Fußball

Es ist erschreckend, was aus dem Maracanã geworden ist

Eine brasilianische Reporterin hat sich Zugang zum heiligen Fußballtempel verschafft und ist mit traurigen Bildern wiedergekommen. Spannend ist auch die Frage: Wo sind 7.000 Sitze hin?
13.1.17

Das sagenumwobene Maracanã befindet sich aktuell in einem Zustand, der jedem Fußballfan—von Groundhoppern erst gar nicht zu sprechen—Tränen in die Augen treiben wird—und das, obwohl erst vor einigen Jahren 300 Millionen Euro in die Hand genommen wurden, um das Stadion für die WM und Olympia zu modernisieren. Eine Journalistin des brasilianischen TV-Senders O Globo hat sich Zugang zum bekanntesten Stadion Rios verschafft und dabei verdammt trostlose Bilder festgehalten. „Der Geruch von Schimmel war nicht zu leugnen", erklärte O Globo-Reporterin Carolina Oliveira Castro.

Dass man das Stadion verkommen ließ, ist an allen Ecken und Enden unübersehbar. Angefangen damit, dass seit Olympia rund 7.000 Sitze spurlos verschwunden sind. Außerdem wurden auch noch Feuerlöscher und Fernsehbildschirme geklaut. Am Schlimmsten steht es aber um den Rasen, der von der Sonne komplett versengt wurde. „Ich konnte ohne Anstrengung ganze Rasenstücke mit meinen Füßen rausheben. Der ist nicht mehr bespielbar", lautet das Urteil der Journalistin.

Was nach Olympia bleibt: Milliarden Schulden, Verwaiste Sportstätten und Zukunftsangst

Aktuell kann fast jeder ins Maracanã reinspazieren, da die Überwachung des Stadions seit November und dem Ende der brasilianischen Meisterschaft drastisch runtergefahren wurde (sowohl Flamengo als auch Fluminense tragen dort ihre Heimspiele aus). Und keiner weiß, wer für die Kosten der Instandhaltung aufkommen soll. Dem Olympischen Komitee des Landes wird vonseiten der Stadtverwaltung vorgeworfen, das Maracanã dem Verfall überlassen zu haben. Das wehrt sich, indem es behauptet, seine Pflicht erfüllt zu haben, indem es die Instandhaltung bis zum Ende der Paralympics gesichert hat.

Die Stadt Rio und der Brasilianische Fußballverband (CBF) wollen sich am 17. Januar zusammensetzen, um eine Lösung für das Maracanã zu finden. So meinte schon ein CBF-Sprecher zur lokalen Presse: „Die Unsicherheit, was die Gegenwart und die Zukunft betrifft, wird größer und größer."

Fotos via emol.com.