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Nach erneutem Galaxy-Brand: Samsung ruft alle Note 7-Modelle zurück

Obwohl Samsung es selbst als sicher einstufte, fing jetzt sogar das erste neu ausgelieferte Galaxy Note 7 Feuer. Ein ernstes Problem für den Elektronikriesen.

von Johannes Hausen
10 Oktober 2016, 9:04am

Redditor Crushader war einer der ersten, die von einem geschmolzenen Galaxy Note 7 berichteten. Foto: Imgur

Update 11.10.: Samsung hat auf die jüngsten Vorfälle reagiert und eine Rückrufaktion gestartet. Außerdem ruft man alle Besitzer des Note 7 auf, ihr Handy nicht mehr einzuschalten—das gilt auch für Modelle die bereits ausgetauscht wurden, wie Samsung auf seiner für den Recall eingerichteten Info-Seite schreibt.

Das Drama um die massenhaft in Flammen aufgehenden Galaxy Note 7 Smartphones von Samsung hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, entschloss sich der Elektronikkonzern aus Seoul jetzt, die Produktion der Geräte vorläufig ganz einzustellen, nachdem in den vergangenen Tagen auch die ersten Austauschgeräte in Brand geraten waren.

Diese Maßnahme sei in Absprache mit südkoreanischen, US-amerikanischen und chinesischen Behörden erfolgt, wie Yonhap von einem anonymen Mitarbeiter eines Samsung-Zulieferers erfahren haben will.

Während Samsung den drastischen Schritt noch nicht offiziell bestätigt hat, war die Verkaufsgeschichte des Galaxy Note 7 bereits vorher eine beispiellose Pannenserie. Schon vor dem offiziellen Verkaufsstart am 2. September hatte es Berichte über Lieferungsverzögerungen gegeben, Stunden nach dem Launch erfolgte dann der offizielle Rückruf der Geräte, in Deutschland wurde der Markteintritt gleich ganz verschoben. Unterdessen machten verkokelte Note 7 Displays in den sozialen Medien die Runde.

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In Folge verboten die ersten Fluglinien die Nutzung des Galaxy Note 7 auf ihren Flügen und gleichzeitig wurde bekannt, dass es sich bei den explodierenden Akkus wohl ausschließlich um von Samsung selbst produzierte Akku-Modelle handelte. Andere Note 7 hingegen, die mit einem chinesischen Akku des Herstellers ATL ausgestattet sind, explodierten bisher nicht. Mittlerweile hat Samsung die Verwendung der eigenen Akkus für Galaxy Note 7 eingestellt und greift nur noch auf Modelle von ATL zurück.

Noch Mitte September hatte Samsung 2,5 Millionen Käufer des Note 7 dazu aufgerufen, ihre Geräte einzusenden und austauschen zu lassen, nachdem diese vielfach beim Laden des Akkus explodiert oder in Flammen aufgegangen waren. Im Rahmen eines groß angelegten Recall Programmsbekamen die Kunden neue Geräte mit angeblich sicheren Akkus ausgeliefert. Wie sich jetzt herausgestellt hat, fangen aber auch diese Ersatzgeräte Feuer: Am vergangenen Mittwoch war ein neu ausgeliefertes Galaxy Note 7 in einem US-amerikanischen Flugzeug vor Abflug in Brand geraten. Die komplette Maschine musste evakuiert werden.

Der Vorfall zeigt nicht nur, dass nun möglicherweise auch die neu ausgelieferten Geräte zurückgerufen werden müssen, sondern auch, wie mangelhaft die Informationspolitik seitens des Elektronikkonzerns in Bezug auf das Akkuproblem ist. Zwar hat man extra eine offizielle Testseite eingerichtet, auf der Nutzer über die Seriennummer ihres Geräts dessen aktuellen Sicherheitsstatus abfragen können—doch scheinen die hier erhältlichen Informationen schlichtweg falsch zu sein, wie The Verge herausfand. Ein Autor des US-Magazins, dem die Seriennummer des im Flugzeug geschmolzenen Smartpohnes vorlag, gab diese auf der Website von Samsung ein und erhielt folgenden Hinweis: „Great News! Ihr Gerät zählt nicht zu den betroffenen Geräten."

Samsung erklärte derweil, man könne keinen Kommentar zu dem Vorfall abgeben, bevor man das betroffene Gerät nicht selbst untersuchen könne. Derzeit befindet sich das Galaxy Note 7 noch bei den US-Behörden.

Während die beiden großen US-Mobilfunkbetreiber AT&T und T-Mobile US nun vorerst gar keine Galaxy Note 7 an ihre Kunden ausliefern, ist der Markteintritt in Europa bisher auf unbekannte Zeit verschoben und dürfte nicht vor Ende November stattfinden.