Mikroplastik

Wer Bock auf Plastik im Körper hat, kann weiter Wasser aus Flaschen trinken

Laut einer Studie schwimmt in 90 Prozent der Wasserflaschen Mikroplastik. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum wir Plastikflaschen endlich aus unserem Leben verbannen sollten.
Foto: U.S. Air Force | Senior Airman Joshua Edwards

Dieser Artikel stammt aus unserer Redaktion in Zürich.

Eigentlich unglaublich, dass wir immer wieder darüber reden müssen. Wir tun es aber trotzdem ein weiteres Mal und prangern erneut deinen Konsum von Wasser in Plastikflaschen an. Aktueller Grund: Laut einer neuen Studie finden sich in 90 Prozent der industriell abgefüllten Wasserflaschen Spuren von Mikroplastik. Getestet wurden insgesamt elf Marken in neun Ländern, zum Beispiel Wassermarken von Nestlé (darunter auch San Pellegrino), Evian und Gerolsteiner. Im Durchschnitt stecken so in jedem Liter Flaschenwasser 325 Plastikpartikel.

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Du kannst jetzt damit argumentieren, dass das nach sehr wenig Teilchen pro Liter klingt und davon abgesehen ist Mikroplastik ja auch ganz winzig und mit dem blossen Auge ohnehin nicht zu erkennen. Wenn wir aber damit rechnen, dass in der Schweiz allein im Jahr 2016 pro Person durchschnittlich 114 Liter Mineralwasser getrunken wurden, sind wir schon bei 37.050 möglichen Plastikteilchen im Körper. In Deutschland ist die Zahl sogar noch höher. Hier werden durchschnittlich 177,3 Liter Mineralwasser pro Person und Jahr gekauft, was übrigens für Silber im Europa-Ranking reicht.

Die Wissenschaft kann sich heute zwar noch nicht sicher sein, was Mikroplastik tatsächlich mit unserem Körper anstellt. Es gibt auch noch keine genauen Studien dazu, wie gesundheitsschädigend es wirklich für uns sein kann. Aber auch ohne medizinische Fakten bringt der Präsident des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Erik Solheim gegenüber Orb Media das Problem gut auf den Punkt: "Nenn mir bitte einen Menschen auf der ganzen Welt, der Plastik in seiner Wasserflasche will."


Aus dem MOTHERBOARD-Universum: Das Plastik der Zukunft


Wenn das immer noch nicht reicht, dich endgültig vom abgefüllten Wasser in Plastikflaschen zu verabschieden, liefern wir dir hier noch zwei weitere wichtige Faktoren, die gegen die Wasserflaschenindustrie sprechen:

Umweltverschmutzung

Plastikwasserflaschen herzustellen und zu befüllen verbraucht zweimal so viel Wasser, wie die Flasche am Ende überhaupt fassen kann, schreibt zum Beispiel das Forschungsmagazin Smithsonian. Das ist absurd! Dass es dann auch bloss 60 bis 70 Prozent des abgefüllten Wassers in die Warenregale schaffen und der Rest als Abfall gilt, wie das Online-Magazin eines amerikanischen Zusammenschlusses diverser Museen und Forschungsinstituten weiter schreibt, unterstreicht das Problem noch deutlicher.

Aber nicht nur die Wasserverschwendung bei der Herstellung ist problematisch. Des Weiteren verursacht die hohe Nachfrage für abgefülltes Wasser weltweit einen Verbrauch von über 17 Millionen Ölfässer pro Jahr, wie die amerikanische non-profit Forschungsanstalt Pacific Institute schon 2007 publizierte. Auf die "normale" Umweltverschmutzung durch Plastikmüllberge im Meer oder die Mikroplastikverschmutzung in unseren heimischen Gewässern wollen wir hier gar nicht erst vertieft eingehen. Das haben wir nämlich schon getan: 2014 zum Thema Plastiktüten und Plastikmüll im Ozean. 2015 zu den Hauptverursachern der Plastikverschmutzung im Meer und zu den schwimmenden Müllinseln darin. 2016 dazu, dass es bald mehr Plastik als Fische im Meer gibt und – quasi als Konsequenz dieser Erkenntnis – 2017 zu Plastikmüll in Fischen und Meeresfrüchten.

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Fast schon Verarsche

Mit dem Kauf einer Flasche Wasser bezahlst du im Grunde für etwas, das sprichwörtlich vom Himmel fällt. Es sei denn, du wohnst ausgerechnet dort, wo der Regen sauer ist, der Weg zum nächsten Brunnen einen Tagesmarsch erfordert oder dein Trinkwasser ungeniessbar ist, während deine Regierung tatenlos dabei zusieht. Dazu kommt, dass Tafelwasser eigentlich bloss ein Code für "Leitungswasser in Flaschen" ist und nicht etwa wie Mineralwasser auch tatsächlich aus einer Quelle stammt.

Wenn wir sowieso schon von Verarsche sprechen: Während man den prägnanten Satz "Wasser ist kein Menschenrecht" des ehemaligen Nestlé-Präsidenten Peter Brabeck-Letmathe zwar nicht mehr wirklich als Beweis für die Boshaftigkeit des Konzerns bringen kann, bleibt die Wasserknappheit für viele Menschen weiterhin eine bittere Realität. Eine Realität, in der zugelassen wird, dass grosse Konzerne wie Nestlé sich am Wasservorrat Äthiopiens bedienen können, während die Bevölkerung dieses Landes durstig zusieht.

Das alles war dir immer noch nicht genug Überzeugungsarbeit, deine olle Mineralwasserflasche endlich zu recyclen und nie wieder eine neue anzurühren? Vielleicht hilft dir ja diese Studie beim Umdenken, laut der Mineralwasser dick machen soll.

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