuchung merkten die Probanden zudem an, dass sich eine Bromance ganz wesentlich von einer normalen Freundschaft unterscheidet. "Es gibt Menschen, denen man sehr nahesteht und mit denen man sich super versteht, aber eine Bromance ist noch inniger. In einer Bromance kann man über einfach alles sprechen – mit Freunden geht das nicht", erklärte einer der Probanden.

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Wir werden auch immer wieder als altes Ehepaar bezeichnet.

Während einige ihren Bro als eine Art wortwörtlichen Bruder sahen, verglichen andere ihre Bromance mit einer romantischen Beziehung. "Letztendlich führen wir so etwas wie eine Beziehung", sagte der Teilnehmer Bruce über die Verbindung zwischen sich und seinem besten Freund. „Wir werden auch immer wieder als altes Ehepaar bezeichnet."

Neben vielen rührenden Anekdoten echter Männerfreundschaften gingen aus den Befragungen allerdings auch einige Charakteristiken hervor, nach denen eine Bromance beschrieben werden kann. Allem voran betonten die Probanden, dass die Partner einer Bromance gemeinsame Interessen verbinde, beispielsweise gemeinsam dieselbe Sportart auszuüben. Ein Rugby-Spieler bezeichnete viele seiner Beziehungen zu Mannschaftskollegen als Bromances: "Ich habe noch nie so viele Gemächte an einem Ort gesehen. Man geht einfach viel offener miteinander um."

Die Fähigkeit, sich vor einem anderen Mann emotional verwundbar zu zeigen, scheint ein elementarer Punkt zu sein. "Es geht nicht nur darum, seine Zuneigung innerhalb der Bromance zum Ausdruck bringen zu können", schreiben die Autoren der Studie, "es geht auch um die Reaktion, die man infolge einer solchen Offenbarung zu erwarten hat. All unsere Probanden waren innerhalb ihrer Bromances in der Lage, sich von ihrer verwundbaren Seite zu zeigen und ihr innerstes Gefühlsleben zum Ausdruck zu bringen, ohne verspottet zu werden."

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Ein weiterer Aspekt, den die Teilnehmer erwähnten, war die körperliche Nähe. "Ich verstehe unter [einer Bromance] auch, dass man einen Kumpel hat, von dem man in den Arm genommen wird", sagte Patrick, ein weiterer Teilnehmer. Auch sich zu küssen, ein Bett zu teilen und voreinander nackt zu sein, waren weitere körperlich intime Aspekte, über die die Probanden im Rahmen der Untersuchung sprachen.

"Besonders auffallend war, dass die Männer alle sagten, dass sie in einer Bromance keine Angst hatten, verurteilt zu werden – auch wenn ihre Aussagen vermutlich sehr idealisiert waren", schreiben die Autoren. "Das erlaubt ihnen wiederum, die kulturellen Grenzen des traditionellen Verständnisses von Männlichkeit zu überwinden und sich an intimeren, expressiveren Verhaltensweisen zu beteiligen als in anderen Männerfreundschaften."

Infolgedessen, schrieb der führende Autor Stefan Robinson in einem Statement, zeigen diese Beziehungen, dass die Männer "ein progressives Verständnis von Zuneigung haben, die auch ohne das Bedürfnis oder den Wunsch, miteinander zu schlafen, zwischen zwei Menschen existieren kann."

Männlichkeit ist kein lähmender Fluch mehr, der Männer dazu zwingt, sich an negativen Verhaltensweisen zu beteiligen.

Dinge, die also beispielsweise in vielen Frauenfreundschaften selbstverständlich sind, scheinen also auch heterosexuellen Männern ein echtes Bedürfnis zu sein. Sie trauen sich oft nur einfach nicht, diese Wünsche auszuleben.

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Die Studie merkt an, dass Bromances zwar "eine verbesserte Liberalität von zeitgenössischer Männlichkeit darstellen, aber ingesamt keinen geschlechtsübergreifenden Beziehungen zugute kommen". Gleichzeitig könnten sie aber "auch die Lust der Männer nach Interaktionen mit Frauen mindern und die Exklusivität von männlichen Freundschaften verstärken."

Adam White, Doktorand an der University of Winchester und einer der Autoren der Studie, sieht trotzdem viel positives in dieser besonders intensiven Art der Männerfreundschaft. Laut ihm könnten Bromances nicht nur Homophobie, sondern auch frauenfeindliche und sexistische Vorfälle eindämmen.

"Die heterosexuelle Zwangsjacke der Männlichkeit hat Männer derweil immer davon abgehalten, innige und expressive gleichgeschlechtliche Beziehungen zu führen", erklärt er gegenüber Broadly.

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"Wir wissen, dass es unter Männern eine hohe Selbstmordrate gibt und die emotionale Einschränkung von Männern vermutlich zu den Risikofaktoren gehört, mit denen diese hohen Zahlen erklärt werden könnten. Umso wichtiger ist es, Geschichten und Berichte junger Männern zu sammeln, um sie besser zu verstehen. Bromances, also eine innige, solidarische und emotional offene Form der Freundschaft, könnten dabei helfen, die Probleme zu reduzieren, denen sich viele Männer ausgesetzt sehen."

Wichtig ist, dass wir uns bewusst werden, dass sich Geschlechterrollen verändern, sagt White.

"Männlichkeit ist kein lähmender Fluch mehr, der Männer dazu zwingt, sich an negativen Verhaltensweisen zu beteiligen. Stattdessen können sie auch sehr emotionale, körperliche und liebevolle Freundschaften zu anderen Männern pflegen – und das kann letztendlich nur positiv sein."

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