Die PARTEI erstellt dir deine eigene Version von 'Mein Kampf'

Gemeine Satire: Im EU-Wahlkampf nimmt Martin Sonneborns Partei den Rechtspopulisten ihr Lieblingsthema weg.

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14 Februar 2019, 12:34pm

Alle Screenshots: kampfgenerator.de

Die Leute von Die PARTEI wollen bei der ganz großen Politik mitmischen. Und was bedeutet das? Richtig: aktives Mitarbeiten an der Verrohung der Umgangsformen. Denn Die PARTEI befindet sich im EU-Wahlkampf, und der wird nicht nur mit Argumenten geführt, sondern auch mit Hass. Und bevor Rechtspopulisten, Rassisten und Faschisten in der EU das Thema Hass vollkommen vereinnahmen, haben die Leute um Martin Sonneborn offenbar beschlossen, es selbst zu besetzen. Hass zum Gegenstand von Quatsch, Spaß und Satire machen, um ihm den Sexappeal zu nehmen. Das wäre eine mögliche Erklärung für den "Kampfgenerator", den Die PARTEI am Mittwoch online gestellt hat. Aber vielleicht hat sich der Satire-Verein auch gar nichts dabei gedacht, auch das ist ja gerade im Trend.

Mit dem Kampfgenerator kann jeder sein persönliches "Hass-Manifest" erstellen. Der Generator basiert laut Website auf dem "bestverkauften Autorenbuch deutscher Sprache". Damit meinen die Satirikerinnen und Satiriker von Die PARTEI nicht Mario Barths Deutsch – Frau / Frau – Deutsch, sondern Adolf Hitlers Mein Kampf.


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Um dein eigenes Hass-Manifest zu erstellen, musst du nichts weiter tun, als deinen Vor- und Nachnamen anzugeben, deinen Geburtsort und ein Hassobjekt. Dieses setzt der Generator in Mein Kampf dann an die Stelle von "Judentum", "Jüdisch" oder "Juden". Man könnte dem größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte zum Beispiel das Wort "Polizisten" in den Mund legen. Nicht weil wir die Polizei für hassenswert halten, sondern weil es so schön zu unserer Wahl des fiktiven Autors passt: Arafat Abou-Chaker. Sein Hass-Manifest würde sich in Auszügen dann so lesen:

"Es ist für mich heute schwer, wenn nicht unmöglich, zu sagen, wann mir zum ersten Male das Wort 'Polizisten' Anlaß zu besonderen Gedanken gab."

"Es war entsetzlich, aber nicht zu übersehen, daß gerade der Polizist in überreichlicher Anzahl von der Natur zu dieser schmachvollen Bestimmung auserlesen schien."

"Das Verhältnis des Polizistentums zur Prostitution und mehr noch zum Mädchenhandel selber konnte man in Wien studieren wie wohl in keiner sonstigen westeuropäischen Stadt....."

"Ich war vom schwächlichen Weltbürger zum fanatischen Antipolizisten geworden."

"Indem ich mich des Polizisten erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."

Undsoweiterundsofort, ihr versteht das Prinzip.

Nun könnte man argumentieren, dass es einer Verharmlosung des Holocaust nahekommt, Hitlers Hassschrift auf einfach alles anzuwenden. Immerhin war Mein Kampf die Ankündigung der Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden. Gleichzeitig zeigt das Projekt aber auch, wie einfach sich mit ein und denselben Phrasen Hass gegen alles schüren lässt. Und wie Die PARTEI zum Holocaust steht, erfährt man spätestens, wenn man in den Generator als Hassobjekt "Juden" eingibt. "Jude? Wirklich? Dein Ernst?", antwortet der Generator. "Das ist aber nicht so hassenswert ... wir haben das mal für dich korrigiert ... Jude -> AfDler"

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