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Der Plan Elefanten in Wollhaarmammuts zu verwandeln ist bereits in vollem Gang

Durch die Verpflanzung eines Mammut-Embryos wollen Wissenschaftler die vor 4.000 Jahren verstorbene Spezies als Elefanten-Mammut-Hybrid wiederauferstehen lassen.
26 Mai 2014, 7:00am
Bildausschnitt von Flickr/V.H. Hammer | CC BY-SA 2.0

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Auch wenn du gebeamte Web-Zugänge aus der Stratosphäre entwickelst, kannst du noch anderen schwärmerischen Visionen anhängen. Zumindest gilt das für Richard DeVaul von Google X, der am vergangenen Wochenende auf einer Konferenz für Zukunftstechnologie zu Stewart Brand sagte: „[Ich] würde so gerne ein lebendes Wollhaarmammut sehen."

Die Unterhaltung des Experten für ausgestorbene Arten mit dem Leiter eines der ambitioniertesten Google X Projekte war ein heimliches Highlight der Konferenz in Washington. Genforscher Stewart Brand jedenfalls antwortete mit einem Lachen: „Spinnst du?" Die Konsequenz ihrer Unterhaltung war dennoch klar: Die Mission eines der bekanntesten Tiere der Erdgeschichte zurückzubringen ist in vollem Gange.

Die Wiederbelebung ausgestorbener Tiere ist keine einfache Angelegenheit, obwohl der Vision durchaus viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zunächst müssen Zellen eines Tieres geklont werden, das seit Tausenden von Jahren tot ist. Anschließend müssen diese in einen überlebensfähigen Embryo verwandelt werden und vor allem muss sich ein artverwandtes Ersatztier finden, das den Klon schließlich zur Welt bringt. Doch Wissenschafter arbeiten zunehmend daran, existierende Tiere mit ausgestorbenen Exemplaren zu hybridisieren und eine neue 2.0 Version von ihnen zu kreieren.

Brands Modell nach dem eine Spezies erst dann vollkommen ausgestorben ist wenn keine DNA Spuren mehr existieren, um sie wieder zu beleben. Foto: Jason Koebler

George Church, ein Harvard-Forscher und Experte der synthetischen Biologie, arbeitet schon länger an der Wiedergeburt der Wollhaarmammuts. Mit Hilfe einer Technik, die als CRISPR bekannt ist, versucht er drei zentrale Gene der Mammuts in Zellen asiatischer Elefanten einzupflanzen—in der Hoffnung, so irgendwann einen Hybrid zwischen den beiden Arten zu schaffen, der im Idealfall irgendwann mehr wie ein Mammut, denn wie ein Elefant aussehen wird.

Das Projekt und die Technologie sind schon in einem längeren Artikel im New York Times Magazine ausführlich beschrieben worden und Church berichtete mir nun, dass seinem Team ein erfolgreicher Austausch der drei Gene gelungen ist—diese verantworten den pelzigen Auftritt der Tiere, ihre Extrafettschicht und ihr kälteresistentes Blut. Wenn unsere Theorien zu den Genen von Mammuts und Elefanten stimmen, dann können wir davon ausgehen, dass das finale Ergebnis einer Kreuzung tatsächlich mehr nach ersterem als nach letzterem aussieht. Church berichtete mir per E-Mail vom aktuellen Stand ihrer ersten Laborversuche, die eines Tages zur Erschaffung eines Mammut Embroys führen sollen:

„Unser CRIPSPR System funktioniert bei Elefantenzellen an denen wir bereits drei genetische Veränderungen durchgeführt haben. Wir produzieren pluripotente Stammzellen, die „organ culture" Simulationen bestehen. Zunächst einmal mit DNA Variationen des kälteresistenten Bluts, des Haares und des subkutanen Körperfetts."

Ob das Ergebnis ein Elefanten, ein Mammut oder ein neues Zwischenwesen sein wird, ist noch nicht wirklich klar. Es könnte allerdings mehrere verschiedene Hybrid-Generationen geben—jede einem Mammut ähnlicher als die vorherige.

„Diese drei genetischen Veränderungen sind nur ein Anfang. Wir planen noch mehr."

Da die zugrundeliegenden Zellen vom asiatischen Elefanten stammen, werden die Wissenschaftler vermutlich nicht auf das selbe Problem stoßen, wie die Forschergruppe, die sich in Spanien an der De-Extinktion eines bestimmten lokalen Steinbocks versuchte: Geklonte Embroyos der Subspezies, die im Jahr 2000 ausgestorben ist, wurden in 57 Steinböcke transplantiert, wobei nur in einem Fall ein Nachkomme ausgetragen wurde, welcher auch umgehend verstarb.

„Der asiatische Elefant ist dem Mammut näher verwandt als afrikanischen Elefanten, mit denen sie Hybride bilden können", erklärte Brand dazu bei der The Future is Here Veranstaltung in Washington. Wenn dir der Name von Church bekannt vorkommt, dann liegt es daran, dass er einer der berühmtesten Genetiker aller Zeiten ist. Er ist bekannt dafür genetische Experimente vorzuschlagen (und durchzuführen), über die andere nur theoretisch nachdenken würden. Seine Bemerkungen im Spiegel vom vergangenen Jahr, dass er nach einem „extrem abenteuerlichen weiblichen Menschen" suche, um ein Neandertaler-Baby auszutragen, wurden zwar in den falschen Kontext gesetzt (und Church stritt ab an soetwas wirklich zu arbeiten)—aber die Idee war in der Welt, dass solche Art der Wissenschaft überhaupt möglich ist.

Brand jedenfalls ist optimistisch, was die Aussichten angeht—solange die Finanzierung gesichert ist:

„Es geht ziemlich schnell voran. Wenn wir es finanzieren können, dann wird Church den Embroy eines Wollhaarmammuts in drei Jahren bereit haben, um ihn einer kooperativen asiatischen Elefantenmutter einzupflanzen. Zwei Jahre der Trächtigkeit werden vorbei gehen und schon könnten wir nach einer langen Zeit das erste Wollhaarmammut Baby begrüßen."

Die ganze Forschung ist aber selbstverständlich nicht auf Mammuts beschränkt. Brand arbeitet an der University of California, Santa Cruz daran, dasselbe, was Church mit den Mammuts tut, mit den vor 100 Jahren ausgestorbenen Wandertauben zu machen. Dabei wollen er und seine Kollegen die Bindenschwanztaube als lebendes Surrogat einsetzten.

Auch wenn die Wiederbelebung einer Taubenspezies leichter erscheinen mag als ein Mammut-Elefanten-Hybrid hervorzubringen, so sind Brand und seine Kollegen immer noch mit der Aufzeichnung und Verbreitung der DNA der Wandertaube beschäftigt. Damit ist ihre Forschung noch in einem früheren Stadium als das Unternehmen von Church.

Brand erzählt von dem vergangenen Dasein der Wandertauben. Bild: Jason Koebler

Es mag noch einige ethische Zwickmühlen zu bedenken geben, aber nichtsdestotrotz schreiten beide Projekte mit voller Geschwindigkeit voran. In der Theorie jedenfalls ist die Technik bereits vorhanden und die Wissenschaftler werden immer besser darin zu verstehen, was welcher Teil des Genoms zu welchem Zeitpunkt bewirkt.

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein bis unser Planet nach 4000 Jahren wieder Mammuts beherbergt: „Ganze Herden von Wollhaarmammuts könnten in der Arktis leben", sagte Brand: „Wenn alles gut geht, dann könnten sie zurückkommen—und auch dann noch auf unserer Erde leben, wenn wir Menschen längst ausgestorben sind."