So werden Tiere von Geheimdiensten als Spione missbraucht

Von Katzen mit implantierten Antennen im Schwanz, Geier mit GPS-Trackern und spionierende Eichhörnchen.

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12 Mai 2015, 5:00am

Diese Katze hat nach bisherigem Kenntnisstand keine Antenne im Schwanz. Bild: Wikipedia, Hisashi | CC BY-SA 2.0

Katzen, Affen und Eichhörnchen sind nicht nur eine flauschige Freude für Groß und Klein, auch in Wissenschaft und Politik haben die Tierarten einige Pionierarbeit geleistet. Während die Rhesusaffen Alfons I und Alfons II oder die Hündin Laika als Tierastronauten selbst jedem Space-Laien ein Begriff sind, ist der Einsatz von Tieren zu Spionagezwecken jedoch nahezu unbekannt.

Erst letzte Woche wurde das Thema in dem Vortrag „Spy Animals!" auf der Berliner re:publica präsentiert und erntete in seiner Absurdität auf dem Netzpolitik-Klassentreffen einige Lacher. Doch der Missbrauch von Tieren für militärische Operationen ist weit mehr als ein längst vergangener kurioser Nebenstrang der Weltgeschichte, noch immer leiden Tiere nicht nur in Zoos, Forschungslaboren oder Zirkussen—manche von ihnen werden auch heute in Trainingszentren zu Arbeitern politischer Machenschaften herangezogen.

Acoustic Kitty

In den 1960er Jahren, inmitten des Kalten Krieges, wollte die CIA die Mata Hari unter den Fellnasen erschaffen und optimierte eine Hauskatze, die den Kreml und sowjetische Botschaften ausspionieren sollte. Das Projekt, welches von Victor Marchetti (zu sehen im nostalgisch anmutenden Interview-Video oben) geleitet wurde, kostete ganze 23 Millionen Euro und lief unter dem Codenamen: Acoustic Kitty.

Der horrende Betrag lässt eine wesentlich raffiniertere Technik erwarten als jene, die letztendlich zum Einsatz kam. In einem einstündigen chirurgischen Eingriff bekam die Mieze Mikrophone in die Ohren implantiert, einen Funksender in den Schädel und, was läge näher, der Schwanz wurde mit einem Draht zur Antenne umgebaut.

Proto-kybernetische Kamikaze-Tauben als tierischer Vorläufer von Lenkflugkörpern

Dummerweise wurde Acoustic Kitty schon beim ersten Testlauf, in dem sie zwei Männer im Park vor der sowjetischen Botschaft belauschen sollte, von einem Taxi überfahren. Daraufhin wurde das Projekt begraben, weil Katzen sich augenscheinlich schwierig zu geeigneten Spione trainieren lassen. Eine letztendlich glückliche Entwicklung für das Tier. Anstelle eines stressigen Agenten-Jobs in feindlichen Reihen und der permanenten Angst aufzufliegen, wurden ihr Mikrophone und Antenne entfernt und sie fristete bis zu ihrem natürlichen Ende ein genügsames Katzendasein.

Die Rückkehr der Kampfdelfine

Der amerikanische Militärdelfin namens KDog mit einem Ortungsgerät. Bild: Wikipedia | Public Domain

Der Kalte Krieg bot Wissenschaftlern wie auch Geheimdienstorganisationen diverse Möglichkeiten, das Wettrüsten bis in die Tier-Trainingszentren und Labore auszuweiten. Aus dieser Zeit kommen auch die zwei weltweit einzigen Marinestützpunkte mit Delfinen und auch ein paar Seelöwen, die immer noch im Dienste des Militärs für Aufklärung sorgen sollen. Eine Basis befindet sich im kalifornischen San Diego, die andere, womöglich bekanntere, auf der ukrainischen Halbinsel Krim.

Viele Legenden ranken sich um die Unterwassereinheiten, gesichert ist letztlich nur, dass der einzigartige Ortungssinn die Delfine zu hervorragenden Aufklärungssoldaten macht. Sie können Taucher und Minen lokalisieren und Ausrüstungsgegenstände finden. So wurden die amerikanischen Delfine auch im Irakkrieg zur Minensuche eingesetzt.

Was passiert mit den Delfine von Sewastopol in der Krim-Krise?

Die sogenannten „Kampfdelfine von Sewastopol" traten zum ersten Mal in den 1960er Jahren ihren Dienst an. Neben den Klassikern Aufklärung und Minensuche wurden sie gleichzeitig mit Messern und Pistolen bewaffnet, um feindliche Taucher oder Schiffe zu schädigen. Erst im vergangenen Jahr sind die militärischen Einsätze der Meeressäuger erneut in den Fokus geraten, denn nach der Annexion der Krim ist auch diese Unterwasser-Spezialeinheit der ukrainischen Seestreitkräfte zwischen die Fronten geraten und wurde an die russische Marine überführt. Wie viele Delfine sich zur Zeit im Okeanarium, einer Forschungsstation aus Zeiten der Sowjetunion, befinden ist nicht bekannt.

Die israelischen GPS-Geier

Gänsegeier mit GPS-Trackinggerät in einem isrealischen Reservat. Bild: Wikimedia, מינוזיג | CC0 1.0

2011 gab es im Nahen Osten einen Eklat um einen gefiederten Spion. In Saudi Arabien wurde ein Geier festgenommen, der ein Trackinggerät der Universität Tel Aviv trug. Der Mossad-Geier bekam das Kürzel R65 und wurde sogleich als Schlüsselcharakter in einem „zionistischen Komplott" angesiedelt. Laut der offiziellen Variante der isrealischen Regierung nahm er jedoch an einer Studie über Vogelwanderung teil und stand nicht im Dienst jeglicher Geheimorganisation.

Nur ein Jahr später wurde wieder ein israelischer Geier mit GPS-Gerät entdeckt, der diesmal angeblich den Sudan ausspionierte. Es wurde vermutet, dass der gefiederte Agent Luftbilder aufgenommen und diese nach Isreal geschickt hatte. Die israelische Nationalparkbehörde wies die Vorwürfe mit der Begründung zurück, der relativ junge Geier sei zusammen mit hundert anderen von Ornithologen markiert worden, um Flugbahn und Aufenthaltsorte festzustellen.

Vogelspione scheinen trotz aller Fehlanschuldigen immer wieder ein beliebtes 007-Flair zu versprühen, dem sich scheinbar auch andere Länder nicht verwehren können. Diese bunte Vogelschau treibt kreative Tageschronisten zu regelmäßigen Höchstleistungen. Überschriften wie „Kein Happy-End am Nil: Vogel-Spion endet im Kochtopf" oder „Der Vogel-Spion, der aus der Kälte kam" schreiben sich hier quasi von selbst.

Die Eichhörnchen-Agenten

Der klassische Observationsblick des Eichhörnchens. Bild: pixabay, skeeze | Public Domain

Anschuldigungen über isrealische Tierspione sind nicht neu und es existiert sogar eine eigene Wikipedia-Seite mit dem Titel „Israel-Related Animal Conspiracy Theories". Hier werden neben Haien vor allem jede Menge unterschiedlicher Vögel für ihre nationale Späharbeit beschuldigt, auch Insekten sollen im Dienst des Mossad stehen. Jeder animale Fehltritt wird gleich ausgiebig für ein neues Missverständnis zwischen den Nachbarvölkern ausgeschlachtet.

Auch die Eichhörnchen sind nicht so unschuldig, wie die kleinen Nüsseknacker vorzugeben versuchen. 2007 zerschmetterte der Iran einen angeblich zionistischen Eichhörnchen-Spionagering, indem die Grenzkontrolleure 14 Nager mit GPS-Trackern an der iranischen Landesgrenze hochnahmen. Die Behörde nahm die Tiere in Gewahrsam. Sofern die Geschichte stimmen sollte, wäre es der erste Fall, in dem auf Eichhörnchen-Agenten gesetzt wurde.

Die Haie des Pentagon

Wen er wohl gerade ausspähen will... Bild: Wikipedia | CC BY 2.5

Lautlose Unterwassergleiter bieten die perfekten Schleichvoraussetzungen für Spionagetätigkeiten und so setzt auch das Pentagon auf die Fischflotte. Forscher der DARPA sollen eine Art Fernbedieunung für Haie entwickeln haben, die ihren als Gehirnimplantat eingesetzt wird. Mittels dieser Cyborgerweiterung erhoffen sich die Forscher, die Bewegungen der Knorpelfische aus der Ferne zu leiten und im besten Falle auch die Sinneswahrnehmungen von der Steuerungszentrale aus mitzuempfinden.

Natürlich dient die Forschung gleichzeitig zur wissenschaftlichen Beobachtung der Tiere und ihres Verhaltens, doch die militärische Komponente scheint dennoch beträchtlich. „Durch die Fernsteuerung der Haibewegungen sollen sie als verdeckte Ermittler eingesetzt werden können", zitiert der Independent die Forscher. „Möglicherweise können sie Schiffe verfolgen, ohne entdeckt zu werden."

Die Geschichte der Tierspione ist leider auch eine Geschichte der große Leiden. Tiere wurden misshandelt, als empfindungslose Versuchsobjekte aufgeschnitten und operiert und in den seltensten Fällen hatte das Experiment ein gutes Ende für den kleinen Agenten.

Jillian York und Claudio Guanieri, die als Speaker das Thema für die re:publica aufgegriffen hatten, riefen aus diesem Grund die Petition Animals Against Spying ins leben, die ihr hier unterschreiben könnt.