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Nach dem Evolution-Scam: So wollen Darknet-Dealer ihr Vertrauensproblem lösen

Selbst im Darknet kann man niemandem mehr trauen!

von Jordan Pearson
20 März 2015, 11:35am

B​ild: ​Flickr​Karl Baron | CC BY-SA 2.0

Die letzte Woche war nicht die beste für Darknet-Drogendealer. Nachdem sich vor wenigen Tagen die Administratoren des beliebten Schwarzmarkts ​Evolution angeblich mit Bitcoins in Millionenhöhe aus dem Staub gemacht hatten, schien plötzlich allen klar zu werden, dass man nicht einmal mehr der Website eines illegalen Darknet-Shops Vertrauen schenken kann. 

Evolution ging am 17. März offline, und umgehend verbreiteten frühere Moderatoren der Seite die Kunde auf Reddit, dass die Administratoren einen ​Exit-Scam abgezogen hätten. In dem System der Seite werden die Einnahmen der Verkäufer treuhänderisch verwahrt, bevor die Bitcoins freigegeben und die Transaktion abgeschlossen werden kann. Diese Vorgehensweise des Treuhandsystems soll Betrug durch Verkäufer vermeiden, da der Austausch von Bitcoins durch Dritte vermittelt wird.

Im Fall von Evolution sieht es nun so aus, als hätten die Administratoren—nachdem Vertrauen aufgebaut war und der Treuhand-Rubel angefangen hatte zu rollen—die Kassen geräumt und sich in Luft aufgelöst.

Zwischen Ärger und Verzweiflung der Verkäufer entspann sich gleichzeitig eine Diskussion darüber, wie Vertrauen im Darknet funktionieren kann.

„Wenn du auf einen Exit-Scam reinfällst, dann warst du wohl einfach nicht besonders schlau", schrieb ein Kokshändler namens TrapHouse im Forum von Agora, welches wohl nun in die Fußstapfen von Evolution treten wird. „Wenn du nicht darauf vorbereitet bist, dass eine Seite plötzlich verschwinden kann, solltest du mal überlegen, ob Verkaufen wirklich das Richtige für dich ist."

„Nach der ganzen düsteren Geschichte des Darknet vertraue ich KEINER Seite. Dabei handele ich schon seit Silk Road-Zeiten und habe so auch den Untergang großer Märkte miterlebt", schrieb InfiniteCom, ein weiterer Händler. „Ich vertraue nicht einmal Agora, man kann KEINEM dieser Märkte trauen. Sie bestehen aus Kriminellen. Manche sind höchstens etwas ehrlicher als andere."

Die schlauen Händler, so ein Kommentar, hätten das von Anfang an kapiert. Daher hätten sie ihren Käufern entweder Anreize geboten, die Bitcoins direkt an sie zu zahlen (die Anreize sind auch nötig, denn bei der Direktzahlung besteht die Gefahr eines Exit-Scams zwischen Händler und Verkäufer—der Grund, warum es das Treuhandsystem überhaupt erst gibt) oder sie hätten das Risiko eben in Kauf genommen, dass die Evolution-Administratoren sich jederzeit mit ihren Treuhand-Bitcoins aus dem Staub machen könnten.

Eine wirklich dezentrale Lösung ist im Moment unsere einzige Option

Was also könnte einen Darknet-Markt sicher für Händler und Käufer machen, ohne dass die Möglichkeit eines Exit-Scams ständig wie ein Damoklesschwert über ihnen hängt? Eine Lösung, die von Händlern empfohlen wird, ist die Dezentralisierung des Darknet-Vertrauenssystems mithilfe eines Multi-Signatur-Treuhandservice.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was das ist.

Zuerst das Problem: Das Argument lautet, die Administratoren von Evolution und von all den anderen Seiten, die von ähnlichen Betrugsfällen betroffen waren, hätten zu viel Macht über die Treuhandgelder. Sie konnten ohne die Zustimmung der Käufer oder Verkäufer darauf zugreifen.

Ein Multi-Signatur-System würde das ein wenig aufteilen: Alle drei beteiligten Parteien—Käufer, Händler und Administrator—hätten separate „Schlüssel". Damit eine Transaktion abgeschlossen werden kann, müssen zwei der drei Parteien grünes Licht geben. In diesem System müssten entweder der Verkäufer und der Markt oder der Käufer und der Markt sich absprechen, um zu stehlen. So oder so, der Grundgedanke ist, dass keine Einzelperson genug Kontrolle hat, um sich mit einem Haufen Bitcoins davonzuschleichen.

„Ich glaube, eine wirklich dezentrale Lösung ist im Moment unsere einzige Option", schrieb mir ein Agora-Händler, EvilGrin. „Und wenn wir die erst einmal haben, dann sind wir Millionen Mal besser dran."

Doch wie alle Online-Sicherheitsmaßnahmen funktioniert ein Multi-Signatur-Treuhandservice nur, wenn ihn die Leute auch nutzen.

„Du musst bedenken, dass die Leute, die Multisig und Dezentralisierung wollen, nur ein kleiner Teil der Community sind", schrieb EvilGrin. „Solche, die das Forum nutzen. Der Großteil der Leute, die auf den Märkten kaufen, nutzen das Forum nicht einmal. Etwa 80 Prozent der Leute verwendet nicht einmal [Verschlüsselung durch Pretty Good Privacy]. Wenn sie nicht mal bei PGP durchblicken, dann viel Glück beim Versuch, ihnen zu erklären, wie Multisig funktioniert."

Die Zukunft der Darknet-Märkte sieht nach Evolutions angeblichem Untergang—es besteht eine geringe Möglichkeit, dass die Seite zurückkehrt—ungewisser aus denn je. Es scheint, als seien Schutzmaßnahmen, die Vertrauen garantieren, der einzige Weg, sie zu sichern. Doch es wäre ein angespanntes, dezentralisiertes Vertrauen— letztlich, weil niemand irgendjemandem vertraut.