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​Elon Musk hat endlich seinen Masterplan zur Weltherrschaft vorgelegt

Auf dem offiziellen Blog von Tesla verkündete der Pionier der autonomen Elektroautos nun, wie er das weltweite Transportsystem revolutionieren und dominieren möchte.

von Johannes Hausen
21 Juli 2016, 11:00am

Elon Musk bei einer Tesla-Pressekonferenz in Peking (Oktober 2015). Foto: Imago

Auch wenn Elon Musk sich sehr sicher ist, dass wir in einer Simulation leben, hat er in seiner bisherigen irdischen Karriere hart daran gearbeitet, die uns bekannte Realität einem fortschrittlichen technologischen Wandel zu unterziehen. Rückschläge wie die Bruchlandung seiner Recycling-Rakete Falcon 9 oder der erste tödliche Unfall in dem von Musks Firma Tesla Motors produzierten autonomen Elektroauto Model S, ließen den 45-jährigen US-Unternehmer nur noch fokussierter an seinen Projekten feilen. Zu diesen gehören neben dem Aufbau eines privaten Raumfahrtunternehmens und autonomen Elektroautos auch die Erforschung Künstlicher Intelligenz, innovative Energiespeichersysteme, das Hochgeschwindigkeitstransportsystem Hyperloop und die Solarstromanlagen seiner Firma SolarCity—kurzum: alles, womit sich ein ambitionierter Tech-Unternehmer im Silicon Valley gerne die Zeit vertreibt.

Während man angesichts der Vielzahl der kühnen technologischen Unterfangen von Musk schnell den Überblick verlieren kann, hat der Tesla-CEO nun gestern Abend nach langer Wartezeit auf dem Blog von Tesla Motors enthüllt, welches primäre Ziel er in den kommenden Jahren verfolgt. Der Plan soll nicht zuletzt an jenen legänderen Masterplan erinnern, mit dem Musk vor zehn Jahren die damals kaum vorstellbare Disruption der Autobranche mit Elektroautos verkündete. Musk hatte seine sehnsüchtig wartenden Twitter-Follower zuvor aufgrund einer Verspätung auf die Folter gespannt, die er jedoch gewohnt lässig damit begründete, dass er gerade aufgrund der Landung seiner Recycling-Rakete beschäftigt sei:

Unter dem bescheidenen Titel Master Plan, Part Deux skizziert Musk seine Vision, das globale Transportsystem gleichsam zu revolutionieren wie zu dominieren. Den Schlüssel dafür sieht er in der Kreation einer gänzlich neuen Art von Elektro-Fahrzeugen sowohl für den Personen- als auch den Güterverkehr, der Weiterentwicklung der autonomen Fahrsysteme, bis diese zehn Mal sicherer seien als menschliche Fahrer, einer Zuspitzung des Carsharing-Konzepts, so dass jeder mit seinem Tesla-Wagen Geld verdienen und sich so ein eigenes Auto leisten könne, sowie der Zusammenlegung von Energieproduktion- und speicherung zu einem leistungsfähigen Produkt.

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Laut Musk seien die energieerzeugenden Technologien seiner Solarstromanlagen von SolarCity mittlerweile so ausgereift, dass man sie in die Solarbatterie Powerall von Tesla integrieren könne. Diese wiederum lässt sich mit einem intelligenten Stromnetz verbinden, welches neben verschiedenen Haushaltsgeräten auch die Energie für Teslas Elektrowagen liefert. Dieses „Solar-Dach-mit-Batterie" wolle er auf der ganzen Welt für jeden verfügbar machen: „Eine Bestellung, eine Installation, ein Kundenservice, eine Smartphone-App." Mit einer derartigen solargetriebenen All-in-One-Lösung wären wir dem drängenden Problem einer notwendigen Energiewende hin zur flächendeckenden nachhaltigen Energieerzeugung möglicherweise einen entscheidenden Schritt nähergekommen. „Wir müssen an einem gewissen Punkt eine nachhaltige Energiewirtschaft erreichen, oder uns werden die fossilen Energieträger ausgehen, und die Zivilisation kollabiert", bringt Musk es auf den Punkt.

Mit dem Tesla 3, welcher jetzt schon das wohl am meisten vorbestellte Produkt aller Zeiten ist, einem neuen kompakten SUV und einem neuen Pick Up-Modell—alle Fahrzeuge sollen sich statt aus fossilem Treibstoff so bald wie möglich aus erneuerbarer Energie speisen—ist Musk sich sicher, die überwiegende Mehrheit an autofahrender Kundschaft abzudecken. Für diejenigen, die sich auch den vergleichsweise günstigen Tesla 3 (der Verkaufspreis soll bei Markteinführung Ende 2017 bei rund 35.000 US-Dollar liegen) nicht leisten können, werde ein neues Carsharing-System autonomer Elektrowagen zum Einsatz kommen, welches es Autobesitzern ermöglichen soll, Teile des Kaufpreises über die voll automatisierte Ausleihe ihres Wagens („einfach einen Knopf auf der Tesla-App drücken") zurückzugewinnen. Um ein Carsharing-System vollständig autonomer Elektrowagen zu ermöglichen, feilt Tesla weiterhin an der Zuverlässigkeit seines Autopilotsystems, welches bereits jetzt fast doppelt so sicher sei wie ein menschlicher Fahrer—wie Musk wohl auch mit Verweis auf die öffentliche Diskussion um den tödlichen Unfall eines Teslas mit Autopilot betonte. Würde es in einer Stadt weniger Autobesitzer als Autonutzer geben, stelle Tesla dort eine eigene Carsharing-Flotte zur Verfügung.

Die einzige Hürde für die flächendeckende Versorgung mit autonomen Elektrowagen sieht Musk neben der langwierigen Perfektionierung der Autopiloten-Software darin, das Produktionsvolumen der Autos in die Höhe zu schrauben: „Wir sind bei Tesla in der Konstruktion dazu übergegangen, den Fokus verstärkt auf die Gestaltung der Maschine, die die Maschinen produziert, zu legen", erklärt er in dem Blogpost und meint damit, dass Tesla daran arbeitet, eine neue effizientere Art von Elektrowagen-Fabrik zu kreieren, die in vollem Funktionsumfang „wahrscheinlich 2018" fertig sein werde.

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Neben den Elektrowagen für den Endverbraucher arbeitet Tesla derweil außerdem an zwei weiteren Typen autonomer elektrischer Fahrzeuge: Schwere Lastkraftwagen und Busse für den städtischen Verkehr mit hohem Passagieraufkommen. Beide Fahrzeugtypen befänden sich noch am Anfang ihrer Entwicklung, würden aber im kommenden Jahr vorgestellt werden: „Wir glauben, dass Tesla Semi [der Name des neuen Fahrzeugs leitet sich vom US-amerikanischen Terminus für Sattelschlepper, semi truck, ab] die Kosten des Gütertransports entscheidend senken wird, gleichzeitig aber die Sicherheit erhöht. Ihr Einsatz wird wirklich Spaß machen", so Musk.

Und während die Vorstellung von autonomen LKW auf unseren Autobahnen keine allzu neue Idee ist (auch Volvo und Mercedes arbeiten schon länger daran), verspricht die Fahrt von Tesla-Stadtbussen doch eine völlig neue Erfahrung des öffentlichen Personennahverkehrs. Laut Musk werden wir in Zukunft mit kleineren Bussen unterwegs sein, die aber mehr flexiblen Platz im Innenraum für Rollstühle, Fahrräder oder Kinderwagen bereithalten und durch automatische Anpassung an Brems- und Beschleunigungsverhalten anderer Fahrzeuge das innerstädtische Stauaufkommen verringern würden. Statt vorgegebene Strecken abzufahren, könnten autonome Busse ihre Passagiere direkt ans Ziel bringen, bestehende Bushaltestelle hätten trotzdem noch Halteknöpfe für die Menschen, die ohne Smartphone unterwegs seien.

Wer nun denkt, dies alles sei utopische Zukunftsmusik, die Musk niemals umsetzen könne, der werfe einen Blick auf den Blogpost, mit dem Elon Musk vor rund zehn Jahren erstmals einen Masterplan präsentiert hatte: Damals verkündete er der Welt die Entwicklung und Produktion eines kostengünstigen Elektroautos, das er in Serie auf die Straßen der Welt bringen würde. Angesichts der außerordentlich hohen Vorbestellungszahlen des Tesla Model 3, des bisher günstigsten Elektroautos von Musk, kann man wohl davon ausgehen, dass das Ziel des ersten Masterplans tatsächlich in nur zehn Jahren in greifbare Nähe gerückt ist. Höchste Zeit also, sich dem Master Plan Part Deux zu widmen.