Heulsuse der Woche: Capital Bra vs. AfD

Capital Bra veröffentlicht einen weinerlichen Track über Bushido und für die AfD sind mal wieder nur die anderen Schuld, wenn´s nicht läuft.

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08 Februar 2019, 1:31pm

Collage bestehend aus: Capital Bra: imago | CHROMORANGE || Alexander Gauland: imago | Metodi Popow 

Wieder einmal wundern wir uns über Menschen, die sich nicht unter Kontrolle haben.

Heulsuse #1: Capital Bra

Der Vorfall: Capital Bra trennt sich von Bushidos Label Ersguterjunge.

Die angemessene Reaktion: Einen Track veröffentlichen, in dem Capital butterflymesserscharf die Gründe für die geschäftliche Trennung erklärt. Unpeinlich, präzise, real.

Die tatsächliche Reaktion: Capital Bra veröffentlicht einen weinerlichen "Freestyle" und faselt davon, dass Bushido die Sandkastenfreundschaft zwischen den Kindern der beiden zerstört habe.

Als Bra Ende Januar auf Instagram seinen Weggang von EGJ erklärte, war das im Sinne einer "ich bin real und Straße"-Erzählung noch einigermaßen nachvollziehbar. Bushido habe jetzt Polizeischutz, was irgendwie OK sei, wenn die eigene Familie bedroht werde, erklärte Capital Bra. Aber der Polizei Informationen zu liefern, das sei sehr böse: "Wir sind kein Team. Polizei ist jetzt dein Team." Schon hier wirkte Capital auf so eine pathetische Art verletzt, wie jemand der bei RuPaul’s Drag Race in Runde eins ausscheidet. Doch dann kam der aktuelle Track.

In 51 Sekunden spricht Capi darin zweimal von Liebe, einmal von Freunden die Bushido enttäuscht habe und – sehr wichtig – von Familie: "Wir hatten Ziele, unsere Kinder haben zusammen gespielt." Bushido und Capital Bra haben etwa sechs Monate zusammengearbeitet.

Peinlich wird es dann aber für Capi, als sich Bushidos Frau, Anna-Maria Ferchichi, in einer Instagram-Story dazu äußerte. "Mensch Capi, ich verstehe ja, dass du sauer bist, weil mein Mann dir keine Beachtung schenkt", schreibt sie darin. Trotzdem solle er doch nicht so auf die Tränendrüse drücken. Die Kinder der beiden hätten sich nur einmal gesehen. "Sie kannten bis vor zwei Wochen nicht mal die Namen deiner Kinder." Außerdem könne sie sich nicht erinnern, dass Bushido und Capital Bra jemals privat etwas zusammen unternommen hätten. Danach schreibt sie noch, Capis Vorliebe für Koks und "Nutten" spreche ohnehin nicht so für ihn als Freund der Ferchichis.

Wir denken, der Punkt geht klar an sie.

Heulsuse #2: Die AfD

Der Vorfall: Am 15. Januar erklärte der Bundesverfassungsschutz die AfD öffentlich zum "Prüffall".

Die angemessene Reaktion: Die AfD hätte sich fragen können, wie das nun wieder passieren konnte. Dass der eigene Inlandsgeheimdienst sagt, ihm lägen "erste tatsächliche Anhaltspunkte für eine gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung ausgerichtete Politik der AfD vor". Hat die Partei womöglich selbst dazu beigetragen? Wäre das ein Anlass für Selbstkritik?


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Die tatsächliche Reaktion: Die AfD verklagt den Verfassungsschutz. In einer 97-seitigen Klageschrift erklärt die Partei, warum es eine "öffentlich diskreditierende Mitteilung" sei, wenn der Verfassungsschutz über die AfD als "Prüffall" berichte. Diese Mitteilung erschwere "die Ausübung der parteilichen Tätigkeit in erheblichem Maße".

Natürlich hat die AfD ein Recht darauf, vor Gericht zu ziehen. Aber dann muss sie auch die Lacher aushalten. Kurz zur Erinnerung: In dem von Netzpolitik geleakten 450-Seiten-Verfassungsschutzbericht stehen nur Dinge, die AfD-Politikerinnen und Politiker öffentlich gesagt oder geschrieben haben.

Was könnte das bedeuten? Wir haben eine Minute lang gebrainstormt, wie die AfD in Zukunft vermeiden kann, öffentlich diskreditiert zu werden:

Womöglich würde es helfen, wenn ihre Mitglieder nicht so viel dummes, menschenverachtendes Zeug sabbeln. Es wäre zum Beispiel echt stark, wenn ihr Bundessprecher Jörg Meuthen von Migranten nicht als "marokkanische Netto-Nafris mit zwanzig Scheinidentitäten" sprechen würde. Oder wenn ihr Co-Parteivorsitzender Alexander Gauland die Zeit des Nationalsozialismus nicht einen "Vogelschiss" nennen würde. Oder wenn Parteimitglieder den Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla mal lieb in den Arm nehmen würden, wenn er von offenbar im Fiebertraum gesponnenen Plänen einer schwarzen Liste für unseriöse Pressevertreter quatscht. Weitere Anregungen gibts beim Verfassungsschutz auf 450 Seiten.

Und jetzt dürft ihr abstimmen: Wer soll die Heulsuse der Woche sein?*

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