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Sex

Lesben sprechen darüber, warum Lesben-Pornos so beliebt sind

"Lesbian Porn" ist zum zweiten Jahr in Folge der am häufigsten eingetippte Pornhub-Suchbegriff. Aber wie denken homosexuelle Frauen darüber?

von Amelia Abraham
19 Januar 2017, 4:15am

Foto: Zwei "Lesben" bei den UK Porn Awards | Jamie Lee Curtis Taete

Anfang des Monats hat die einschlägige Internetseite Pornhub die 2016 gesammelten Daten in einer umfassenden Statistik veröffentlicht. Und zum zweiten Jahr in Folge konnte "Lesbian Porn" den Titel als beliebtester Suchbegriff einheimsen—dicht gefolgt von "Step-Mom". Das liegt wohl daran, dass Lesben-Pornos sowohl bei Männern als auch bei Frauen hoch im Kurs stehen. So haben nordamerikanischen Frauen mit einer 86 Prozent größeren Wahrscheinlichkeit nach "Lesbian" gesucht als nordamerikanische Männer. "Step-Mom" ist hingegen ein Genre, das eher Männer interessiert.

Aber warum turnen zwei Paar Brüste, die sich aneinander reiben, so viele Menschen an? Vielleicht liegt die Antwort auf der Hand. Aber wir wollten trotzdem auf Nummer Sicher gehen und haben tatsächliche Lesben gebeten, uns ihre Gedanken zu diesem Thema zu verraten. Finden sie es ekelhaft oder schmeichelhaft, dass sich Männer zu dem sehr persönlichen Akt der Liebe zwischen zwei Frauen einen runterholen? Oder haben Lesben-Pornos nur so wenig mit tatsächlichem Lesben-Sex gemeinsam, dass ihnen das Ganze egal ist?

Penny, 27

Ich finde "Step-Mom" viel aufregender als "Lesbian", weil das noch ein bisschen von der Norm abweicht. Lesbische Liebe wird in der Gesellschaft immer akzeptierter und deshalb geht auch dieser "Was macht ihr Mädels da hinter verschlossenen Türen?"-Zauber verloren.

Dass es an der Spitze der Liste steht, enttäuscht mich ein bisschen. Das reflektiert nämlich Objektivierung und bekräftigt die Vorstellung, dass das Ganze "anders" ist. Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Menschen Lesben-Pornos schauen, dann kommt mir immer wieder ein Gedanke: "Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen." In anderen Worten: Man kann nicht zum einen sagen, dass Lesben-Sex unnormal ist, und sich zum anderen dann dazu einen feilen. Vielleicht wird Lesben-Sex deswegen auch so untergeordnet, denn wenn man eine Sache auf eine niedrigere Stufe stellt, dann kann man diese Sache ausnutzen—und das wird mit Frauen schon seit jeher so gemacht. Inzwischen ist auch unser Geschlechtsverkehr davon betroffen. Ob Männer so lernen, wie Lesben-Sex tatsächlich aussieht und dass es auch ohne sie im Bett krachen kann? Doch die Frage ist, ob solche Pornos wirklichen Lesben-Sex zeigen. Lesben sind bei der Auswahl ihrer Lesben-Pornos meiner Meinung nach anspruchsvoller, weil ihnen die Authentizität wichtiger ist. Da geht es mehr in die Amateur-Richtung. Unterm Strich können Lesben-Pornos Männern nicht zeigen, wie Lesben-Sex wirklich aussieht, weil Lesben-Sex eben nicht für Männer bestimmt ist. Und sobald dieser Fall eintritt—wie bei Pornos—, dann ist es nicht mehr das Gleiche. Sorry, liebe Männerwelt!

Sophie, 30


Natürlich sind Lesben-Pornos am beliebtesten! Männer stehen drauf, weil sie da einen Steifen haben können, ohne sich durch den Ständer eines anderen Typen gestört zu fühlen. In diesem Bild sehen sie aber nicht nur eine Gefahr für ihre Heterosexualität, sie beziehen es auch auf Slut-Shaming: Was macht eine Frau so "unrein"? Die ganzen dreckigen Pimmel, die in sie eindringen. Männer lieben ihre eigenen Penisse, aber andere Schniedel finden sie ekelhaft. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann halten die Handlungen vieler Lesben-Pornos an der Heteronormativität fest, denn die Frauen begrabbeln sich erst stöhnend und dann kommt am Ende ein Mann um die Ecke und macht mit seinem Penis alle glücklich.

Ich persönlich schaue keine Pornos, weil ich wissen muss, ob den Darstellerinnen beim Dreh auch nichts passiert ist. Und das lässt sich nur schwer feststellen. Außerdem soll mich nichts anturnen, das ekelhafte Männer geil finden, mit denen ich niemals etwas zu tun haben will. Und Online-Lesben-Pornos sind doch nie für Lesben gedacht, oder? Ich kenne keine tatsächliche Lesbe, der so etwas gefällt. Die Darstellerinnen haben lange Fingernägel! Für mich ist der attraktivste Aspekt von Lesben, dass sie die eigene Sexualität aktiv in die Hand nehmen, wenn sie sich outen, gegen den Strom schwimmen und andere Frauen begehren. Das alles trifft jedoch nicht zu, wenn sich zwei eigentlich heterosexuelle Frauen gegen Bezahlung vor der Kamera "vergnügen". Ich freue mich schon auf eine Zukunft, in der Lesben genauso stark respektiert wie fetischisiert werden—und in der Porno-Darstellerinnen sich vor dem Fingern die Nägel schneiden müssen.

Emma, 26

Ich habe schon nach "Lesbian Porn" gesucht, aber ich bin auch nicht mehr dazu berechtigt, solche Filme zu schauen, nur weil ich selbst mit Frauen schlafe. Mein Beweggrund ist aber der gleiche: Ich will masturbieren. Gleichzeitig bevorzuge ich authentischen Lesben-Sex. Viele der Szenen, die als Lesben-Sex verkauft werden, finde ich null erregend und deshalb muss ich mich an einem sehr spezifischen Genre bedienen. 

Der männliche Blickwinkel macht den Unterschied. Viele Lesben-Pornos sind implizit oder explizit für Männer gedacht—implizit, wenn der Kameramann mit den beiden Darstellerinnen redet und so Teil der Story oder des Dialogs ist, und explizit, wenn zwei Frauen rummachen und dann ein Typ dazukommt und aktiv mitmischt. In den Mainstream-Lesben-Pornos sieht der Sex auch anders aus: Cunnilingus ist zwar ähnlich, aber häufig haben die Mädels offensichtlich keine Ahnung, was sie da machen, und der Orgasmus wirkt vorgetäuscht. Bei meinen bevorzugten Pornos wird vielleicht auch viel geschauspielert, aber hinter der ganzen Produktion stehen normalerweise Frauen, die Darstellerinnen scheinen mehr Spaß zu haben und sie sehen dazu "lesbischer" aus. Ach ja, im Hintergrund wartet auch nie ein Mann auf seinen Einsatz.

Ich glaube, dass Männer von dieser Art der Pornos einiges lernen könnten. Vielleicht entwickeln sie so mehr Respekt vor Lesben-Sex und mehr Akzeptanz für die echten Körper ihrer Freundinnen. Allgemein könnte das Ganze mehr informativ als unterdrückend sein.

Bryony, 27


Es überrascht mich nicht, dass "Lesben"-Pornos so beliebt sind. Die Leute finden Sachen faszinierend, die ihrer Ansicht nach nicht den "normativen" Konventionen entsprechen. Sie lieben es, sich mit dem "Anderen" zu beschäftigen, indem sie darin eintauchen und sich zweimal täglich dazu befriedigen. Ich glaube, dass das Ganze einigen Menschen hilft, eine "Leere" zu füllen. Das ist der Wunsch, sich einzumischen und seine Begehren auf eine Szene zu projizieren, in der man weder wirklich gebraucht wird noch erwünscht ist. Wenn zwei Frauen Sex haben, dann hat ein Mann da nichts zu suchen. Und was ist denn aufregender, als sich in eine Unterhaltung einzubringen?

Bei heterosexuellen Frauen, die nach so etwas suchen—und davon gibt es bestimmt viele—, spielt  die Neugier eine gewisse Rolle. Es heißt immer, dass naive, junge Männer unbedingt wissen wollen, was Lesben da im Bett machen. Wir vergessen jedoch oft, dass sich viele verschiedene Menschen diese Frage stellen, nicht nur ahnungslose Heteros jüngeren Alters. Das ist frustrierend und lässt sich auf die allgemeine Sexualerziehung zurückführen. Außerdem basiert das alles auf einem heteronormativen Modell, bei dem substantielles und ausgereiftes Wissen über andere Sexualpraktiken oft fehlt. Weniger Leute würden sich Lesben-Sex anschauen, wenn wir alle besser darüber Bescheid wüssten.

Für mich sind Lesben-Pornos nicht objektivierend, weil da weder ich noch meine sexuellen Partnerinnen dargestellt werden. Meiner Meinung nach haben wir das Recht, uns Dinge anzuschauen, die im Einverständnis und nach ethischen Maßstäben entstanden sind. 

Lana, 23

Ich bin nicht oft auf "Mainstream"-Porno-Seiten unterwegs, weil ich mich dabei nicht wohl fühle. Die Grenzen der Einwilligung verschwimmen und man kann sich nie sicher sein, dass da mit den Darstellern und Darstellerinnen alles OK ist, wenn man auf dem Bildschirm nur eine Ansammlung von Tausenden Videos mit Titeln wie "Junge Studentin wird hart gefickt" sieht. Ich bin aber überrascht, dass es Lesben-Pornos auf Platz eins geschafft haben.

Ich weiß, dass es viele heterosexuelle Frauen gibt, die sich Lesben-Pornos anschauen, weil da der Fokus mehr auf den Frauen und deren Vergnügen liegt als in Mainstream-Hetero-Pornos. Ich wette, dass dieses Genre so beliebt geworden ist, weil inzwischen mehr Frauen Pornos schauen. Die weibliche Sexualität wird heutzutage ja auch viel intensiver diskutiert und gefördert. Frauen fühlen sich also zu diesem Suchbegriff hingezogen, weil sie mehr über ihr eigenes sexuelles Vergnügen lernen wollen oder weil unsere Generation sexuell gesehen so flexibel ist. Dazu kommen dann natürlich noch die Männer, die sich das Ganze reinziehen, um queere Beziehungen zwischen Frauen zu fetischisieren.

Von meinen queeren Freundinnen schauen sich nur wenige "Lesben-Pornos" an. Die meisten finden dieses Genre eher witzig, weil alles so falsch dargestellt wird. Außerdem ist in vielen einschlägigen Szenen nicht wirklich zu erkennen, dass da alles aus eigenen Stücken passiert. Stichwort "dubiose Machtverhältnisse" und "Leute mit einem Trick dazu bringen, Homo-Sachen zu tun". Darum sollte es nicht gehen. Ich glaube, dass viele queere Frauen mit solchen Dingen nicht einverstanden wären. Wir brauchen mehr gesunde und realistische Darstellungen von sexuellen Beziehungen. Das liegt allein in der Hand der Produzenten und sollte nicht allzu schwer sein.

Meiner Meinung nach hat der in Mainstream-Pornos dargestellte Lesben-Sex dazu beigetragen, dass es Männer akzeptabel finden, zwei Frauen auf der Straße oder in einer Bar mit den Worten "Euch würde ich gerne mal zuschauen" anzusprechen oder zu einem Dreier aufzufordern. Mir ist es außerdem schon zigmal passiert, dass Männer mich ungefragt beim Küssen fotografierten, weil sie es so "heiß" fanden. Pornos schüren dieses Anspruchsdenken nur noch weiter, weil Männer durch sie glauben, dass queere Frauen das nur für sie machen und nicht für sich selbst. Um "Lesbian Porn" als Suchbegriff Nummer eins einen wirklich revolutionären Anstrich zu geben, müssen tatsächliche LGBTQ-Frauen darin mitspielen und als Produzentinnen auftreten. Nur so wird das Ganze authentisch und liegt nicht mehr in der Hand eines spitzen Heteros, der nur sehen will, wie sich zwei heterosexuelle Frauen—die natürlich seinen Schönheitsidealen entsprechen—einander an den Titten rumspielen.

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