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Studie untersucht, ob es vor uns schon intelligentes Leben auf der Erde gab

Ist die Menschheit tatsächlich die erste Zivilisation, die unseren Planeten bewohnt? Ein NASA-Forscher möchte mit dieser Frage die Suche nach Außerirdischen umkrempeln.

von Becky Ferreira
18 April 2018, 10:36am

Die Erde bei Nacht | Bild: imago | StockTrek Images 

Sind wir Menschen die einzige intelligente Lebensform in diesem Universum? Gibt oder gab es irgendwo da draußen Aliens? Kaum eine Frage beschäftigt Astronomen so sehr wie die Suche nach außerirdischem Leben: Das SETI-Institut forscht im All nach Radiowellen. Sonden entdecken flüssiges Wasser auf Nachbarplaneten. Teleskope nehmen Tausende Exoplaneten ins Visier. Milliarden von Euro fließen jedes Jahr in Forschungsprojekte, die immer tiefer ins All schauen.

Aber gibt es da nicht noch einen anderen Ort, an dem wir suchen sollten, bevor wir die entferntesten Ecken des Universums durchforsten? Ein NASA-Wissenschaftler schlägt jetzt vor, dass die Wissenschaft ihren Blick auch auf die Erde und ihre Frühgeschichte richtet. Schließlich ist die Erde der einzige Planet, von dem wir mit Sicherheit wissen, dass er eine entwickelte Lebensform beherbergen kann. Trotzdem haben sich bisher nur wenige Wissenschaftler mit der Möglichkeit beschäftigt, dass die Erde in den 4,5 Milliarden ihrer Geschichte mehr als eine industrielle Zivilisation hervorgebracht haben könnte.

"Diese Möglichkeit wurde bisher kaum untersucht", sagt der Klimatologe Gavin Schmidt gegenüber Motherboard. Schmidt ist der Leiter des Goddard Institute for Space Studies der NASA. Gemeinsam mit dem Astrophysiker Adam Frank von der University of Rochester hat er ein Paper mit dem Titel "The Silurian Hypothesis: Would it be possible to detect an industrial civilization in the geological record?" geschrieben.

Darin untersuchen die Forscher die Möglichkeit, anhand von geologischen Daten festzustellen, ob es schon einmal eine industrielle Zivilisation auf dem Planeten gab. Mit ihrer Hypothese spielen sie auf die fiktiven Silurianer an, eine reptilienartige humanoide Spezies aus der Science-Fiction-Serie Doctor Who. In der Serie herrschten die Echsenmenschen viele Millionen Jahre vor dem Menschen auf der Erde.

Ökologischer Fußabdruck könnte frühere Zivilisationen verraten

In ihrem Paper, das sie am Montag im International Journal of Astrobiology veröffentlicht haben, erläutern die Forscher, welche Spuren technologisch hochentwickelte Spezies hinterlassen könnten. Dabei nahmen Schmidt und Frank den ökologischen Fußabdruck, den der Mensch aktuell hinterlässt, als Richtwert.

"Für die menschliche Zivilisation läuft vieles sehr gut, aber aus ökologischer und biologischer Sicht zahlen wir einen hohen Preis dafür", sagte Schmidt gegenüber Motherboard. Die Konsequenzen für die Umwelt übersähen wir Menschen leicht. "Unser negativer Einfluss auf die Umwelt bleibt uns verborgen – dem Planeten jedoch nicht", sagte er.

Dass offensichtliche Hinweise auf frühere Zivilisationen wie Abwassersysteme über viele Millionen Jahre erhalten bleiben würden, sei unwahrscheinlich. Darum suchten Schmidt und Frank nach subtilen Hinweisen wie Nebenprodukte von fossilen Brennstoffen, Massensterben, auffällige Bodenschichten, die auf landwirtschaftliche Nutzung hinweisen könnten oder radioaktive Stoffe, die von einer Kernwaffendetonation stammen könnten.

"Man muss in ganz verschiedene Bereiche eintauchen und überlegen, welche Spuren man finden könnte", sagte Schmidt. "Dazu gehören Chemie, Sedimentologie, Geologie und viele andere."

Vor 55,5 Millionen Jahren stieg die Temperatur der Erde plötzlich an

Schmidt interessiert sich besonders für eine Phase vor etwa 55,5 Millionen Jahren, in der sich die Erde stark aufheizte – das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum (PETM). Laut Schmidt löste damals irgendetwas eine Verschiebung im globalen Kohlenstoffzyklus aus "und alle ökologischen Richtwerte spielten verrückt".

Während der PETM-Phase waren die Temperaturen auf der Erde durchschnittlich um 8 Grad Celsius höher als heute. Vor etwa 15 Jahren diskutierte Schmidt diese mysteriösen Schwankungen mit Kollegen. Ihnen fielen Parallelen zum aktuellen Klimawandel auf. Könnte hier ein Hinweis auf die Existenz einer früheren Zivilisation stecken?


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Vielleicht kann man Zivilisationen nur 200 Jahre nachweisen

Grundlage für das Paper ist die Drake-Gleichung des Astrophysikers Frank Drake, die er 1961 erstmals vorstellte. Die Gleichung soll abschätzen, wie viele intelligente Zivilisationen in unserer Galaxie existieren könnten. Eine wichtige Variable ist die Lebensdauer einer technischen Zivilisation, also die Zeitspanne, in der sie Radiosignale aus dem Weltraum empfangen und verschicken kann.

Einige Forscher halten es für möglich, dass wir bisher keinen Kontakt zu einer außerirdischen Lebensform herstellen konnten, weil diese "Lebensdauer" extrem kurz ausfallen könnte – entweder, weil technisch hochentwickelte Zivilisationen sich selbst auslöschen, oder auch, weil sie gelernt haben, nachhaltig und leise auf ihrem eigenen Planeten zu leben.

"Möglicherweise ist die Zeitspanne, in der wir eine Zivilisation aufspüren können, wesentlich kürzer als ihre tatsächliche Lebensdauer", sagte Schmidt. "Denn eine Zivilisation kann nicht lange bestehen, wenn sie sich so verhält, wie wir es gerade tun. Dann ist sie entweder nicht mehr nachweisbar, weil sie nicht mehr existiert oder sie hat gelernt, ihr Verhalten zu ändern. In beiden Fällen gibt es nur ein sehr kleines Zeitfenster für den plötzlichen Anstieg von Aktivitäten, die auf die Existenz von Leben hindeuten, wie die Verschwendung von Ressourcen und den massiven ökologischen Fußabdruck."

Pass dich an - oder stirb!

"Vielleicht haben diese Stufe schon Milliarden von Zivilisationen im Universum erreicht", fügte er hinzu. "Aber wenn dieser Zeitraum jeweils nur 200 Jahre andauert, bekommt man davon nichts mit."

Dasselbe Prinzip könnte für frühere Zivilisationen gelten, die vor uns auf der Erde gelebt haben könnten. Schmidt und Frank plädieren nicht nur dafür, dass die Astronomie sich ein neues Forschungsfeld vornimmt, sondern wollen auch, dass die Menschheit insgesamt aus ihrer Studie die richtigen Schlüsse zieht: Passt euch an an oder ihr sterbt aus!

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