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Gamer errichtet in Civilization VI eine unmögliche Milliarden-Stadt

Dank akribischer Vorbereitung und einiger Tricks hat es Civilization-Gamer Procblocked geschafft, ein digitales Moloch zu erschaffen, in dem unglaubliche 2.772.579.372 Einwohner hausen.

von Michael Förtsch
21 November 2016, 6:00am

Bild: 2k Games | ProcBlocked; Imgur

Bild: 2k Games | ProcBlocked; Imgur 

Mit 37 Millionen Einwohnern ist die Metropolregion von Tokio derzeit das bevölkerungsreichste Stadtgebiet der Welt. Gemessen am digitalen Moloch, den ein Gamer in der neuesten Version des Strategiespiels Civilization 6 errichtet hat, würde der japanische Stadtgigant jedoch nicht einmal als Dorf durchgehen: Der Reddit-Nutzer Procblocked hat es geschafft, ein digitales Abbild von Rio de Janeiro zu planen und organisieren, in dem über 2,7 Milliarden Menschen leben.

Die Siedlung zieht sich über die Landfläche von halb Brasilien und hat eine spielinterne Bevölkerungsstufe von 200—es dürfte ein einsamer Rekord unter den Spielern des Ende Oktober erschienen
Nachfolgers von Sid Meiers legendärer Civilization-Reihe sein. Mit ihren 2.772.579.372 Einwohnern beherbergt die virtuelle Stadt mehr Menschen als die Gesamtbevölkerung von China und Indien zusammengerechnet. Städte mit einer derartigen Dimension kennt man sonst nur aus dystopischen Science-Fiction-Welten wie den Judge-Dredd-Comics. Eigentlich waren sie auch in dem legendären Globalstrategie-Game bislang undenkbar—doch Procblocked hat mit harter Arbeit und einigen legalen Tricks das Gegenteil bewiesen.

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Normalerweise gelten in Civilization 6, dessen Künstliche Intelligenz und Optik erst vor wenigen Tagen mit einem umfangreichen Herbst-Update verbessert wurde, schon Ortschaften mit einer Populationsstufe von 20 als groß. Dennoch will Procblocked nicht betrogen, sondern lediglich die vorhandenen Mechaniken clever ausgenutzt haben, wie er auf Reddit berichtet.

Die wichtigste Voraussetzung für eine Milliardenstadt war ein neues Feature, das es dem Gaming-Bürgermeister erlaubt, eine Stadt um mehrere Bezirke zu erweitern, indem sich die Einflussbereiche naheliegender Städte überlappen. Solche Satellitenbezirke können über sogenannte Pfade Ressourcen mit angrenzenden Ortschaften teilen. Die Anordnung dieser Bezirke sowie ihre Anforderungen und Wirkungen hat Procblocked penibel vorausgeplant. „Ich öffnete in Photoshop ein Hex-Feld und kartographierte die angrenzenden Städte", beschreibt er seine Planungsarbeit, die vor dem eigentlichen Bauprozess lag.

Vorausgeplant hat Procblocked seine Monstermetropole mit einer Karte, die er in die für die Civilization-Reihe typischen Hex-Felder unterteilte. Auf diese Weise legte er die ideale Aufteilung der Bezirke und Vergnügungsareale fest. Bild: 2k Games | ProcBlocked; Imgur

In einem offenen Spiel ohne Siegbedingungen, das mit diesen Einstellungen theoretisch unendlich lange laufen kann, baute er daraufhin seinen Entwurf nach. Der besteht aus einer Kernstadt, um die in zwei breiten Ringen 30 Distrikte hochgezogen wurden. Dazu kommen 80 verbindende Handelsrouten. Ebenso wie 21 Unterhaltungsviertel mit 20 Stadien, um den Bewohnern die eigentlich wüste Wohnmaschine annehmlich zu machen.

Die 2,7-Milliarden-Metropole ist vor allem ein beeindruckender Balance-und Optimierungsakt. Denn um das nicht optisch, aber ökonomisch verwachsene Stadtkonstrukt überlebensfähig zu halten, müssen sich zahlreiche Werte die Waage halten und unzählige Bedürfnisse der digitalen Bevölkerung fein austariert befriedigt werden. Dazu gehört die „Zufriedenheit" der Population ebenso wie ein steter Nachschub an Nahrung in Höhe der außergewöhnlichen Menge von 750 Einheiten, die von den Satellitenstädten über die Handelswege in Richtung Zentrum geleitet werden.

Die Hauptstadt und ihre Distrikte liegen eng zusammen und sind ökonomisch miteinander verflochten. Ähnlich wie Metropolregionen wie Tokio oder auch Jakarta in der realen Welt. Eine wirklich lebenswerte Stadt wäre die Milliarden-City aber wohl nicht. Bild: 2k Games | ProcBlocked; Imgur

Dank dieser Organisation ist es gelungen ein virtuelles Rio zu erschaffen, das in sich stabil ist—praktisch oder gar effizient in Bezug auf die eigentlichen Ziele des Strategiespiels ist das aber nicht: Die Zivilisation, die Procblocked errichtet hat, ist kaum fähig, höhere Entwicklungsstufen zu erreichen oder Einheiten für die Erforschung oder Kolonisierung zu produzieren, wie es eigentlich vorgesehen ist, um seine Gegner zu schlagen. In der Welt von Procblocked werden sämtliche Ressourcen von der Stadt „aufgefressen"; Geschieht etwas Unvorhersehbares oder wird eine der Handelsrouten abgebrochen, bricht das Gebilde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit binnen weniger Runden in sich zusammen.

Um seine gigantische Metropole zu errichten, musste der Spieler unheimliche Geduld beweisen: Der Aufbau kostet fast 1000 Spielrunden und damit mehrere Stunden. Die hätten, so Procblocked, nicht unbedingt Spaß bedeutet, sondern seien stellenweise „unerträglich" gewesen. Dazu führt der Spieler an, dass sich mit dieser Herangehensweise und noch mehr Ausdauer und Passion wohl auch ein Populationslevel von 230 erreichen ließe. Das würde dann über 4 Milliarden Bürgern entsprechen.

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