Johnny Knoxville hat sich für seinen neuen Film mal wieder total zerstört
Johnny Knoxville und Eric Manaka in Action Point | Foto: Coco Van Oppens © 2018 Paramount Pictures | Alle Rechte vorbehalten
Popkultur

Johnny Knoxville hat sich für seinen neuen Film mal wieder total zerstört

"Dabei ist mein linkes Auge aus seiner Höhle gepoppt."
24.3.18

Es ist schon cool, mit einem absoluten Helden seiner Jugend zu telefonieren. Aber dann erzählt Johnny Knoxville davon, wie ihm beim Dreh seines neuen Films Action Point der Augapfel rausgepoppt ist. "Die Frauen von der Maske, zwei von ihnen, haben angefangen zu weinen", sagt er lachend. "Ich meinte nur: 'Es ist OK. Es wird wieder gut!' Ich war schon so oft in der Notaufnahme. Ich glaube, die waren von meinen ganzen Krankenhausbesuchen schon alle genervt."

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Knoxville ist 47, er spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch am Drehbuch für den stuntlastigen Spielfilm mitgeschrieben. Darin ist Knoxville der Betreiber eines gefährlichen und furchtbar schlecht organisierten Vergnügungsparks, in dem vor allem seine wenig zimperlichen Kumpels abhängen, die von echten Stuntprofis und Jackass-Kollege Chris Pontius gespielt werden. Wie Knoxville es formuliert, gab es bei den Dreharbeiten "kein Polster und keine Schnitte bei der Action". Vielleicht auch deswegen erlitt Knoxville Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche, besagte Luxatio Bulbi und vieles mehr.

Hier kannst du dir den ersten Trailer für Action Point anschauen. Außerdem haben wir mit Knoxville über seinen Film und die Dreharbeiten gesprochen.

VICE: Wo bist du gerade?
Johnny Knoxville: In meinem Büro in Los Angeles.

Du hast ein Büro? Wie sieht das aus?
Gerade ziemlich chaotisch An der einen Wand hängt ein Bild von Evel Knievel in seinem Bett, der halbnackt eine Pistole lädt. Neben ihm auf dem Kissen liegen sein Gehstock, eine Uhr und Geld. Ich glaube, das wurde aufgenommen, als er in England war. Hinter mir hängt ein Bild von Hunter S. Thompson, der am Pressetisch eingepennt ist. Außerdem steht hier ein Koffer, auf dem "Poon" steht.

Was hattest du zum Frühstück?
Keine Ahnung, irgendwas mit Eiern und Kartoffeln. Ich lasse mir Mahlzeiten liefern, damit ich nicht darüber nachdenken muss. Ich esse dann einfach das, was vor mir steht.

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Praktisch.
Ich muss jeden Tag so viele Entscheidungen treffen, also reduziere ich, wo ich kann. Deswegen habe ich nur ein Paar Schuhe, zwei Paar Hosen, eine Sorte Socken und eine Sorte Unterhosen. Dann muss ich mir immerhin darüber keine Gedanken mehr machen.


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Was steht für heute auf dem Plan?
Ich muss noch ein paar Sachen für den Action Point-Trailer machen, der heute erscheint. Außerdem recherchiere ich momentan über den umstrittenen Countrysänger David Allan Coe, weil wir überlegen, mit Julien Nitzberg eine Dokumentation über ihn zu machen. Mit Nitzberg habe ich schon The Wild and Wonderful Whites of West Virginia gemacht. Ich lese gerade Coes Autobiografie und noch ein paar andere Bücher.

Was kannst du mir über Action Point sagen? Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Mein Geschäftspartner Derek Freda hat mir die Dokumentation Action Park geschickt. Das war ein großartiger Vergnügungspark in New Jersey. Der Besitzer hatte das Motto: "Lass uns die Kids nicht mit einem Haufen Regeln nerven. Lass sie selbst für ihre Sicherheit sorgen!" Und das hat er getan. Und Leute haben sich fies verletzt. Das hat uns inspiriert, einen Film über einen gefährlichen Vergnügungspark zu machen. Die Story ist aber stark von unseren Erfahrungen mit Jackass beeinflusst.

Ich habe mir die schmerzhaftesten Stunts überlegt, die ich mir vorstellen konnte. Daraus haben wir einen Film gemacht. Und, Junge, musste ich dafür leiden: Ich habe mich dabei mehr verletzt als bei jedem Jackass-Film. Alle Stunts waren echt. Ich meinte zu der Stunt-Crew: "Wir machen die richtig. Also keine Polster und keine Schnitte bei der Action." Die haben sich total gefreut. Sonst dürfen die so was nämlich nie machen. Die Stimmung am Set war richtig gut.

Eleanor Worthington Cox und Johnny Knoxville in Action Point | Foto: Coco Van Oppens © 2018 Paramount Pictures | Alle Rechte vorbehalten

Warum unbedingt echte Stunts und keine Filmtricks?
Filmtricks finde ich uninteressant. Ich finde es viel aufregender, die eigenen Stunts machen zu können. In den Filmen, die ich selbst produziere, kann ich meine eigenen Stunts machen. Wenn ich in anderen Filmen mitspiele, haben sie ein Stunt-Double für mich – was ich immer noch nicht verstehe. Hier konnte ich machen, was ich wollte. Es ist dann vielleicht ein bisschen eskaliert.

Was war die schlimmste Verletzung?
Puh, ich weiß nicht. Ich hatte vier Gehirnerschütterungen, eine gebrochene Hand, einen kaputten Meniskus, ein Schleudertrauma … Das Schlimmste war vielleicht, als ich nach einer heftigen Gehirnerschütterung aus der Notaufnahme kam. Ich hatte ein bisschen Blut in meiner Nase, also habe ich sie mir geputzt. Dabei ist mein linkes Auge aus seiner Höhle gepoppt. Ich rief den Produzenten an und meinte: "Du musst mich wieder einsammeln, mir ist gerade mein linkes Auge aus dem Schädel gefallen." Er hat nur gelacht. Ich sagte dann aber: "Ich meine das ernst." Ich musste sofort wieder in die Notaufnahme.

Was zur Hölle?
Ich hatte mir, ohne es zu wissen, die Augenhöhlenplatte gebrochen. OK, gebrochen habe ich sie eigentlich nicht. Die Ärzte meinten, dass sie beim Aufprall einfach verschwunden sei. Als ich mir die Nase geputzt habe, habe ich dann Luft hinter mein Auge und es damit aus der Höhle gedrückt. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Das ist dir wahrscheinlich noch nie passiert, oder?
Noch nie. Das ist auch das Letzte, woran du denkst. Die Ärzte haben dann gesagt: "OK, vielleicht brauchen Sie eine Operation, das wissen wir noch nicht. Aber, was auch immer Sie tun, Sie dürfen die nächsten sechs Wochen nicht niesen." Und dabei ich habe wirklich heftige Allergien. Eine Woche später ist es dann auch wieder rausgepoppt! Ich war gerade mit Chris Pontius unterwegs und der hat irgendwas Lustiges gesagt. Aus irgendeinem Grund habe ich meine Finger über meine Nase gehalten, gelacht und geschnaubt und dann ist das Auge wieder rausgepoppt. Ich habe es dann selbst wieder reingepoppt. Es war nicht so schlimm wie beim ersten Mal, aber trotzdem …

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Wird dein Sehfeld dann nicht total komisch, wenn das passiert?
Ja, doch. Eine Zeit lang habe ich doppelt gesehen, aber das hat sich von selbst wieder korrigiert. Wir hatten aber noch zwei, drei Drehtage über und da konnten sie mein Gesicht nur von der rechten Seite filmen. Ich hatte dabei so eine alte Piratenklappe auf einem Auge. In einer Szene kannst du aber, wenn du wirklich genau hinschaust, kurz mein linkes Auge sehen. Und es sieht nicht schön aus.

Wie ist Chris Pontius im Film gelandet?
Ich habe ihn einfach gefragt. Ich habe seine Rolle extra für ihn geschrieben. Er ist so gut in dem Film. Zwischen den Takes hat er für die Maskenbildnerinnen und andere Crewmitglieder Speere gebaut. Das dürften mindestens 30 Speere gewesen sein. Ich glaube nicht, dass ihn irgendjemand explizit nach einem Speer gefragt hatte, aber das ist wohl seine Art, "Ich mag dich" zu sagen.

Sind auch andere Jackass-Kollegen im Film?
Nein, nur ich und Pontius. Aber der Geist von Jackass ist natürlich überall in dem Film zu spüren. Es ist, als hätten wir unseren eigenen Vergnügungspark – schlecht organisiert und gefährlich.

Warum verkleidest du dich eigentlich immer als Rentner?
Das ist einfach nur meine Figur in alt. Weil es schon Bad Grandpa gibt, mussten wir versuchen, ihn anders aIs Irving Zisman aussehen zu lassen. Durch die Beschaffenheit meines Gesichts, sind die Möglichkeiten allerdings begrenzt. In dem Film wollten wir einfach diese klassische Rückblicks-Narrative.

Schon mal daran gedacht, dass deine Rentnerverkleidung irgendetwas mit dem ständigen Austesten der Grenzen deiner eigenen Sterblichkeit hat?
Nein … Nein. Dafür brauche ich kein Make-up. Ein bisschen Schminke schadet aber natürlich nicht.

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Von all deinen Lieblingsstuntmännern, wer würde einen Kampf gewinnen?
Wow, keine Ahnung. Jackie Chan? Ich weiß nicht, ob Buster Keaton ein großer Kämpfer war, aber er war ein unglaublicher Stuntman. Er ist Jackie Chans Idol. Stallone konnte kämpfen. Schwarzenegger hat bestimmt auch was drauf. Ich bin aber eine absolute Niete im Kämpfen. Ich habe absolut keine Ahnung davon.

Wie lang hast du an dem Film gearbeitet?
Sehr lang. Drei Jahre etwa. Vielleicht dreieinhalb. Sechs Monate Dreh, sechs Monate Schnitt und den Rest der Zeit für das Drehbuch.

Was war daran am schwierigsten?
Der Ton und die Story mussten passen. Und dann musste es auch einfach in sich funktionieren. Es ist der erste Spielfilm, an dem ich je geschrieben habe. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um das hinzubekommen.

Würdest du es wieder tun?
Ja, ich fühle mich jetzt sicherer. Es gab viele Monate, in denen ich einfach zu viel Schiss hatte, um mich überhaupt dran zu setzen. Dann habe ich endlich gesagt: "Fuck, ich muss was tun." Es ist schon witzig, vor was man manchmal Angst hat.

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