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Das sind die sechs besten HipHop-Dokus auf Netflix

The Defiant Ones, HipHop Evolution, Rubble Kings … Wir haben uns die besten Netflix-Dokus über die Entstehung und den Aufstieg von HipHop und Rap reingezogen und bewertet.

von Tamara Güclü
29 März 2018, 2:04pm

Foto: Netflix

So viel Rap auf Netflix. Aber gut, keine andere Musikrichtung beherrscht heute die Jugendkultur so wie HipHop. Rapper bekommen Vogue-Stories, dominieren die Charts und verkaufen das Wembley-Stadion aus. Entsprechend hoch ist die Nachfrage, mehr über die Künstler und ihre Geschichten zu erfahren. Und das geht bei der Generation Streaming-Dienste natürlich am besten mit Dokus. Zuletzt erschien am 23. März mit The Defiant Ones die mit einem Grammy ausgezeichnete Dokumentation über die beiden Musik-Titanen Dr. Dre und Jimmy Iovine. In vier einstündigen Folgen nehmen uns die beiden Langzeit-Business-Partner und Freunde mit auf ihre Reise durch die Musikindustrie der letzten 30 Jahre. Faszinierend, lehrreich und vor allem: extrem süchtig machend. Wir haben The Defiant Ones zum Anlass genommen, uns mal die spannendsten und besten Dokumentationen über HipHop und Rap auf Netflix für euch reinzuziehen und zu bewerten.

The Defiant Ones

Die Bezeichnung "legendär" wird heute gerne benutzt. Vor allem im Zusammenhang mit Ikonen der Musikgeschichte fällt dieses Wort häufig. Auf die im März erschienene Doku über die Musikproduzenten und Labelgründer Dr. Dre und Jimmy Iovine trifft diese Bezeichnung zu 150 Prozent zu. Vier Folgen lang reiht sich ein Gänsehaut-Moment der Musikgeschichte an den nächsten. The Defiant Ones beschreibt die Anfänge und den Werdegang der beiden Männer aus Kalifornien und New York. Man erfährt, wann und wie sich ihre Wege gekreuzt haben und wie ihr immenser Einfluss auf die Musikwelt entstanden ist. Von Dres Zeiten in Compton als Gründungsmitglied von N.W.A. über den Beginn seiner Solokarriere mit The Chronic bis zu seinen Ziehkindern von Snopp bis Kendrick Lamar– alles wird aufgearbeitet. Und alle, wirklich alle, kommen zu Wort. Dank der großartigen Regie von Menace II Society-Regisseur Allen Hughes gelingt es der Doku gekonnt, Dres Leben mit Jimmy Iovines zu verflechten. Durch Iovines bewegten Lebenslauf gibt es tiefe Einblicke in die Historie des Rock’n’Roll. Etliche Weggefährten wie Patti Smith, Bono oder Bruce Springsteen erzählen ihren Teil der Jimmy-Geschichte. Auch die Geschäftsseite von Musik wird spielerisch beleuchtet – bis hin zum bislang größten Coup der beiden ungleichen Männer: der Fusion von Beats by Dre mit Apple. The Defiant Ones ist die bislang eindrucksvollste und optisch aufwendigste Chronik über die Musikbranche und zweier Ikonen, die sie maßgeblich mitgeprägt haben.

Wertung: Viel Pathos, schnelle Schnitte, Infotainment auf Höchstlevel – 10 von 10

HipHop Evolution

Die Anfänge des HipHop in den USA der 70er und seine Entwicklung bis hin zur Gangster-Ära der 90er – all das deckt die historische Dokumentation HipHop Evolution aus dem Jahr 2016 ab. Ausgehend vom Epizentrum der Kultur, New York City, beschreibt sie die Entstehung der verschiedenen HipHop-Disziplinen. Von der Kunst des Auflegens und der Live-Performance geht es bis hin zur Westcoast-Eastcoast-Feindschaft. MCs, DJs und andere Größen der Zeit wie Ice T, Ice Cube, Kurtis Blow, LL Cool J und Russell Simmons kommen zu Wort.

Wertung: Tolle, historische Szenen, spannende Zeitzeugen-Berichte, mega Soundtrack – 9/10

The Rapture

The Rapture skizziert die heutige Macht des Genres am Beispiel aktueller Protagonisten wie Logic, G-Eazy, 2 Chainz, A Boogie wit da Hoodie sowie T.I. und gibt Ausblicke in die Zukunft von Rap. Dabei spielt vor allem der Live-Charakter von HipHop-Konzerten in der Doku eine große Rolle. Darüber hinaus wird auf die Entstehungsgeschichte von Rap zurückgeblickt. Nas und – HURRA, endlich mal eine Frau – Rapsody sprechen über ihre langjährigen Erfahrungen im Musikgeschäft und über die Freiheit, die sie heute dank des riesigen Erfolgs und der Vielfalt des Genres genießen können. Kleiner Wermutstropfen: Die achtteilige Doku erscheint erst am 30. März offiziell auf Netflix.

Wertung: Wird sich zeigen, sobald alle Folgen draußen sind.

Rubble Kings

Lange bevor Rapper wie Tupac und Biggie sich hassten und bekriegten, gab es einen anderen Kriegsschauplatz. Im New York Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre dominierten blutige Gang-Kämpfe das Straßenbild. Rubble Kings porträtiert diese Zeit der Rivalitäten und unerbittlichen Auseinandersetzungen zwischen Gangs aus der Bronx oder Harlem. Doch wie konnte aus einem Kriegsschauplatz die Wiege eines Genres und einer ganzen Jugendkultur entstehen? Die Antwort liefert die einstündige Doku eindrucksvoll bebildert und dank fast vergessener Helden dieser schwierigen, harten Ära. Deren Credo war: "Am Ende ist es wichtiger, sich am DJ-Pult oder auf dem Dancefloor zu battlen, statt sich durch Blutvergießen zu beweisen." Und es hat funktioniert – zumindest bis zum Krieg der Küsten in den 90ern.

Wertung: Krasses Bildmaterial von damaligen Straßenkämpfen, der Gangkultur und ihrer beinahe in Vergessenheit geratenen Protagonisten – 8 von 10.

Reincarnated

Reincarnated ist eine VICE-Doku aus dem Jahr 2012, die die spirituelle Selbstfindung des legendären Westcoast-Rappers Snoop Dogg und seine musikalische Wiedergeburt als Snoop Lion beschreibt. Sein Weg führt ihn von Kalifornien nach Jamaika, wo der damals 41-Jährige sich menschlich und musikalisch neu erfinden will. (Gangsta-)Rap und das Umfeld, in dem sich die Musik abspielt, hat zu diesem Zeitpunkt schon zu vielen Menschen in Snoops Welt das Leben gekostet. Seine Begeisterung für das Genre und das Schreiben von Rap-Texten ist quasi erloschen. Also macht er sich zusammen mit Major Lazer-Mitglied und Produzent Diplo auf, seinem Leben ein neues Kapitel zu schenken. Auf der Insel werden die beiden herzlich willkommen geheißen und Snoop taucht tief in die Welt der Rastafaris ein. Am Ende entsteht nicht nur ein ganz neuer Sound samt Platte, sondern auch ein neues Bewusstsein für sich und sein eigenes Leben.

Wertung: Ein bisschen viel Ganja lag wohl in der Luft – das vernebelt eventuell den realitätsnahen Blick von Snoop in der ein oder anderen Szene. Dennoch: unheimlich sympathischer Typ – 7 von 10.

Chris Brown: Welcome to my Life

Wer den Namen Chris Brown hört, denkt in der Regel nicht sofort an dessen Musik, sondern daran, dass er der Kerl ist, der Rihanna 2009 übel zugerichtet hat. Das Stigma des brutalen Schlägers haftet dem mittlerweile 28-jährigen Rapper und Sänger bis heute an – trotz zahlreicher Superhits und ausverkaufter Headlinershows. Aus der Motivation heraus, mit dem damals Geschehenen ein für alle mal aufzuräumen und seine gesamte Geschichte nahbar und ehrlich selbst zu erzählen, entstand 2017 die Chris Brown-Doku Welcome to my Life. Interview-Sequenzen mit dem von sich selbst enttäuschten Superstar werden vermischt mit O-Tönen seiner Mutter und Tante. Auch musikalische Wegbegleiter von Brown wie J.Lo, Rita Ora, Jamie Foxx, Usher, Mary J. Blige und DJ Khaled kommen zu Wort. Dazu werden alte O-Töne von Rihanna ins Off gelegt. Was den Struggle von Brown zwischen verhasstem Badboy und beliebtem Superstar besonders emotional macht, ist die Liebe zu seiner kleinen Tochter Royalty. Doch gerade ihr verdankt Brown seinen emotionalen Wiederaufstieg am meisten – wenn man dem Film glauben darf. Und natürlich seinen Fans, dem sogenannten Team Breezy, dem Brown in pathetischer US-Epos-Manier mit warmen Worten inklusive Erwähnung von Gott und Jesus huldigt.

Wertung: Ein bisschen viel Kitsch und Selbstüberhöhung, aber dafür auch ziemlich viel Realtalk. Für den Seelenstriptease verdient Browns Doku immerhin 7 von 10.

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Tamara bei Twitter: @tamutzki0711

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