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Diese Videos zeigen, warum Martin Schulz Kanzler werden könnte

Er hat Berlusconi zum Toben gebracht, Martin Sonneborn gelobt und Rassisten aus dem Parlament geschmissen. Der SPD-Kanzlerkandidat erklärt anhand von Videos.

von Daniel Frevel
26 Januar 2017, 2:24pm

Titelfoto: imago | Müller-Stauffenberg

Man könnte es so sagen: Martin Schulz hat Street Credibility. Der künftige SPD-Kanzlerkandidat musste mehrmals die Klasse wiederholen, hat kein Abi und war in seinen Zwanzigern Alkoholiker. Nicht die besten Voraussetzungen für eine politische Karriere, aber er hat es trotzdem geschafft. Und genau das macht ihn so beliebt – im Moment, so aktuelle Umfragewerte, würde er genauso viele Stimmen bekommen wie Merkel.

Der Mann mit den verträumten Froschaugen und dem deutschesten aller Namen hat es in der Vergangenheit vor allem mit engagierten und witzigen Aktionen in deinen Feed geschafft, die allesamt eines aussagen: Der Typ ist auf dem Teppich geblieben. Hier sind die Highlights:

Berlusconi und Schulz in "Der Rhetoriker und das Biest"

Einen Macho sticht man mit Intelligenz. Der ehemalige italienische Präsident Silvio Berlusconi übernahm 2003 den Vorsitz in der EU. In seiner Antrittsrede verglich er Schulz mit einem KZ-Wärter. Daraufhin sagte Schulz, es sei sehr schwer zu akzeptieren, dass Berlusconi als Ratspräsident bei einer widersprüchlichen Debatte so schnell die Contenance verliere. Das saß. Berlusconi tobte und begann wutentbrannt in sein kleines Plastikmikrofon zu schreien, es sei "Ironie!!!" gewesen – und wurde dabei nur noch röter.

Rassist wird rausgeworfen

"Der Türke ist wie der Hund" und "Er ist schmutzig", sagte der rechtsextreme griechische Politiker Eleftherios Synadinos im EU-Parlament. Schulz schmeißt ihn raus, er wolle nicht, dass Rassismus salonfähig gemacht wird. Synadinos will aber nicht aufstehen, sodass Schulz die Saaldiener rufen muss, die ihn dann hinaus begleiteten. Indem er die provozierenden Zwischenrufe der umliegenden Rechten ignoriert, macht Schulz klar, was er von Rechten und deren Aussagen hält. Solche Rausschmisse sind extrem selten, Schulz jedoch schreckte davor nicht zurück. Auch 2014 schmiss er einen Abgeordneten raus, weil der nicht aufhören wollte rumzubrüllen.

Farage will Schulz verprügeln, der aber will lieber reden

UKIP-Politiker Nigel Farage war jahrelang der Kämpfer für den Brexit im EU-Parlament. Logisch, dass er Martin Schulz nicht leiden kann, schließlich ist der FÜR ein lebendiges Europa und will die EU nicht zerstören. Blöd nur, dass Farage seine Abneigung gegenüber dem Parlamentspräsidenten in deutliche Worte fasste und dabei heimlich gefilmt wurde. Farage sagte, er wolle "Schulz mal durch den Parlamentssaal folgen und ihm dann eine reinhauen." Danach lacht er.

Schulz ist eher bekannt für diplomatische Wege. Als Farage in einer Sitzung einmal anderen Ländern Nationalismus vorwarf, antwortete Schulz: "Den Nationalismus in diesem Haus propagieren diejenigen, die ihre Flaggen auf ihre Sitze stellen, um ihren Nationalismus hier zu dokumentieren, und soweit ich weiß, gehören Sie auch dazu." Für diese parteiische Aussage wurde Schulz gerügt.

Anruf von der "geilen Sau"

Matthias Zeller ist der Juso-Vorsitzende in Mannheim und bekennender Schulz-Fan. In einem WDR-Beitrag rutschte ihm, vermutlich vor lauter Euphorie, der Satz raus: "Martin Schulz ist einfach eine geile Sau." Am Nachmittag klingelte dann das Telefon und wer war dran? Logisch, Schulzi, wie ihn die Mannheimer Jusos nennen. Er bedankte sich für die Unterstützung und kündigte einen Besuch bei ihnen an.

Lob für Sonneborn, Schutz für Böhmermann

Martin Sonneborn rettet regelmäßig die Welt. Das weiß wirklich jeder, sogar Martin Schulz. Auf einer Pressekonferenz lobte er den Satiriker und Parteivorsitzenden der Partei Die PARTEI. Er sei sehr lustig und er finde ihn "wirklich wunderbar", sagte Schulz fast schon verliebt – was Sonneborn allerdings als eine Beleidigung auffasste.

Auch Jan Böhmermann nahm er entschieden in Schutz nach den Anfeindungen durch den türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Er sagte der Bild-Zeitung: "So nicht, Herr Erdogan, Satire ist ein Grundelement der demokratischen Kultur." Dass Berlusconi Schulz vorwarf, er habe keinen Sinn für Humor (siehe oben), können wir also wirklich nicht nachvollziehen.

Mit diesem Gegenkandidaten verspricht das ein spannender Bundestagswahlkampf zu werden und auch die Kanzlerin freut sich bereits auf Martin "bodenständig" Schulz:

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