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Wem gehören die Tattoos der NBA-Stars?

Der Bestseller „NBA 2K 16" wirbt mit extrem detailgetreuer Darstellung—auch mit den Tattoos von LeBron und Co. Blöd nur, dass die Bildrechte bei einer Tattoofirma liegen. Die hat jetzt Klage eingereicht und löst eine Grundsatzdiskussion aus.

von Markus Hofmann
03 Februar 2016, 4:00pm

Foto: Imago

Gamer werden wissen, dass bei der aktuellen Ausgabe der beliebten „NBA2K"-Serie besonders viel Sorgfalt in die Darstellung der Basketballstars gesteckt wurde. Dazu gehört auch der individuelle Körperschmuck, sprich die Spieler-Tattoos. Doch genau deswegen droht dem Videospielhersteller Take-Two Interactive juristisches Ungemach. Denn wie wir seit heute wissen, liegen die Bildrechte an einigen Tattoos bei einem Unternehmen aus den USA, Solid Oak Sketches. Und die haben am Montag bei einem New Yorker Bundesgericht Schadensersatzklage wegen Copyright-Verletzung eingereicht. Solid Oak fordert 1,1 Millionen Dollar.

Der rechtliche Streit dreht sich um insgesamt acht Tattoo-Motive der NBA-Stars LeBron James, Kobe Bryant, DeAndre Jordan, Eric Bledsoe und Kenyon Martin. Für diese Motive hatte sich das US-Unternehmen das Urheberrecht gesichert, weswegen man jetzt gegen die virtuellen Nachbildungen der geschützten Tätowierungen gerichtlich vorgeht.

Dass es überhaupt so weit kommen musste, liegt nach Angaben von Solid Oak am Spiele-Publisher. Schon im Juli sollen die Anwälte von Solid Oak einen Brief an Take-Two geschrieben haben, in dem sie darauf hinwiesen, dass ihre copyrightgeschützten Motive in den Spieljahrgängen 2014 und 2015 vorkommen. Damals bot man Take-Two an, die Sache für rund 800.000 Dollar aus der Welt zu schaffen. Alternativ könne man für die Zahlung von rund 1,4 Millionen Dollar auch eine Dauerlizenz erwerben. Weil eine zufriedenstellende Antwort ausblieb, folgte jetzt die Klage.

Laut Solid Oak würde die geforderte Summe auch deswegen so hoch ausfallen, weil eines der copyrightgeschützten Tattoos—ein Kinderportrait auf LeBrons linkem Unterarm—das Cover von NBA 2K14 schmückt. Doch das ist nicht der Hauptgrund: Denn der eigentliche Vorwurf besteht darin, dass der Videospielhersteller von den Tattoos wirtschaftlich profitiert haben soll, wenn auch nur indirekt. So würden die hervorragenden Verkaufszahlen von 2K16 vor allem mit der extrem detailgetreuen und realistischen Grafik zusammenhängen, für die man auch mit den Spieler-Tattoos geworben hatte.

Die Klage hat in den USA eine Grundsatzdebatte ausgelöst, obwohl die Frage auch für unsere Längengrade äußerst relevant ist: Wem „gehören" eigentlich deine Tattoos?

Es mag ein bisschen albern klingen, dass jemand das Copyright für Motive besitzt, die auf deiner Haut prangen. Andererseits steht im US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz auch nichts, was dagegen spräche bzw. eine andere Behandlung vor dem Gesetz rechtfertigen würde. Gleichzeitig halten andere Rechtsexperten dagegen, dass tätowierte Personen mit einer „implizierten Lizenz" für ihre Tattoos ausgestattet werden. Mit anderen Worten verzichtet der Künstler—sobald die Tinte erst einmal getrocknet ist—auf jedwedes Mitbestimmungsrecht, inwiefern sein Kunstwerk in der Öffentlichkeit benutzt werden kann. Denn auch wenn die Arbeit rein technisch gesehen unter Copyrightschutz steht, wäre es eine Verletzung der persönlichen Freiheit, einer Person wegen eines Tattoos zu verbieten, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Was das konkret heißt? Nun ja, Grundrecht fickt Urheberrechtsverletzung, was für die Schadensersatzforderung von Solid Oak das Aus bedeuten würde.

Und dann wäre da noch der folgende Punkt: Lasst uns kurz annehmen, LeBron und sein Tattoo-Artist haben das Motiv zusammen entworfen. Besitzen damit beide die geistigen Eigentumsrechte? Braucht LeBron eine Erlaubnis vom Künstler, um in einem Videospiel mitsamt seinen Tattoos mitzuwirken? All diese Fragen wurden bislang von keinem US-Gericht geklärt. Es bleibt also spannend.

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