Die moderne Forschung hat immer wieder bewiesen, dass Männer und Frauen auf Medikamente verschieden reagieren und in sehr unterschiedlicher Form von Krankheiten betroffen sein können. Warum also wird ein Großteil präklinischer Studien an männlichen Versuchskaninchen und mit männlichen Zellen durchgeführt?
Das amerikanische Nationale Gesundheitsinstitut NIH hat gestern verkündet, dass es von allen medizinischen Studien, die es in Zukunft finanziert (und das sind viele) ein ausgewogenes Verhältnis an männlichen und weiblichen Zellen und Tieren in den Versuchen verlangen wird. Die politische Leitlinie, die aktuell entwickelt wird, soll ab Oktober greifen—das verkündeten zumindest Francis Collin, der Leiter des NIH und Janine Clayton, die Leiterin des NIH Programms für die Forschung an weiblicher Gesundheit. Ausnahmen werden nur bei Untersuchungen möglich sein, in denen es dezidiert um nur ein Geschlecht geht.
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„Die übermäßige Untersuchung von männlichen Zellen in der präklinischen Forschung verundeutlicht wichtige Geschlechterrspezifika, die spätere klinische Studien anleiten könnten”, schrieben Clayton und Collins als Begründung in einem Artikel in Nature: „Auch wenn es unangenehm sein mag: Die Unverträglichkeit von Medikamenten kommt bei Frauen in häufigerem Maße vor als bei Männern.”
Die Überlegungen der NIH werden von verschiedenen medizinischen Entdeckungen der jüngeren Vergangenheit untermauert: „geschlechtsspezifische Aspekte in der Erforschung von Parkinson, Schizophrenie und Schlaganfällen; Multiple Sklerose betrifft weit mehr Frauen als Männer, aber Frauen haben in der Regel weniger starke Symptome; Stress spielt eine größere Rolle beim Medikamentenmissbrauch von Frauen als bei Männern.
Eigentlich sollte die Maßnahme nicht nur naheliegend sondern auch selbstverständlich sein. Aber eine widerlegte Angst, dass die weibliche Menstruation Auswirkungen auf die medizinische Forschung hätte und die jahrzehntelange Normalität von männlichen Versuchskaninchen haben bis heute laut der NIH für die Ungleichheit gesorgt.
Bis jetzt ist zwar noch nicht klar, ob weitere Institutionen dem Plan der NIH folgen werden; fest steht jedoch, dass es ein gewichtiger Schritt ist: Das Institut verteilt jährlich über 20 Milliarden Euro an Forschungsgeldern (wovon ein überwiegender Teil in die Medizin fließt) und vergibt 50,000 Stipendien und Finanzierungen an mehr als 300.000 Forscher. Die Entscheidung hat in jedem Fall das Potential die Politik präklinischer Forschung nachhaltig zu verändern.
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