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Die traurige Geschichte hinter dem viralen Video der Drohnen-zerstörenden Tiger

Natürlich ist es spektakulär anzuschauen, wie eine Horde verspielter Sibirischer Tiger einer Drohne hinterherjagt. Doch die Wahrheit hinter dem Video ist ziemlich grausam.

von Sarah Emerson
24 Februar 2017, 11:56am

Der kurze Clip von mehreren Sibirischen Tigern, die verspielt einer Drohne hinterherjagen, hat sich gestern ziemlich rasant im Netz verbreitet. Der Tweet des britischen Fernsehsenders ITV News, der das Video verbreitete, wurde schnell auf zahlreichen anderen Plattformen geteilt und entwickelte sich zum viralen Clip des Tages.

„Wow, so ein tolles Video. Die vielen prächtigen Tiger gucken in den Himmel und rennen wild umher. Schließlich fangen sie die Drohne und lassen sich so richtig an ihr aus, bis es nur noch raucht und qualmt. Schön für sie. Schön für mich", umschrieb beispielsweise das Technikportal The Verge das Video.

Doch wie so viele andere lustige Sachen, die wir online zu sehen bekommen, sind die Hintergründe dieses viralen Videos in Wahrheit ziemlich schrecklich. In diesem haben diese Hintergründe mit dem Entstehungsort des Videos zu tun: Wissenschaftsjournalist John R. Platt hat als erster erkannt, wo das Video entstanden ist: im „Harbin Siberian Tiger Park"; eine sogenannte Tiger-Farm im Nordosten Chinas, in der die Tiger aufgezogen und dann geschlachtet werden sollen, um mit ihnen einen hohen Profit zu erzielen.

Diese Tiger-Farm soll laut der Organisation Big Cat Rescue schon seit geraumer Zeit unter dem Deckmantel einer Wildtierauffangstation operieren. Ganze Busladungen von Touristen werden hierher gebracht, damit sie den seltenen Anblick der furchterregenden Großkatzen genießen können, die ihnen normalerweise ihr Gesicht zerfleischen würden.

Doch der Harbin Siberian Tiger Park soll sich neben den Touristenführungen auch noch auf den Verkauf von Schmuggelwaren wie Tigerknochen, -fleisch, -fell und einer Spezialität namens „Knochenwein" spezialisieren. Investigativjournalisten vom Medienkonzern McClatchy haben vor Ort feststellen müssen, dass „die Tiere in schrecklicher Verfassung sind … Verkäufer haben ganz offen Knochenwein angeboten, obwohl es in China bereits seit 1993 verboten ist, Knochenprodukte zu verkaufen, die von Haustigern oder wilden Tigern stammen."

Die Zucht von Tigern in Gefangenschaft zum Zweck des illegalen Handels mit ihren Körperteilen wurde 2007 im Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES) verurteilt. Als Mitglied des CITES, einem internationalen Abkommen zum Schutz von gefährdeten freilebenden Tieren und Pflanzen, wurde China damals dringend empfohlen, die noch vorhandenen Tigerfarmen zu schließen.   

Zur Zeit sind in China dennoch etwa 200 Tigerfarmen in Betrieb. Nur 20 Sibirische Tiger – wenn nicht sogar weniger – leben in China noch in freier Wildbahn. 2015 hat der Harbin Siberian Tiger Park angegeben, dass auf seinem Grundstück rund 800 Tiger leben. Neben den Sibirischen Tigern werden hier auch afrikanische Löwen, weiße Tiger und Leoparden gefangen gehalten.

Anfang des Jahres hatte die Tierschutzorganisation Born Free Foundation wegen Fotos, auf denen übergewichtige, „kranke" Tiger im Park zu sehen sind, bereits Bedenken an den Lebensbedingungen in der Anlage geäußert.

„Diese Tiger sehen stark übergewichtig aus, was auf eine völlig ungeeignete und unnatürliche Ernährung und extrem unangebrachte Lebensbedingungen angesichts ihrer natürlichen Lebensumstände und ihres Bedürfnisses nach ausreichend Bewegung hinweist – klare Indikatoren für ein Leben in Gefangenschaft. Meiner Meinung nach ist das nicht lustig oder gar ‚niedlich'. Diese Tiere sind krank", erklärte der Vorsitzende der Born Free Foundation, Will Travers, damals gegenüber der britischen Metro-Zeitung.

Bevor ihr das jüngste Viralvideo der Tiger also teilt, solltet ihr euch vielleicht zweimal überlegen, ob ihr der Tigerfarm zu noch mehr Aufmerksamkeit und Touristen verhelfen wollt.