fankultur

Gezogenes Teppichmesser und bewusstlos geschlagener Fan: Schwere Vorwürfe gegen RB-Ordner

Nach dem Spiel des HSV in Leipzig sollen Sicherheitsleute systematisch auf Hamburger Fans losgegangen sein. Die Polizei schaute dabei angeblich nur zu.
15.2.17
Foto: Imago

Eigentlich gäbe es für die HSV-Fans genug zu feiern: Die Hamburger konnten am Samstag das Auswärtsspiel bei RB Leipzig fulminant mit 3:0 gewinnen und haben nun ein Drei-Punkte-Polster vor dem Relegationsplatz. Einigen Fans verging jedoch die Freude über diesen wichtigen Dreier beim ungeliebten Liga-Neuling. So soll es im Bereich des Stadions zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen Ordnern und HSV-Fans gekommen sein – während die Polizei wohl nur zuschaute. Das HSV-Fanprojekt sowie die Fanhilfe Nordtribüne erheben nun in Stellungnahmen schwere Vorwürfe gegen den Sicherheitsdienst in der Arena von RB Leipzig sowie gegen die Beamten vor Ort.

Anzeige

„Nachdem HSV-Fans im Gästeblock im Oberrang Pyrotechnik einsetzten, wollten Ordner offenbar versuchen, nach dem Spiel einzelne Personen aus der HSV Fanszene herausziehen, um die vermeintlichen Täter festzusetzen", heißt es in dem auf Facebook veröffentlichten Text des Fanprojekts. Als die aktive Fanszene das Stadion verlassen wollte, sollen Ordner auf die Fans gewartet haben und nur eine schmale Gasse zum Ausgang gelassen haben. Dort soll es zu „einer ersten Ingewahrsamnahme" gekommen sein, wodurch Proteste der Fans und „handfeste Auseinandersetzungen" folgten. „Die Gruppe der Fans wurde auseinander getrieben und einzelne Ordner attackierten HSV-Fans mit den Fäusten, um sich danach wieder in die Ordnerreihen zu begeben", heißt es. „Danach bauten sie an den Treppenaufgängen zum Wall hoch in Richtung Ausgang Ordnerreihen auf, auch hier wurde auf die HSV-Fans eingeschlagen. Nachdem Fans auf den Wall flüchteten, baute sich dort ebenfalls eine Reihe Ordner auf. Nach dem Übergriff lag mindestens ein verletzter Fan auf dem Wall, der bewusstlos geprügelt wurde und von Sanitätern behandelt werden musste."

„Es wurden hierbei keineswegs nur Ultras in die minutenlangen Auseinandersetzungen verwickelt, sondern auch viele weitere – teilweise minderjährige – HSV-Fans", berichtet die Fanhilfe Nordtribüne in ihrer Stellungnahme über die Zustände in Leipzig. „Die Ordner setzten hierbei zum Teil Fahnenstöcke der HSV-Fans zum Schlagen ein. Auch ein Teppichmesser wurde durch einen Ordner kurz gezogen, aber zum Glück nicht eingesetzt. Einzelne Ordner versuchten das Filmen der Situation zu verhindern." Ein Video der Vorfälle landete jedoch mittlerweile im Internet.

Jedoch kritisierten sowohl die Fanhilfe Nordtribüne als auch das Fanprojekt nicht nur die Ordner des Bundesligisten aus Leipzig. „Es war zu beobachten, dass eine Vielzahl von Polizisten in unmittelbarer Nähe standen und lediglich passiv das Geschehen verfolgten, ein Eingreifen erfolgte zunächst nicht", so das Fanprojekt. „Wir stellen uns die Frage, warum die Polizei die Arbeit der Ingewahrsamnahmen den Ordnern überlässt, die im Zweifel weniger geschult sind und darüber hinaus keine hoheitlichen Befugnisse haben."

Laut MoPo soll die Festnahme zweier Ultras der Auslöser für die Auseinandersetzungen gewesen sein. Das Fanprojekt kommentierte dazu nur: „Ob dieses Ergebnis den brutalen Einsatz rechtfertigt, bezweifeln wir." Wie die MoPo berichtet, sollen die Ultras „mit Fahnenstöcken auf die Ordnungskräfte eingeprügelt haben". Jedoch auch, dass „mehrere Augenzeugen berichten, dass einer von ihnen ein Messer gezückt haben soll". Die Polizei Sachsen hatte vorab schon gegen diverse im Internet verbreitete Nachrichten Stellung bezogen: „Die Auseinandersetzung ist der Einsatzleitung in der geschilderten Form nicht bekannt", erklärte die Polizei Sachsen auf Twitter. „Bekannt ist lediglich, dass es nach dem Spiel auf der Dammkrone hinter dem Gästeblock zu einer Auseinandersetzung zwischen einzelnen Fans des HSV und dem Ordnerpersonal kam. Diese wurde durch die Polizei beendet. Ein verletzter Fan des HSV wurde behandelt und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung." RB Leipzig war laut Leipziger Volkszeitung am Dienstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

@pitgottschalk @DieRotenBullen @HSV @mario_Leip @maikhightower pic.twitter.com/Cf1itBj0F2
— Polizei Sachsen (@PolizeiSachsen) 13. Februar 2017

Das Fanprojekt hingegen erklärte, die Vorgänge seien „in verschiedenen Medien, von der Mopo bis hin zum Twitterdienst der Polizei Sachsen, in einer Weise dargestellt wurden, die vorsichtig ausgedrückt nicht ganz unserer Wahrnehmung entsprechen." Die Fanhilfe Nordtribüne nannte die Aussagen der Polizei eine „große Frechheit".

Zum Abschluss bezog sich das HSV-Fanprojekt auf die Aktion der Leipzig-Anhänger gegen Gewalt und stellte eine Forderung auf den Bundesligisten auf. „Wir fordern RB Leipzig auf, diese Vorfälle aufzuklären und auch im Gästebereich des eigenen Stadions für einen friedlichen Fußball, den sie zu Recht von anderen Bundesligisten einfordern, einzusetzen." Zumindest das Ziel dürfte für alle Beteiligten gleich sein…