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Die Auswärtsfahrer-Tabelle und welche wichtigen Erkenntnisse sie gibt

Eine Fanseite veröffentlichte die durchschnittliche Anzahl von Auswärtsfans der einzelnen Bundesligisten. In dem Ranking steht Darmstadt 98 überraschend vor der großen Eintracht und zwei Krösus-Klubs sind Letzter.
25.5.16

Die Bundesliga-Saison ist vorbei, Meister sowie Auf- und Absteiger stehen fest. Die Facebookseite „Traditionsvereine" veröffentlichte zum Saisonabschluss ebenfalls eine Tabelle: Die Auswärtsfahrer-Tabelle. Das Ranking listet die Auswärtsfans aller Bundesligisten im Schnitt pro Spieltag auf und sorgt damit für einige Überraschungen. Auch wenn die Zahlen laut Angaben der Facebookseite durch Informationen von „Fanbeauftragten, Vereinen und Presseberichten" natürlich nur ungefähre Richtwerte sind, lassen sich aus der Tabelle einige interessante Erkenntnisse ziehen:

Erfolg ist für Anzahl der Auswärtsfans weniger entscheidend

Die Traditionsvereine binden auch in schlechten Zeiten viele Fans: Borussia Mönchengladbach konnte nur vier Spiele in der Ferne gewinnen und landete auf Platz 12 der Auswärtstabelle. Trotzdem stehen sie mit durchschnittlich über 5000 Gästefans auf Platz drei der Rangliste. Die Anhänger von HSV und Werder Bremen gehörten ebenfalls zu den reisfreudigsten Auswärtsfahrern—trotz Herumdümpeln im Tabellenkeller. Anders war es in Leverkusen, Berlin, Ingolstadt oder Mainz: Die spielten in einer starken Saison über den eigenen Erwartungen und tauchen trotzdem nicht in der Top-10 auf.

Traditionsklubs sind nicht regional gebunden

Auf den ersten sechs Plätzen der Auswärtsfahrer-Rangliste stehen nur große Traditionsvereine aus der Top-7 der ewigen Bundesligatabelle. Nicht nur der FC Bayern und Borussia Dortmund, sondern auch Gladbach, HSV, Schalke und Bremen profitieren davon, dass nicht nur Fans aus der eigenen Region, sondern aus ganz Deutschland zu den Auswärtsspielen anreisen. Das füllt den Gästeblock viel leichter.

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Darmstadt 98 ist heiß begehrt

Die Lilien tauchen auf Platz 7 in der Auswärtsfahrer-Tabelle auf und stehen sie nicht nur vor den Zuschauermagneten aus Köln und Stuttgart, sondern auch vor dem Rivalen aus Frankfurt. Das hat viele Gründe: Darmstadt liegt mitten in Deutschland und somit gibt es vergleichsweise kürzere Anfahrtswege als etwa Vereine aus dem Süden oder Norden. Dazu kommt, dass das kleine Stadion am Böllenfalltor in 13 Spielen ausverkauft war und es meist nur im Auswärtsblock noch Karten gab. Viele Fans mussten sich den sympathischen Aufsteiger auswärts anschauen. Zudem entfachte die Aufstiegs-Euphorie ein ganz besonderes Interesse: Fast alle Stadien haben die Darmstädter Fans noch nie zum Auswärtsspiel besucht und die Lilien-Anhänger mussten immer davon ausgehen, dass sie eventuell nach einer Saison wieder absteigen.

Sympathisanten schlagen Assis

Zusätzlich zum oben erwähnten Run auf den SV Darmstadt führten noch andere Gründe dazu, dass mehr Lilien- als Eintracht-Fans durch die Republik fuhren: Die Frankfurter durften im Derby keine Gästefans mitbringen und während sie in den beiden englischen Wochen auswärts antraten, spielten die Lilien zu Hause. Was wohl auch irgendwie ausschlaggebend gewesen sein könnte: Darmstadt beendete die Saison als viertbestes (!) und die Eintracht als schlechtestes Auswärtsteam der Liga.

Schwaben sind anspruchsvoll

Der VfB Stuttgart ist im Ranking „nur" Zehnter—obwohl man den sechsthöchsten Zuschauerschnitt zu Hause hat. Das liegt einerseits am Boykott beim Auswärtsspiel in Bremen und der nicht so zentralen geographischen Lage in Deutschland. Andererserseits sind die schwachen sportlichen Auftritten der Mannschaft dafür verantwortlich, dass einem Teil der Stuttgart-Fans die Lust aufs Reisen verging. Böse Zungen behaupten sogar, dass diese zu anspruchsvoll sind. Schließlich blieben zuhause häufig viele Teile der Tribünen leer.

Hertha steht zwischen den Stühlen

Nicht nur der Zuschauerandrang vor heimischer Kulisse bleibt bei Hertha BSC Berlin ausbaufähig. Trotz einer durchaus starken Saison, auf der man zwischenzeitlich auf Champions-League-Kurs war, steht der Hauptstadtklub nur auf Platz Elf der Auswärtsfahrer-Tabelle—und somit zwischen den Traditionsklubs und den kleinen Vereinen. Das liegt vor allem an der geographischen Lage: Die Hertha-Fans kommen aus Berlin oder dem Berliner Umland und kein Auswärtsspiel liegt näher als 200 Kilometer. Die Anfahrtswege sind dementsprechend weit.

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In Bayern viel neues

Der erst 12 Jahre alte FC Ingolstadt spielte eine gute Saison und brachte sogar mehr Auswärtsfans als Rivale Augsburg oder auch Hoffenheim und Wolfsburg mit. Das liegt an der starken Saisonleistung, der Euphorie des Aufstiegs und den neuen Stadion-Hotspots. Nach der starken Vorsaison und den ernüchternden Ergebnissen in dieser Spielzeit verpulverten einige Augsburger Fans wohlmöglich auch viel Geld und noch mehr Urlaubstage für die gut besuchten Europa-League-Auswärtsspiele und blieben in der Liga öfter mal zu Hause.

Retortenvereine müssen Leistung zeigen

Abgeschlagen (!) auf den letzten beiden Plätzen stehen der VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim. Die hochambitionierten Vereine mit den prall gefüllten Geldbeuteln spielten beide unter den eigenen Ansprüchen. Wolfsburg ist 17. in der Auswärtstabelle und Hoffenheim nur 15. Das hat sich schmerzhaft auf die ohnehin schon wenigen Auswärtsfahrer ausgewirkt. Mit einem Schnitt von unter 700 Auswärtsfans ständen die Vereine selbst in der zweiten Bundesliga auf den letzten fünf Plätzen.

Boykotte und reduzierte Gästekartenkontingente verfälschen Statistiken

In den Derbys zwischen Mönchengladbach und Köln, dem BVB und Schalke oder Darmstadt und Frankfurt gab es Fan-Boykotte, reduzierte Gästekartenkontingente oder auch gar keine Gästetickets. Zudem können die Zahlen wegen andere fans in anderen Blöcken variieren.